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Sichere Enklave: Intel soll exklusive Fertigung für US-Militär aufbauen

In dieser sicheren Enklave läuft keine vertrauliche Software, sie fertigt vertrauliche Chips. Dafür sollen Milliarden an Subventionen fließen.
/ Johannes Hiltscher
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Bald Intel inside? Der Kampfjet F35 (Bild: US Air Force, Wikimedia Commons; Montage: Golem.de)
Bald Intel inside? Der Kampfjet F35 Bild: US Air Force, Wikimedia Commons; Montage: Golem.de / CC0 1.0

Mit dem Chips Act will die US-Regierung das Land unabhängiger von ausländischen Halbleiterherstellern machen. Konkretes Bedrohungsszenario ist die Einnahme Taiwans durch die Volksrepublik China, mit der Staatsführer Xi Jinping offen droht. Fiele hierdurch die Produktionskapazität, hauptsächlich bei TSMC, weg, wäre das auch für das US-Militär fatal. Es soll daher, wie das Wall Street Journal berichtet(öffnet im neuen Fenster) , exklusive Produktionskapazitäten in den USA bekommen.

Denn ohne Mikrochips kommt auch moderne Militärtechnik nicht mehr aus, ohne sie fliegt kein Kampfjet und keine Rakete. Als aussichtsreichster Kandidat für den Aufbau einer "sicheren Enklave" , quasi einem militärischen Bereich einer Halbleiterfabrik, gilt Intel. Offiziell angekündigt hat die US-Regierung das noch nicht, das Wall Street Journal beruft sich auf mit den laufenden Verhandlungen vertraute Quellen. Denen zufolge sollen dafür zwischen 3 und 4 Milliarden US-Dollar aus dem Chips Act fließen, der 39 Milliarden US-Dollar für Investitionen in neue Fertigungskapazitäten vorsieht.

Laut Wall Street Journal gibt es seit dem Sommer 2023 eine Vereinbarung zwischen dem US-Handelsministerium, das die Subventionen vergibt, und dem Verteidigungsministerium. Letzteres erhält dabei Einblick in den Vergabeprozess. Die ersten Mittel sollen in den kommenden Wochen vergeben werden, bislang soll es 130 Anträge geben.

Gegenwind von Konkurrenz und Senatoren

Eine so exklusive Förderung erntete direkt den Widerspruch anderer Unternehmen, die sich Fördergelder aus dem Chips Act erhoffen. TSMC etwa befürchtet, dass für die eigenen Bauvorhaben so weniger Geld zur Verfügung steht.

Auch innerhalb des Senats ist das Vorhaben nicht unumstritten: Drei Senatoren äußerten sich in einem Brief an Handelsministerin Gina Raimondo besorgt, dass hier unnötig viel Geld ausgegeben werde. Dagegen zitiert das Wall Street Journal Senator Marco Rubio aus Florida, der exklusive Fertigungskapazitäten für das Militär für unumgänglich hält, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten.

Intel ist der naheliegende Kandidat

Dass ein Auftrag für den Aufbau exklusiver Fertigungskapazität für das Militär an Intel geht, wäre nicht allzu verwunderlich. Denn hier kommen zwei Faktoren zusammen, die aus Sicht des Militärs wünschenswert sind: Intel betreibt bereits Produktionsstätten in den USA und ist relativ unabhängig von ausländischem Einfluss: Die wichtigsten Investoren(öffnet im neuen Fenster) kommen aus den USA. Intels CEO unterstützt zudem die Handelsbeschränkungen der US-Regierung gegen China.

Die drei Größten, die Investmentgesellschaften Vanguard und Blackrock sowie der Finanzdienstleister State Street Corporation, halten über 20 Prozent der Anteile. Danach folgt Gordon Moore als größter Einzelaktionär. Globalfoundries, der nächstgrößere Hersteller von Logikhalbleitern mit Sitz in den USA und aus unserer Sicht aufgrund des breiteren Spektrums an Fertigungstechnologie für militärische Halbleiter interessanter, gehört mehrheitlich der staatlichen Investitionsgesellschaft Advanced Technology Investment Company aus Dubai.

Einen Nachteil hat Intel allerdings aus Sicht des Militärs: Das Unternehmen fertigt fast ausschließlich mit Siliziumsubstraten. Durch die geplatzte Übernahme von Tower Semiconductor fehlen Intel Fertigkeiten, die für Halbleiter für den Militärsektor interessant sind. Auf Siliziumkarbid oder Galliumnitrid gefertigte Halbleiter sind für den Verteidigungssektor interessant, da sie extremere Bedingungen verkraften als Siliziumhalbleiter. Zumindest in die Fertigung mit Galliumnitrid stieg Intel 2021 ein(öffnet im neuen Fenster) . Auch Siliziumchips, die den strengeren Ansprüchen des Militärs genügen, zählen nicht zu Intels Kerngeschäft.


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