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Shokz Openfit Pro im Vergleichstest: Das Open-Ear-Klangwunder mit toller Steuerung

Mit den Openfit Pro macht Shokz das Unmögliche möglich. Trotz offener Bauweise klingen die Kopfhörer sehr lebendig und begeistern auch sonst.
/ Ingo Pakalski
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Openfit Pro im Test (Bild: Shokz)
Openfit Pro im Test Bild: Shokz

Die neuen Openfit Pro sind die ersten Open-Ear-Kopfhörer von Shokz mit Active Noise Cancellation (ANC). Damit soll der Umgebungslärm reduziert werden. Außerdem wurde die gesamte Klangarchitektur neu gestaltet, sie soll besonders gut klingen. In einer der beiden Disziplinen wird das Versprochene überraschend gut erreicht.

Wir haben die Openfit Pro vor allem mit den Freeclip 2 von Huawei verglichen, die unter den Open-Ear-Kopfhörern besonders überzeugen. Sie klingen toll, tragen sich sehr bequem und liefern eine vorzügliche Sprachqualität in Telefonaten.

Wie andere Produkte aus Shokz' Openfit-Baureihe nutzt das Pro-Modell eine Bügelkonstruktion, die Klangeinheit hängt dann vor dem Ohr. Die Bügelkonstruktion bedarf einiger Übung beim Aufsetzen – Clip-Kopfhörer lassen sich deutlich leichter am Ohr befestigen.

Openfit Pro und die Herausforderung mit Brillen

Bei der Shokz-Konstruktion kann der Bügel für Brillenträger störend sein, wenn beide Bügel übereinander liegen und dann gegen den Kopf drücken. Bei uns sitzen die Openfit Pro nicht so bequem, dass wir vergessen würden, dass wir sie tragen. Nach einigen Stunden Tragezeit wird es ungemütlich. Die Freeclip 2 sitzen wesentlich besser, selbst nach einigen Stunden werden sie uns nicht unangenehm.

Der Eindruck beim Tragen kann je nach Ohrform und Brillenmodell auch anders ausfallen. Der Hersteller lieferte erstmals bei einem Openfit-Modell Abstandshalter mit, die an den Bügel angebracht werden können und bei Bedarf das Tragegefühl verbessern sollen. Bei uns war das Gegenteil der Fall, es wurde noch unbequemer – auch hier hängt es von der Ohrform ab.

Die Openfit Pro lassen sich nicht beim Liegen auf der Seite verwenden, weil der Kopfhörer dann drückt. Sie sind gut für den Draußen-Einsatz geeignet und nach IP55 gegen Regen geschützt.

Da die Kopfhörereinheit der Openfit Pro vor dem Ohr hängt, ist die Umgebung immer hörbar, was etwa im Verkehr ein Pluspunkt in Sachen Sicherheit ist. Allerdings hat das den Nachteil, dass vor allem Hörbücher oder Podcasts bei starker Geräuschkulisse in der Umgebung lauter gestellt werden müssen, um noch etwas zu verstehen.

Shokz lotet die Grenzen von ANC aus

Als Lösung für dieses Problem entschied sich Shokz für eine ANC-Integration. Hier bestätigten sich unsere Erwartungen, dass Open-Ear-Produkt und ANC nicht gut zusammenpassen. Zwar schaffen es die Openfit Pro, einen geringen Teil der Umgebungsgeräusche etwas leiser zu machen, viele Lärmquellen bleiben jedoch unverändert laut.

Das führt dazu, dass wir etwa einen Podcast in geräuschvollen Umgebungen immer lauter stellen müssen, egal ob ANC an- oder abgeschaltet ist. Lästig dabei: Wenn wir beim Podcast-Hören ANC aktivieren, überlagert ein Signalton des Kopfhörers das Gesprochene, und wir können es nicht mehr hören. Wir müssten also immer selbst dran denken, vorher die Wiedergabe zu stoppen, wenn wir nichts verpassen wollen.

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Ärgerlicherweise lassen sich diese Signaltöne nicht abschalten. Aus unserer Sicht hätte sich Shokz den Einbau der ANC-Funktion sparen können, denn bei einem Open-Ear-Produkt stößt die ANC-Technik an physikalische Grenzen. Eine automatische Lautstärkeregelung wie bei den Freeclip 2 gibt es beim Openfit Pro nicht.

Ganz anders sind unsere Erfahrungen mit der neuen Klangeinheit in den Openfit Pro.

