Sicherheit: BND will verstärkt gegen Cyber-Attacken vorgehen

Mehrere 100 Millionen Euro will der BND für ein Frühwarnsystem gegen Cyber-Angriffe ausgeben. Nur mit modernster Hardware könne den IT-Entwicklungen gefolgt werden.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Der BND hat auch Zugriff auf den Internetknoten Decix in Frankfurt am Main.
Der BND hat auch Zugriff auf den Internetknoten Decix in Frankfurt am Main. (Bild: Decix)

Der Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitet an einem Frühwarnsystem gegen Cyber-Attacken über das Internet. Bis zum Jahr 2020 seien dafür rund 300 Millionen Euro veranschlagt, berichtete die Tageszeitung Neues Deutschland unter Berufung auf ein internes BND-Papier. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa wurde der Bericht von Sicherheitskreisen bestätigt. Geplant ist laut dpa der Aufbau eines Informationsringes mit internationalen Partnerdiensten des deutschen Auslandsnachrichtendienstes. So sollen Spionageangriffe über das Internet erkannt werden, bevor sie die Infrastruktur in Deutschland erreichen. Abwehrmechanismen könnten so rechtzeitig in Kraft gesetzt werden.

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Dem Neuen Deutschland zufolge will der BND auf fünf Gebieten aktiv werden. Die technische Signalerfassung soll einem Philosophiewandel unterzogen werden. Zudem sehe man neue Möglichkeiten der Cyber-Abwehr und strebe eine noch engere Kooperation mit dem Verfassungsschutz, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie der Bundeswehr an. Auch wolle man eine verbesserte Sensorik, moderne Biometriemethoden und plane den Ausbau der Datenanalyse.

Dem Papier zufolge befürchtet der BND aufgrund der technischen Entwicklung eine "Erosion" des Dienstes. Das bedeute auch, dass man mit westlichen Partnerdiensten nicht mehr auf Augenhöhe Informationen austauschen könne, wodurch die Gefahr einer Isolation bestünde. So könne der BND technisch sogar hinter die Geheimdienste von Italien oder Spanien zurückfallen, von den USA, Großbritannien und Frankreich ganz abgesehen. Das Ziel sei jedoch, "im Gleichklang mit anderen Nachrichtendiensten" zu operieren. Derzeit sieht sich der BND als "die einzige Einrichtung in Deutschland mit Zugriff auf ausländische Kommunikationsverkehre und mit der Fähigkeit zur Entschlüsselung digitaler Daten".

Neue Cyber-Strategie

BND-Präsident Gerhard Schindler hatte die Cyber-Strategie kürzlich auf einer Veranstaltung des Bundesamts für Verfassungsschutz umrissen. Dabei hatte er sich vor allem auf die Abwehr von Wirtschaftsspionage bezogen, die nach Schätzungen pro Jahr einen Schaden zwischen 20 und 50 Milliarden Euro in Deutschland verursacht. Bei den BND-Plänen geht es aber nicht nur um die Abwehr von Wirtschaftsspionage, sondern auch um Rezepte gegen Cyber-Attacken auf kritische Infrastruktur wie etwa die Elektrizitäts- oder Wasserversorgung.

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Die Abwehr von Cyber-Angriffen firmiert beim BND unter dem Begriff SSCD. Das Kürzel steht für "Sigint Support to Cyber Defense", auf Deutsch etwa: technische Fernmeldeaufklärung zur Abwehr von Cyber-Bedrohungen. Diese bietet lautet Schindler "viele, fantastische Möglichkeiten". Als Beispiel für die Anwendung nannte der BND-Chef den Fall, dass über Auslandserfassungen ein Cyber-Angriff auf französische Firmen oder Institutionen mittels einer neuen, bislang unbekannten Schadsoftware erkannt werde. Der BND gebe die Informationen über die neue Schadsoftware umgehend an das BSI und den Verfassungsschutz weiter, damit die Firewalls in Deutschland darauf quasi "scharf gestellt" werden könnten. "Und wenn nach wenigen Tagen Deutschland das Ziel dieser Cyber-Attacke wird, sind unsere Abwehrsysteme vorbereitet", sagte Schindler.

Der BND sucht dabei beispielsweise an Glasfaserkabeln im Ausland in den dort fließenden Datenströmen nach Schadsoftware. Das Besondere an der neuen Strategie: Durch enge internationale Zusammenarbeit vor allem mit europäischen Geheimdiensten, aber auch mit US-Partnern soll die Systematik einer Schadsoftware inklusive möglicher Tarnverfahren bereits erkannt werden, bevor sie Computer in Deutschland angreift. Entscheidende Voraussetzung für den Erfolg dieser Strategie ist laut Schindler, dass man eine große Datenbasis über mögliche Angreifer, Angriffswege und technische Details hat.

Um das SSCD-System erfolgreich umsetzen zu können, setzt der BND auf eine Optimierung seiner Technik. "Nur mit modernster Hardware können wir den rasanten Entwicklungen im Cyber-Raum folgen", sagte Schindler auf dem Symposium.

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