• IT-Karriere:
  • Services:

SHA-3: Nist will weniger Sicherheit

In einem Vortrag hat die Standardisierungsbehörde Nist angedeutet, substanzielle Änderungen am Verschlüsselungsalgorithmus Keccak vorzunehmen. Keccak soll zum neuen Sicherheitsstandard SHA-3 werden.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Auslöser für Aufregung unter Kryptographen: die Vortragsfolien von John Kelsey
Auslöser für Aufregung unter Kryptographen: die Vortragsfolien von John Kelsey (Bild: John Kelsey)

SHA-3, der neue Standard für kryptographische Hashfunktionen, soll eigentlich in Kürze in einer finalen Version veröffentlicht werden. Doch jetzt gibt es heftige Diskussionen um den Standardisierungsprozess. Ursache sind gravierende Änderungspläne der US-Standardisierungsbehörde Nist (National Institute of Standards and Technology), die die Sicherheit deutlich absenken.

Stellenmarkt
  1. Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, Lemgo
  2. ADLON Intelligent Solutions GmbH, Ravensburg

Vorangegangen war dem Hash-Standard ein Wettbewerb, in dem zahlreiche Kryptographen Vorschläge eingereicht hatten. Über mehrere Jahre diskutierte die Forschergemeinde auf Konferenzen die Sicherheit dieser Vorschläge, am Ende blieben fünf Kandidaten übrig. Gewinner wurde schließlich der Algorithmus Keccak, eine Entwicklung eines belgischen Teams um den Kryptographen Joan Daemen.

Doch bislang ist Keccak noch kein finaler Standard. Der Algorithmus sieht zahlreiche Varianten vor und das Nist arbeitet zurzeit daran, einen bestimmten Satz von Parametern als standardisierte Variante SHA-3 festzulegen. In einem Vortrag auf der Konferenz CHES (Cryptographic Hardware and Embedded Systems) in Santa Barbara, Kalifornien, erläuterte der Nist-Mitarbeiter John Kelsey Ende August die Pläne.

Weniger Sicherheit als der Vorgänger

Sorgen bereitet einigen besonders, dass das Nist plant, einen bestimmten Parameter, die sogenannte Kapazität des Algorithmus, kürzer zu wählen als dies in der ursprünglichen Keccak-Variante vorgesehen war. Dadurch wird der Algorithmus schneller, aber auch unsicherer. Die 256-Bit-Variante von Keccak hätte damit eine Sicherheit von 128 Bit gegen Kollisionen und gegen sogenannte Preimage-Angriffe. Eine optimale Hash-Funktion hat gegen Preimage-Angriffe eine Sicherheit, die so hoch ist wie die Hash-Länge. Auch einige weitere Details des originalen Algorithmus wurden verändert, diese haben aber vermutlich keinen Einfluss auf die Sicherheit.

Der Vorwurf gegen das Nist lautet: Im Wettbewerb ausführlich untersucht wurde nur die ursprüngliche Variante von Keccak. Sämtliche Sicherheitsbetrachtungen dieser Variante seien somit bei einer Abänderung hinfällig. Auch würde SHA-3 nach den momentanen Plänen weniger Sicherheit bieten als der Vorgängerstandard SHA-2.

Auf der Mailingliste des SHA-3-Wettbewerbs versucht John Kelsey seine Entscheidung zu rechtfertigen. Die Verkleinerung der Kapazität habe er mit den Entwicklern von Keccak abgesprochen und diese hätten sie für gut befunden. Kelsey deutete aber bereits an: Wenn viele in der Community mit den Änderungen nicht einverstanden seien, würde man sie möglicherweise wieder zurücknehmen.

Auch merkte Kelsey selbstkritisch an, dass man den Prozess der Standardisierung zu wenig kommuniziert habe. Viele Kryptographen seien davon ausgegangen, nach der Verkündung des Gewinners bereits im Oktober 2012 müssten sie den weiteren Prozess nicht mehr verfolgen, da nur noch unwichtige Details zu klären seien.

Für das Nist kommt die Debatte zur Unzeit, der Ruf der Standardisierungsbehörde hat in letzter Zeit deutlich gelitten. Dokumente von Whistleblower Edward Snowden legen nahe, dass die NSA in der Vergangenheit Einfluss auf Kryptographiestandards genommen habe und absichtlich Hintertüren eingebaut worden seien. Beim Zufallsgenerator Dual_EC_DRBG ist sich die Kryptographengemeinde inzwischen fast sicher, dass eine solche Hintertür vorhanden ist. Die Herkunft der elliptischen Kurven, die das Nist 1999 zur Nutzung für digitale Signaturen und andere Verfahren standardisiert hat, ist weiterhin unklar. Anfragen hierzu beantwortet das Nist nicht.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

Atalanttore 01. Okt 2013

US-Behörden kann man nicht über den Weg trauen.

Pukys 30. Sep 2013

...äh, weil das NIST das zentrale Normungsgremium der USA in diesem Bereich ist? Das ist...


Folgen Sie uns
       


Golem.de baut das Makerphone zusammen (Zeitraffer)

Das Makerphone ist ein Handy zum Zusammenbauen. Kinder wie auch Erwachsene können so die Funktionsweise eines Mobiltelefons nachvollziehen.

Golem.de baut das Makerphone zusammen (Zeitraffer) Video aufrufen
Change-Management: Wie man Mitarbeiter mitnimmt
Change-Management
Wie man Mitarbeiter mitnimmt

Wenn eine Firma neue Software einführt oder Prozesse digitalisiert, stößt sie intern oft auf Skepsis. Häufig heißt es dann, man müsse "die Mitarbeiter mitnehmen" - aber wie?
Von Markus Kammermeier

  1. Digitalisierung in Deutschland Wer stand hier "auf der Leitung"?
  2. Workflows Wenn Digitalisierung aus 2 Papierseiten 20 macht
  3. Digitalisierung Aber das Faxgerät muss bleiben!

Maneater im Test: Bissiger Blödsinn
Maneater im Test
Bissiger Blödsinn

Wer schon immer als Bullenhai auf Menschenjagd gehen wollte - hier entlang schwimmen bitte. Maneater legt aber auch die Flosse in die Wunde.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Mount and Blade 2 angespielt Der König ist tot, lang lebe der Bannerlord
  2. Arkade Blaster 3D-Shooter mit der Plastikkanone spielen
  3. Wolcen im Test Düster, lootig, wuchtig!

Ikea Trådfri im Test: Das preisgünstige Smart-Home-System
Ikea Trådfri im Test
Das preisgünstige Smart-Home-System

Ikea beweist, dass ein gutes Smart-Home-System nicht sündhaft teuer sein muss - und das Grundprinzip gefällt uns besser als bei Philips Hue.
Ein Test von Ingo Pakalski

  1. Ikea Trådfri Fehlerhafte Firmware ändert Schaltverhalten der Lampen
  2. Fyrtur und Kadrilj Ikeas smarte Rollos lernen Homekit
  3. Trådfri Ikeas dimmbares Filament-Leuchtmittel kostet 10 Euro

    •  /