Openfit Pro klingen phänomenal gut

Die andere große Shokz-Verbesserung für die Openfit Pro ist dafür umso beeindruckender: die Klangqualität. Für ein Open-Ear-Produkt klingen die Openfit Pro ausgesprochen lebendig – und lassen etwa die Freeclip 2 hinter sich, die in dieser Disziplin bereits vergleichsweise gut abschneiden.

Die Openfit Pro setzen auf neu entwickelte Dual-Membran-Treiber mit einer Größe von 11 x 20 mm, mit denen vor allem die Qualität der Basswiedergabe entscheidend zulegt. Während Open-Ear-Produkte den Bass kaum transportieren können, gelingt das mit den Openfit Pro ungewöhnlich gut.

Das warme Klangbild ist ausgewogen, vergleichsweise bassstark, dynamisch und besitzt eine gute Räumlichkeit. Insgesamt ist das Musikhören damit deutlich direkter als etwa bei den bereits sehr guten Freeclip 2. Das Pro-Modell liefert einen intensiveren Musikgenuss und vermittelt noch stärker den Eindruck, dabei zu sein.

Die klanglichen Grenzen von Open-Ear-Kopfhörern

Viele andere Open-Ear-Produkte sind bezüglich der Klangqualität eher zur Hintergrundberieselung geeignet – das gilt für die Openfit Pro nicht. Doch trotz aller Begeisterung für die tolle Klangqualität: An den Klang normaler Hörstöpsel reichen sie noch nicht heran, weil diese etwa bei der Räumlichkeit und beim Bassfundament mehr leisten.

Allerdings kann Shokz mit den Openfit Pro den Abstand zu klassischen Hörstöpseln deutlich verringern – das ist für diese Bauform beeindruckend. Dabei unterstützen die Openfit Pro auch die Wiedergabe von Dolby-Atmos-Material. Allerdings ist fraglich, ob es sich bei einem Open-Ear-Produkt sinnvoll nutzen lässt – wir können dem nicht viel abgewinnen.

Typisch für Open-Ear-Produkte: Bei entsprechender Lautstärke hört die Umgebung alles etwas leiser mit, was die Person mit den Openfit Pro hört. Wie stark der Effekt ist, hängt von der eingestellten Lautstärke, der Geräuschkulisse in der Umgebung und dem räumlichen Abstand ab.

Gute Sprachqualität in Telefonaten

Die Openfit Pro sind gut für Telefonate geeignet, auch laute Geräusche wie ein Wasserhahn, Geschirrgeklapper oder ein vorbeifahrendes Auto werden so weit reduziert, dass es die Gegenseite kaum bemerkt. Wir klingen dann zwar für die Gegenseite dumpfer, sind aber weiterhin gut zu verstehen.

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Unterhaltungen anderer Personen im gleichen Raum sind für die Gegenseite immer zu hören, auch die eigenen Laufgeräusche hört die andere Seite. An die Spitzenleistung der Konkurrenz kommt Shokz hier also nicht heran. Mehr Leistung liefern die Freeclip 2, bei denen Anrufer keine anderen Personen im gleichen Raum hören und selbst sehr laute Umgebungsgeräusche immer wirksam unterdrückt werden.

Es ist schade, dass Shokz auch bei diesem Produkt nicht an eine Mikrofonsteuerung gedacht hat, so dass wir immer zum Smartphone greifen müssen, falls wir das Mikrofon mal stumm schalten wollen.

Gelungene Knopfsteuerung

Abgesehen davon ist die Steuerung der Openfit Pro gelungen. Erfreulicherweise hat sich Shokz seit den Openfit 2 von der vorherigen Sensorsteuerung verabschiedet und nutzt auch beim Pro-Modell eine Knopfsteuerung. Sie arbeitet sehr zuverlässig, weil sich ein Knopf etwa beim Laufen besser erfühlen und betätigen lässt als eine Sensorfläche (g+).

In der kalten Jahreszeit ein Vorteil: Die Steuerung ist mit normalen Handschuhen uneingeschränkt möglich. Shokz-typisch lässt sich die Steuerung allerdings leider nur eingeschränkt anpassen. Immerhin ist die vorgegebene Belegung halbwegs sinnvoll gewählt.

Die Openfit Pro besitzen eine Trageerkennung: Nehmen wir einen oder beide Kopfhörer vom Ohr, wird die Wiedergabe angehalten. Dabei gibt es eine spürbare Verzögerung von rund vier Sekunden. Wenn wir beide Kopfhörer wieder aufsetzen, wird die Wiedergabe fortgesetzt.

