Abo
  • Services:

Shodan: Die Suchmaschine für das Netz der Dinge

Wie viel Toner benötigen US-Universitäten, welche Windkraftanlagen laufen gerade und welche Autokennzeichen werden gerade in New Orleans erfasst? John Matherly berichtet, wie freigiebig das Internet der Dinge mit Informationen umgeht.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Gescannte Nummernschilder von automatischen Kameras - ungeschützt im Netz abrufbar
Gescannte Nummernschilder von automatischen Kameras - ungeschützt im Netz abrufbar (Bild: John Matherly)

Die Webseite Shodan wurde schon als gefährlichste Suchmaschine der Welt, aber auch als die Suchmaschine im Internet der Dinge bezeichnet. John Matherly betreibt den Service, der systematisch öffentlich zugängliche Informationen über alle per IPv4 am Internet angeschlossenen Geräte anzeigt. Auf der Hack-in-the-Box-Konferenz berichtete Matherly anhand von vielen Beispielen, was sich aus diesen Daten alles herauslesen lässt.

Stellenmarkt
  1. Grand City Property, Berlin
  2. Bosch Gruppe, Amt Wachsenburg

Das komplette Scannen des Internets im IPv4-Adressraum ist inzwischen verbreitet. Es gab schon eine ganze Reihe von Forschungsprojekten, die sich damit beschäftigt haben. Programme wie ZMap oder masscan erlauben es, innerhalb von Stunden den gesamten IPv4-Addressraum zu scannen. Matherly hat in der Vergangenheit beispielsweise Statistiken über die Verbreitung von Bugs wie Heartbleed erstellt oder die Command-and-Control-Server von Malware verfolgt. Doch in seinem Vortrag berichtete Matherly vor allem über das Internet der Dinge.

Die Universität von Minnesota benötigt frischen Toner

Während Betreiber gewöhnlicher Server üblicherweise versuchen, möglichst wenig Informationen über das System preiszugeben, ist das bei vielen anderen am Netz hängenden Geräten anders. Oft ist es ohne jede Authentifizierung möglich, detaillierte Informationen auszulesen. So gelang es Matherly beispielsweise, eine Statistik über am Netz hängende Drucker von Universitäten zu erstellen, die alle freigiebig preisgaben, ob sie gerade frischen Toner benötigen. Die Universität von Minnesota benötigte demnach besonders dringend neue Tonerkartuschen.

Oft ist laut Matherly anhand der IP-Adresse nicht erkennbar, wo sich ein Gerät befindet und wer dafür zuständig ist. So finden sich etwa Interfaces von Windkraftanlagen häufig im Netz, sie hängen aber in der Regel an gewöhnlichen mobilen Internetanschlüssen von großen Providern. Im Fall von Sicherheitslücken ist es da nur schwer möglich, die Betreiber überhaupt zu informieren.

An seinem Fernseher bemerkte Shodan ein offenes Telnet-Interface. Als Matherly dies dem Hersteller mitteilte, erfuhr er, dass dies ein Debug-Interface eines Yahoo-Entwicklerkits war, das eigentlich vor der Veröffentlichung der Fernseher-Firmware hätte abgeschaltet werden sollen.

120 offene Ports bei Western Digital

Überschüssige offene Ports sind kein Einzelfall. Matherly zeigte eine Statistik über Geräte nach Herstellern sortiert. Im Schnitt hatten diese etwa zehn Ports offen. Ein besonderer Ausreißer nach oben waren Geräte von Western Digital, dort waren über 120 Ports offen, darunter 3 Memcache-Instanzen, 13 VNC-Interfaces und 38 Telnet-Interfaces. Auch ein TLS-geschützter Port mit Heartbleed-Bug fand sich bei den Western-Digital-Geräten.

Die Liste an Sicherheitsproblemen ist schier endlos: Kühlschränke, die Spam verschicken, Fernseher, die ihre Nutzer belauschen, Billboards, bei denen jeder ohne Authentifizierung JPEG-Bilder hochladen kann, oder Geräte wie der Wink Hub, eine Steuerungseinrichtung für Heimautomatik, der nach einem fehlerhaften automatischen Firmware-Update schlicht nicht mehr startete.

Erfassung von Nummernschildern öffentlich

Besonders die Privatsphäre der Nutzer ist laut Matherly durch die Masse an neuen Internetgeräten bedroht. An einem besonders drastischen Beispiel machte er das deutlich: ein Gerät zur Erfassung von Nummernschildern von Autos. Matherly fand etwa 100 Installationen dieses Geräts, das ohne Authentifizierung JPEG-Bilder aller erfassten Fahrzeuge ins Netz streamte. Die gescannten Nummernschilder wurden gleich mitgeliefert. Die meisten Geräte waren in New Orleans installiert.

