Sgnl im Hands on: Sieht blöd aus, funktioniert aber

Vom Werbebild des südkoreanischen Unternehmens Innomdle Lab zu seinem Produkt Sgnl(öffnet im neuen Fenster) lächelt uns ein junger Herr an, während er sich einen Finger ins Ohr steckt. Das tut dieser nicht ohne Grund, im Gegenteil: Er telefoniert.

Auf der Elektronikmesse CES 2018 in Las Vegas hat das aus Samsungs Forschungsabteilung C-Lab hervorgegangene Unternehmen sein Armband vorgestellt, mit dem Nutzer dank Knochenschallübertragung Telefonate führen können. Das sieht – wie auf dem Werbefoto – eigenartig aus, funktioniert aber überraschend gut, wie wir im ersten Kurztest feststellen konnten.







Das Sgnl-Armband ist per Bluetooth mit dem Smartphone des Nutzers verbunden und soll das Band einer Uhr ersetzen – sei es von einer Smartwatch oder einer herkömmlichen Uhr. Alternativ kann das Gerät auch wie ein Fitnessarmband getragen werden. Das Geheimnis von Sgnl liegt in einer kleinen Gummikuppel auf der Innenseite des Armbandes, über die der Schall mit Hilfe der Arm- und Handknochen an den Zeigefinger weitergegeben werden.
Telefonat im Finger
Stecken wir uns den Finger ins Ohr, hören wir tatsächlich den Testanruf, den die Mitarbeiter von Innomdle Lab für uns starten. Dank eines im Armband eingebauten Mikrofons könnte unser Gesprächspartner auch uns hören – das Band befindet sich direkt vor unserem Mund.
Die Klangqualität können wir nicht abschließend bewerten, da es auf der Messe sehr laut gewesen ist. Das uns gezeigte Audiomaterial war nach Angaben des Herstellers auf maximaler Lautstärke, hätte für unseren Geschmack in einer solchen Umgebung aber ruhig noch etwas lauter sein können. Dafür scheint die Technik nicht gemacht zu sein.
Armband erfordert festen Sitz
Die Qualität und die Lautstärke lassen sich zum einen durch die Position des Zeigefingers, zum anderen durch den Sitz des Sgnl-Bands selbst beeinflussen. Wie uns Innomdle Lab erklärte, muss das Armband recht fest am Handgelenk sitzen, damit der Schall optimal über den Knochen übertragen werden kann. Wie bei einem herkömmlichen Uhrenarmband können Nutzer einzelne Glieder entfernen, um den Sitz zu korrigieren.







An den straffen Sitz mussten wir uns erst einmal gewöhnen: Der Hauptteil des Sgnl-Bandes ist starr, weshalb es bei schmalen Handgelenken womöglich etwas unangenehm zu tragen ist. Sgnl gibt es in verschiedenen Breiten, um es mit möglichst vielen Uhren nutzen zu können.
Sgnl kann nicht nur Anrufe annehmen, sondern verfügt auch noch über weitere Funktionen. So können Nutzer bis zu fünf Nummern mit dem Band verknüpfen, die bei jeweiligem Druck auf den großen Bedienungsbutton angerufen werden. Außerdem dient Sgnl als Schrittzähler. Die Konfiguration nehmen Nutzer über eine eigene App vor, in der auch die Fitnesswerte eingesehen werden können.
Fazit
Sgnl mag eigenartig aussehen, funktioniert aber überraschend gut. Wir können das Audiosignal gut verstehen; hätten wir uns nicht auf einer lauten Messe aufgehalten, wäre das Ergebnis noch besser gewesen.
So innovativ die Technik ist, kann man sich natürlich dennoch darüber streiten, ob man mit Hilfe seines Fingers telefonieren muss und welchen wirklichen Vorteil dies gegenüber einem herkömmlichen Telefonat per Smartphone hat. Uns fallen spontan kaum Gelegenheiten ein, in denen es ein Vorteil ist, sich seinen Finger ins Ohr zu stecken, anstatt schnell das Mobiltelefon aus der Tasche zu ziehen – außer vielleicht bei Regen.
Die Crowdfunding-Unterstützer hatten offenbar keine Bedenken. Innomdle Lab konnte auf Kickstarter(öffnet im neuen Fenster) und Indiegogo(öffnet im neuen Fenster) insgesamt fast 3,7 Millionen US-Dollar sammeln. Die Backer sollen Ende Januar 2018 ihr Sgnl-Band erhalten, der allgemeine Marktstart soll im März oder April 2018 erfolgen. Sgnl soll 250 US-Dollar kosten.