Sicherheitsforscher: "Alle Deutschen werden vollständig abgehört"
Viel Hoffnung gibt es nicht, dass Deutsche erwarten können, nicht von Geheimdiensten abgehört zu werden. Diese Auffassung vertritt Hartmut Pohl. Er leitet den Präsidiumsarbeitskreis Datenschutz und IT-Sicherheit bei der Gesellschaft für Informatik. Im Interview mit dem Deutschlandradio(öffnet im neuen Fenster) sprach Pohl über seine Einschätzung des aktuellen NSA-Skandals, über die Geheimdienstaktivitäten und über Sicherheitslücken.
Pohl geht davon aus, dass die Sicherheitsbehörden in Deutschland wissen, dass alle Personen in der Bundesrepublik Deutschland vollständig abgehört werden. Dazu würden Telefongespräche per Festnetz oder Mobiltelefon vollständig gespeichert. Auch alle Dienste im Internet würden gespeichert und könnten entsprechend ausgewertet werden, womöglich auch sofort. Auch auf Nachfrage bekräftigte Pohl seine Auffassung, dass "alle Deutschen vollständig abgehört werden".
Alle Staaten hören ab, wenn das Geld dafür reicht
Nach Ansicht Pohls hören alle Staaten ab, die es sich finanziell leisten können. Dazu zählt er mindestens alle G20-Staaten oder die 35 finanzstärksten Staaten dieser Welt. Demzufolge führten also nicht nur die Geheimdienste der USA Abhöraktionen durch, sondern auch die Geheimdienste anderer Staaten.
Auch Wirtschaftskriminelle verwendeten entsprechende Techniken zum Abhören. In diesem Bereich könne direkt deutlich mehr Geld verdient werden als bei der politischen Spionage, meint Pohl.
Kritik am BSI-Gesetz
Das BSI-Gesetz kritisiert Pohl in dem Gespräch entschieden. Damit habe der Gesetzgeber klar entschieden, dass bislang unbekannte Sicherheitslücken bewusst geheim gehalten werden. Wenn das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von solchen Sicherheitslücken erfahre, müssten diese nicht veröffentlicht werden. Pohl vermutet, dass damit die Arbeit des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesnachrichtendienstes (BND) unterstützt werden soll, damit diese ihre Arbeit machen und dabei auf solche Sicherheitslücken zurückgreifen könnten.
Diese politische Entscheidung gehe zulasten deutscher Unternehmen und damit zulasten deutscher Arbeitsplätze, meint Pohl. Denn diese unveröffentlichten Sicherheitslücken seien Nachrichtendiensten anderer Länder oder der organisierten Kriminalität bekannt und könnten entsprechend eingesetzt werden.
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