Bluetooth 6.1, aber kein Auracast

Allerdings nur, wenn die Kopfhörer nicht länger als fünf Minuten abgesetzt werden. Ansonsten müssen wir selbst die Wiedergabe starten – in der Praxis ist die Trageerkennung daher nutzlos.

Die Openfit Pro bieten Bluetooth 6.1 mit den Codecs SBC und AAC, Auracast fehlt ärgerlicherweise. Bluetooth-Multipoint ist vorhanden, und wir können die Kopfhörer unkompliziert mit bis zu zwei Geräten verbinden. Bei älteren Openfit-Modellen war die Kopplung etwas kompliziert, das gilt beim Pro-Modell durch die Kopplungstaste am Etui erfreulicherweise nicht mehr.

Auch für das Pro-Produkt gibt es die Shokz-App für Android und iOS, die weiterhin kein Nutzerkonto und keine Standortdaten benötigt und auch ohne Internetverbindung zügig startet. In der App finden sich ein Equalizer, Einstellungen für Dolby Atmos, Bluetooth-Multipoint und die Trageerkennung. Updates können wahlweise manuell eingespielt werden und sind vorbildlicherweise innerhalb weniger Minuten installiert.

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Openfit Pro mit sehr langer Akkulaufzeit

Für die Openfit Pro nennt Shokz eine Akkulaufzeit von zwölf Stunden, so dass sie mehr als einen Arbeitstag durchhalten. Die ANC-Aktivierung halbiert die Akkulaufzeit auf sechs Stunden. In Anbetracht der geringen ANC-Leistung ist die stark verkürzte Akkulaufzeit ein weiterer Grund, die ANC-Funktion nicht zu verwenden.

Leider zeigt die App den Ladestand nur sehr ungenau in Zehnerschritten an, bei einer so langen Akkulaufzeit wäre eine Darstellung in Einerschritten hilfreicher.

Mit dem Ladeetui sollen bis zu 50 Stunden Nutzung möglich sein. Bei ANC-Nutzung verringern sich die Werte auf 24 Stunden – in beiden Fällen entspricht das drei Aufladungen. Auch für das Ladeetui wird die Akkukapazität nur in Zehnerschritten angegeben.

Wie bei anderen Openfit-Modellen ist das Ladeetui vergleichsweise groß, weil der Bügel viel Platz beansprucht. Die Entnahme der Openfit Pro ist mühelos, das Ablegen erfordert aber einiges an Gewöhnung, weil sie kopfüber abgelegt werden. Erfreulicherweise passen die Openfit Pro auch mit angebrachten Abstandshaltern in das Ladeetui. Das Etui hat eine USB-C-Buchse und unterstützt drahtloses Laden.

Shokz Openfit Pro: Verfügbarkeit und Fazit

Shokz verkauft die Openfit Pro(öffnet im neuen Fenster) in den Farben Schwarz und Weiß für 250 Euro – zum Lieferumfang gehört ein USB-C-Ladekabel.

Fazit

Die Openfit Pro liefern für einen Open-Ear-Kopfhörer einen phänomenal guten Klang, überzeugen mit einer guten Sprachqualität in Telefonaten und einer gelungenen Steuerung. Sie haben eine sehr lange Akkulaufzeit und sitzen angenehm am Ohr, kommen allerdings nicht an den noch besseren Tragekomfort der Freeclip-Produktreihe heran.

Weniger überzeugend ist hingegen die ANC-Funktion, die in der Praxis aufgrund des Open-Ear-Konzepts zu wenig leistet. Wie bei anderen Bügel-Open-Ear-Kopfhörern ist das Ladeetui vergleichsweise groß und klobig und das Ablegen gewöhnungsbedürftig.

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Wer mehr Wert auf Tragekomfort legt und beim Klang Abstriche in Kauf nehmen kann, erhält mit den Freeclip 2 von Huawei eine gute Alternative, die unter anderem mit der sinnvollen automatischen Lautstärkeregelung und einer vorzüglichen Telefonieleistung überzeugt. Trotz der Klangverbesserung kommen auch die Openfit Pro nicht an die Klangqualität normaler Hörstöpsel heran.

Ingo Pakalski hat seit acht Jahren schon viele Dutzend Kopfhörer pro Jahr für Golem.de getestet – ob In-Ears, Over-Ears oder Open-Ears. Nur sehr selten stößt er dabei auf Geräte, die er guten Gewissens empfehlen kann.


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