• IT-Karriere:
  • Services:

Sicherheitsaudit: Bekannte BeA-Sicherheitslücke blieb lange offen

Ein alter Sicherheitsaudit des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs gibt Aufschluss über die Pannengeschichte des Projekts.

Artikel von veröffentlicht am
Atos wusste von einer Sicherheitslücke im BeA, hat sich aber offenbar entschlossen, diese nicht zu beheben.
Atos wusste von einer Sicherheitslücke im BeA, hat sich aber offenbar entschlossen, diese nicht zu beheben. (Bild: SK Sturm Fan/Wikimedia Commons/CC-BY-SA 4.0)

Nach mehreren Gerichtsentscheidungen kommen inzwischen immer mehr Dokumente ans Licht, die Aufschluss über die Entstehungsgeschichte des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs (BeA) geben. Bereits berichtet hatten wir über die Veröffentlichung der Frühfassung eines Sicherheitsgutachtens der Firma Secunet. Jetzt wurde ein weiteres Sicherheitsgutachten öffentlich, das 2015 von der Firma SEC Consult erstellt wurde. In dem Gutachten wurden mehrere Sicherheitslücken gefunden - eine wurde dennoch nicht geschlossen und erst Jahre später von CCC-Mitgliedern erneut entdeckt.

Stellenmarkt
  1. WIAS -Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik, Berlin
  2. Hays AG, Erfurt

Ein Rückblick: Anfang 2018 hätte das besondere elektronische Anwaltspostfach (BeA) richtig starten sollen, ab dann galt theoretisch eine Nutzungspflicht für Rechtsanwälte. Doch daraus wurde nichts, denn Mitglieder des Chaos Computer Clubs deckten auf, dass in der BeA-Software ein TLS-Zertifikat samt privatem Schlüssel enthalten war. Das Zertifikat musste zurückgezogen werden.

BeA-Pannengeschichte führte zu Abschaltung

Die Alternative, die dann in einer neuen Version des BeA präsentiert wurde, machte das Ganze noch schlimmer: Die BeA-Software forderte Nutzer dazu auf, ein Root-Zertifikat zu installieren, zu dem ebenfalls der private Schlüssel Teil der Software war. Nach diesen Pannen wurde das BeA vorläufig abgeschaltet.

Es blieben nicht die einzigen Sicherheitslücken. Eine ganze Reihe von Sicherheitsproblemen, die teilweise trivial auffindbar gewesen wären, plagten das BeA und es dauerte Monate, bis es wieder starten konnte.

Bereits damals war bekannt, dass ein Sicherheitstest des BeA durch die IT-Sicherheitsfirma SEC Consult durchgeführt wurde. Golem.de stellte damals die Frage, wie es eigentlich sein konnte, dass teilweise sehr offensichtliche Sicherheitsprobleme von SEC Consult übersehen wurden.

Bundesrechtsanwaltskammer verweigerte lange die Herausgabe des Gutachtens

Doch die Bundesrechtsanwaltskammer versuchte, das Gutachten von SEC Consult so lange es geht geheim zu halten. Diverse Personen stellten Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an die Anwaltskammer, die jedoch alle zunächst abgelehnt wurden. Golem.de hatte damals den Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit eingeschaltet. Dieser kam zu der Einschätzung, dass die Ablehnung dieser Anfragen zu Unrecht erfolgte. Trotzdem weigerte sich die Bundesrechtsanwaltskammer, das Gutachten herauszugeben.

Ein Berliner Rechtsanwalt ging juristisch gegen die Ablehnung der Herausgabe vor und hat nach mehreren Gerichtsentscheidungen das Gutachten kürzlich erhalten. Es ist inzwischen zusammen mit anderen Dokumenten auf der Webseite Frag den Staat abrufbar.

Das Gutachten ist vergleichsweise kurz. Wie daraus hervorgeht, wurde in einem Blackbox-Ansatz getestet, die Software wurde also nur aus Nutzersicht geprüft, die Tester hatten offenbar keinen Zugriff auf den Code und die Server des BeA-Systems. Weiterhin wird betont, dass mit einem Timebox-Ansatz getestet wurde. Das bedeutet, dass es sich nicht um einen umfassenden Sicherheitstest handelte, es wurde nur eine begrenzte Zeit nach Sicherheitslücken gesucht. Übersehen wurden damals offenbar die Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit dem lokalen TLS-Zertifikat.

Im Gutachten sind insgesamt drei gefundene Sicherheitslücken aufgelistet. Eine, bei der unberechtigt Metadaten von Nachrichten abgerufen werden konnten, wurde laut Gutachten geschlossen. Eine weitere Lücke ist vergleichsweise harmlos, es handelt sich nur um eine Information-Disclosure, anhand von Server-Fehlermeldungen konnte man Rückschlüsse auf die verwendete Software ziehen.

Cross-Site-Scripting-Lücke entdeckt und nicht geschlossen

Weiterhin beschrieben ist in dem Gutachten eine Cross-Site-Scripting-Lücke (XSS), deren Risiko als gering eingestuft wurde, da nur eine begrenzte Zeichenzahl genutzt werden konnte. Diese Lücke wurde damals nicht geschlossen. Dieselbe Lücke wurde 2017, mehr als zwei Jahre später, von Markus Drenger vom Chaos Computer Club erneut entdeckt. Erst daraufhin wurde die Lücke geschlossen. Die Lücke war sehr offensichtlich. Eingaben in einer Variablen in der URL wurden ungefiltert in der Webseite ausgegeben.

Offenbar wurde also eine bereits 2015 bekannte Sicherheitslücke zwei Jahre nicht geschlossen. Die Bundesrechtsanwaltskammer erklärte auf Anfrage von Golem.de, dass hierfür Atos verantwortlich war. Demnach hätte Atos der Bundesrechtsanwaltskammer damals telefonisch bestätigt, dass die im Gutachten von SEC Consult gefundene XSS-Lücke beseitigt wurde.

Demnach hätte Atos die Bundesrechtsanwaltskammer angelogen. Atos wollte sich dazu auf Anfrage von Golem.de nicht äußern: "Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Fragen im Zusammenhang mit unseren Kundenverträgen öffentlich diskutieren."

SEC Consult ist inzwischen Teil von Atos

Atos ist inzwischen nicht mehr für das BeA verantwortlich. Die Betreuung hat die Firma Westernacher übernommen. Eine besondere Wendung hat diese Geschichte kürzlich noch erhalten: Die Firma SEC Consult wurde inzwischen von Atos übernommen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. Sony DualSense Wireless-Controller für 67,89€)

AllDayPiano 03. Nov 2020 / Themenstart

Oder BeA? Bei so viel Pfusch kommt man schnell durcheinander.

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Google Pixel 4a - Test

Das Pixel 4a ist Googles neues Mittelklasse-Smartphone: Es kostet 350 Euro und hat unter anderem die gleiche Hauptkamera wie das Pixel 4.

Google Pixel 4a - Test Video aufrufen
    •  /