Sicherheit: KIT-Forscher identifizieren Personen via WLAN
Forschende von Kastel am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben eine Methode entwickelt(öffnet im neuen Fenster), mit der sich Personen über WLAN-Signale identifizieren lassen. Das Verfahren benötigt weder Kameras noch müssen beobachtete Personen ein eigenes Smartphone oder anderes Onlinegerät mitführen.
Nach Aussage von Thorsten Strufe analysiert das System die Ausbreitung von Radio- statt Lichtwellen zur Abbildung von Personen und Umgebung. Es reicht aus, wenn es aktive WLAN-Geräte in der Nähe gibt. Julian Todt erklärt, dass jeder handelsübliche Router dadurch zu einem potenziellen Überwachungsinstrument wird. Vorbeigehende Passanten an einem Café könnten so unbemerkt erfasst und später wiedererkannt werden.
Nutzung unverschlüsselter Signale
Im Gegensatz zu früheren Methoden, die Spezialhardware wie Lidar-Sensoren oder komplexe Channel-State-Information-Messungen benötigten, reicht bei der neuen Technik Standard-Hardware aus. Das Verfahren nutzt gewöhnliche Signale der WLAN-Funkkommunikation, die ohne Zugang zum Zielnetzwerk passiv mitgelesen werden können.
Ausgewertet wird die sogenannte Beamforming Feedback Information (BFI). Diese Daten senden verbundene Geräte unverschlüsselt an den Router, um die Übertragung zu optimieren. Dritte können die unverschlüsselten Signale in Reichweite mitlesen. Das System erzeugt aus den Daten Bilder von Personen aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein angelerntes Modell für maschinelles Lernen identifiziert Personen daraufhin in wenigen Sekunden.
Gefahren für die Privatsphäre
In Versuchen mit 197 Teilnehmern erreichte die Erfassung laut eigenen Angaben eine Genauigkeit von 99,5 Prozent, unabhängig von Gehstil oder Blickwinkel. Felix Morsbach, Doktorand am KIT, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass drahtlose Netzwerke im Vergleich zu sichtbaren Überwachungskameras keinen Verdacht erwecken. Thorsten Strufe, Leiter des Lehrstuhls für Privacy and Security am KIT, betont ferner die Risiken der Technologie für Grundrechte und Privatsphäre. Die Forscher warnen vor einem Einsatz in autoritären Staaten, etwa zur Überwachung von Protesten. Sie sprechen sich dafür aus, entsprechende Schutzmaßnahmen direkt in den kommenden WLAN-Standard IEEE 802.11bf zu integrieren.
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