Matherly erfasste die Bilder über den Zeitraum mehrerer Tage und konnte dabei mehr als 60.000 Nummernschilder erfassen. Dass derartige Daten auch kommerziell interessant sind, zeigte Matherly anhand eines Anbieters namens Vigilant Solutions, der ähnlich wie Google Street View Kamerafahrzeuge durch Städte fahren lässt und dabei die Nummernschilder von Fahrzeugen erfasst und die entsprechenden Daten verkauft.

Ansätze für mehr IT-Sicherheit im Internet der Dinge gibt es zwar, sie wirken aber eher bescheiden. Eine Webseite mit dem Namen BuildItSecure.ly, initiiert von einigen Geräteherstellern, will die Branche mit Sicherheitsforschern zusammenbringen. Die Idee: Forscher könnten vorab kostenlos Geräte erhalten und sie untersuchen. Von Bezahlung ist dort nicht die Rede. Matherly bezweifelt daher, dass das für die Sicherheitsforscher ein guter Deal ist. Zu einem sicheren Internet der Dinge ist es wohl noch ein weiter Weg.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 46,99€
  2. 23,95€
  3. 59,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie (Release 14.11.)
  4. 30,99€

Bachsau 23. Aug 2015

Das wird erst besser, wenn man die Knöpfe auch wirklich drückt. Aus Schaden werden sie...

Bachsau 23. Aug 2015

Hatte Besuch vom einem von denen über IPv6.

FreiGeistler 02. Jun 2015

Shodan hat auch Plugins für obengenannte Browser, mit denen man sich sämtliche verfügbare...

hannob (golem.de) 01. Jun 2015

Blöder Fehler, danke für den Hinweis, ist korrigiert.

Dwalinn 01. Jun 2015

Es wäre schlimm wenn es dir egal wäre. Das du dich darüber nicht mehr wunderst ist...


Folgen Sie uns
       


Geforce RTX 2070 - Test

Wir haben uns zwei Geforce RTX 2070, eine von Asus und eine von MSI, angeschaut. Beide basieren auf einem TU106-Chip mit 2.304 Shader-Einheiten und einem 256-Bit-Interface mit GByte GDDR6-Speicher. Das Asus-Modell hat mehr Takt und ein höhere Power-Target sowie eine leicht bessere Ausstattung, die MSI-Karte ist mit 520 Euro statt 700 Euro aber günstiger. Beide Geforce RTX 2070 schlagen die Geforce GTX 1080 und Radeon RX Vega 64.

Geforce RTX 2070 - Test Video aufrufen
Amazons Echo Show (2018) im Test: Auf keinem anderen Echo-Gerät macht Alexa so viel Freude
Amazons Echo Show (2018) im Test
Auf keinem anderen Echo-Gerät macht Alexa so viel Freude

Die zweite Generation des Echo Show ist da. Amazon hat viele Kritikpunkte am ersten Modell beseitigt. Der Neuling hat ein größeres Display als das Vorgängermodell und das sorgt für mehr Freude bei der Benutzung. Trotz vieler Verbesserungen ist nicht alles daran perfekt.
Ein Test von Ingo Pakalski

  1. Update für Alexa-Display im Hands on Browser macht den Echo Show viel nützlicher
  2. Amazon Echo Show mit Browser, Skype und großem Display

Dell Ultrasharp 49 im Test: Pervers und luxuriös
Dell Ultrasharp 49 im Test
Pervers und luxuriös

Dell bringt mit dem Ultrasharp 49 zwei QHD-Monitore in einem, quasi einen Doppelmonitor. Es könnte sein, dass wir uns im Test ein kleines bisschen in ihn verliebt haben.
Ein Test von Michael Wieczorek

  1. Magicscroll Mobiles Gerät hat rollbares Display zum Herausziehen
  2. CJG50 Samsungs 32-Zoll-Gaming-Monitor kostet 430 Euro
  3. Agon AG322QC4 Aggressiv aussehender 31,5-Zoll-Monitor kommt für 600 Euro

Job-Porträt Cyber-Detektiv: Ich musste als Ermittler über 1.000 Onanie-Videos schauen
Job-Porträt Cyber-Detektiv
"Ich musste als Ermittler über 1.000 Onanie-Videos schauen"

Online-Detektive müssen permanent löschen, wo unvorsichtige Internetnutzer einen digitalen Flächenbrand gelegt haben. Mathias Kindt-Hopffer hat Golem.de von seinem Berufsalltag erzählt.
Von Maja Hoock

  1. Software-Entwickler CDU will Online-Weiterbildung à la Netflix
  2. Bundesagentur für Arbeit Ausbildungsplätze in der Informatik sind knapp
  3. IT-Jobs "Jedes Unternehmen kann es besser machen"

    •  /