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Shipito: Mit wenigen Mausklicks zur US-Postadresse

Trotz allem per Onlinehandel direkt in den USA kaufen? Wir haben es ausprobiert und hatten als Ausländer schnell eine funktionierende Adresse in Nevada. Doch die Paketboten in Deutschland machten uns Probleme.
/ Achim Sawall
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Eines der Lagerhäuser von Shipito (Bild: Shipito)
Eines der Lagerhäuser von Shipito Bild: Shipito

Wer in den USA Elektronik oder beliebige andere Artikel kauft, muss mit hohen Portokosten und Zollgebühren rechnen. Viele US-Händler bieten darum erst gar keine Lieferung nach Deutschland an, auch weil sie die Kosten für den Aufbau eines Händlernetzes im Ausland sparen wollen. Guten Service zu einem akzeptablen Preis bringt hier das Unternehmen Shipito. Wir haben den Logistikdienstleister gründlich getestet.

Mit wenigen Mausklicks bekommt der Nutzer eine Postadresse in Minden im US-Bundesstaat Nevada, was erst einmal nichts kostet. Der Ebay-Account lässt sich beispielsweise zeitweise auf die Adresse umstellen, um auch Produkte angezeigt zu bekommen, die nicht nach Deutschland geliefert werden.

Trifft die Sendung bei Shipito ein, bekommt der Kunde drei Fotos seines Pakets. Wer mehrere Bestellungen in den USA durchführt, kann die Sendungen bei Shipito lagern und als ein Paket nach Deutschland holen. Hier kann durch Konsolidierung erheblich Porto gespart werden. Der Anbieter entfernt gegen eine geringe Gebühr die Verpackungen, was die Pakete kleiner und günstiger macht.

Shipito: Preise für die US-Adresse

Die Virtual Mailbox kostet 10 US-Dollar im Monat oder für ein ganzes Jahr 50 US-Dollar. Beim Versand kann zwischen vielen verschiedenen Arten gewählt werden. Shipito berechnet nur 2 US-Dollar zusätzlich für den Versand. Im Kundenservicechat des Dienstleisters war ein kompetenter Ansprechpartner meist verfügbar. Bei zwei von zehn Chats mussten wir wegen Überlastung der Beschäftigten sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Wir haben als erstes für ein 1 Kilogramm schweres Paket(öffnet im neuen Fenster) die billigste und langsamste Versandart Airmail Economy für 11,66 US-Dollar ausprobiert, die etwas länger als die angegebenen 45 Werktage dauerte. Leider fand der Paketbote in Deutschland unsere Redaktionsadresse in Berlin nicht, und das Paket ging zurück in die USA. Dann probierten wir FedEx Priority für 48,94 US-Dollar aus. Diesmal fast erfolgreich. Die Sendung wurde beim Nachbarn der Privatadresse eines Redakteurs abgegeben, die wir diesmal gewählt hatten. Leider vergaß der deutsche FedEx-Beschäftigte uns zu sagen, welcher Nachbar. Nach zwei Tagen und drei Telefonaten mit FedEx hatten wir schließlich das Paket.

Shipito: Zoll und weitere Abgaben

Wer in den USA bestellt, muss damit rechnen, dass ein Besuch beim Zollamt fällig wird, wenn die Behörde die Sendung abfängt. Dort wird man von den Beamten zuerst nach dem Beleg des Onlinekaufs gefragt. Nach Bezahlung der Einfuhrabgaben und der Zollgebühren muss das Paket vor den Augen des Zollbeamten geöffnet werden, der den Inhalt mit den Angaben vergleicht. Dies ist in Berlin-Schöneberg mit langen Wartezeiten und dreimaligem Schlangestehen verbunden. Dabei werden die Versandkosten voll auf den Warenwert angerechnet.

Bei einem Rechnungspreis von 100 Euro und Versandkosten von 40 Euro entsteht ein Rechnungsendbetrag von 140 Euro, den das Zollamt zu einem Warenwert von 140 Euro macht. Darauf wird eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent erhoben: 26,60 Euro. Bei einem Warenwert über 150 Euro wird zusätzlich Zoll fällig. Jürgen Wamser, Sprecher der Generalzolldirektion, sagte Golem.de: "Im Regelfall sind im Postverkehr nach Internetbestellung Sendungen bis zu einem Warenwert von 22 Euro zoll- und einfuhrumsatzsteuerfrei. Dies gilt nicht für verbrauchsteuerpflichtige Waren wie Zigaretten. Liegt der Warenwert darüber und bis 150 Euro, ist die Einfuhrumsatzsteuer von 19 beziehungsweise sieben Prozent – und gegebenenfalls Verbrauchsteuer – zu zahlen. Allerdings werden Abgaben in einer Höhe von weniger als 5 Euro nicht erhoben."

Wann Waren beim Zoll bleiben

Soweit Sendungen nicht durch die Deutsche Post, die eine gesetzliche Vertretungsmacht hat, oder durch einen beauftragten Kurierdienst zollamtlich abgefertigt werden, müsse der Empfänger zu seinem zuständigen Zollamt kommen und dort die Zollanmeldung selbst erledigen. Liegen keine Markenfälschungen vor und handele es sich nicht um Waren, für die eine besondere Genehmigung erforderlich ist, könne der Einkauf mitgenommen werden.

Ab einem Gesamtwert von 150 Euro sei gegebenenfalls neben der Einfuhrumsatzsteuer noch Zoll zu zahlen. Der Zollsatz ergibt sich aus dem Zolltarif und ist für jede einzelne Ware individuell festgelegt. Er könne auch bei null Euro liegen.

Wamser: "Das Aufkommen an Postsendungen aus Drittländern, die durch den Zoll müssen, hat durch die bekannte Entwicklung des Internethandels inzwischen gewaltige Dimensionen angenommen."

Wer möchte, kann von Shipito auch die Quittungen wegwerfen lassen, um Einfuhrabgaben und Zollgebühren zu sparen. Shipito ermöglicht es dem Kunden, den Warenwert selbst anzugeben, was FedEx dann dem Zoll vorlegt. Das ist aber nicht zu empfehlen. Der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke erklärte Golem.de: "Mit diesem Vorgehen kann man im Einzelfall je nach Höhe der 'gesparten' Kosten selbst eine (versuchte) Steuerhinterziehung nach Paragraf 370 Abgabenordnung begehen. Denn Einfuhrabgaben und Zollgebühren werden laut Paragraf 3 wie Steuern behandelt. Zahlt man diese nicht, obwohl man dazu verpflichtet ist – unterhalb einer Freigrenze ist man dies nicht, hier sollte man sich individuell informieren -, kann das strafbar sein. In jedem Fall begeht man wohl eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 382 Abgabenordnung, und das kann hohe Bußgelder mit sich bringen."

Die Adresse in Minden, Nevada ändere nichts an der Pflicht, die gegebenenfalls notwendigen Abgaben zu zahlen. Man habe bestenfalls höhere Chancen, bei den regelmäßigen Stichproben nicht aufzufallen. Wird man doch erwischt und fehlt der Beleg, werde der Wert der Ware geschätzt.

Fazit: Shipito bietet einen guten Service für Artikel aus den USA, die sonst gar nicht oder nur zu hohen Kosten zu erhalten wären. Dazu kommen niedrige Preise und eine solide Beratung: Wir können Shipito deswegen sehr empfehlen.


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