• IT-Karriere:
  • Services:

Sexting: Ein Geheimagent namens App

Die Entwickler von Geheim-Apps versprechen Jugendlichen, heikle Bilder und Videos auf dem Handy verstecken zu können. Jetzt beschäftigt ein Nacktfoto-Skandal die USA. Auch in Deutschland sind die Vault-Apps erhältlich.

Artikel von Axel Postinett/Handelsblatt veröffentlicht am
Vault-Apps stellen eine Gefahr für Kinder und Jugendliche dar.
Vault-Apps stellen eine Gefahr für Kinder und Jugendliche dar. (Bild: Pro Juventute/CC BY 2.0)

Es war ein anonymer Tipp, der die Schulleitung der Canyon High School auf die Spur brachte. Und die Lehrer reagierten unverzüglich. Vergangenen Montag konfiszierten sie die Smartphones ihrer Schüler. Freiwillig händigten die ihre Geräte aus, wähnten sie sich doch in Sicherheit. Denn sie ahnten nicht, dass die Lehrer genau wussten, wonach sie suchen mussten: die Geheim-Apps, bekannt unter dem Namen Vault-Apps.

Inhalt:
  1. Sexting: Ein Geheimagent namens App
  2. Fotos, die sich Sekunden nach dem Versenden selber zerstören

Wenn man so will, handelt es sich dabei um Geheimagenten der Handysoftware. Sie tarnen sich etwa als harmlose Taschenrechner - und funktionieren auch so. Falls ein Schüler statt 2+2 aber ein geheimes Passwort eingibt, öffnet sich eine dunkle Welt von Fotos und Videos - angeblich sicher versteckt vor neugierigen Augen.

Was an der Schule in Colorado zutage kam, versetzte Lehrer wie Eltern gleichermaßen in Panik. Mindestens 100 Schüler - wahrscheinlich weit mehr - hatten dort hunderte Nacktfotos von sich und anderen aufgenommen und über die neuartigen Geheim-Apps miteinander geteilt. Mehrere Kinder waren erst in der achten Klasse.

Straftatbestand erfüllt

Das Ausmaß des schulinternen Foto-Rings ist beispiellos in den USA. In den Vereinigten Staaten wird die "Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie" - juristisch gesehen ist dieser Tatbestand bei dem Datenmaterial wahrscheinlich großteils erfüllt - hart bestraft. Im schlimmsten Fall droht eine lebenslange Aufnahme in das öffentliche Register für verurteilte Sexualstraftäter. Wer dort auftaucht, hat häufig Probleme im Alltag. Betroffene haben Schwierigkeiten, eine Wohnung oder einen Job zu finden. Sie werden von ganzen Branchen, wie etwa dem Schul- oder Staatsdienst oder dem medizinischen Bereich, ausgeschlossen.

Stellenmarkt
  1. BRZ Deutschland GmbH, Nürnberg
  2. Universität Passau, Passau

George Welsh zog daher Konsequenzen. Der oberste Schulaufseher des Distrikts übergab die konfiszierten Smartphones mit den Fotos der Teenager der Polizei: "Nun muss die Justiz ihre Arbeit machen."

Allein die ersten Nachforschungen deckten heikle Verwicklungen auf. Mehr als die Hälfte des American-Football-Teams soll in die Affäre verwickelt sein. Deshalb sagten die Veranstalter am Wochenende das Saisonfinale ab. Trainer Scott Manchester sagte dem Nachrichtensender CBS: "Das Team kann nicht antreten - und unsere Schule und unsere Stadt vertreten." Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an. Schulaufseher Welsh vermutet weitere Details im Skandal: "Wir sind nur eine kleine Allerweltsstadt in den USA." Ein Vorfall wie dieser könnte seiner Meinung nach überall passieren.

Vault-Apps sind auch in Deutschland erhältlich

Auch in Deutschland? Die neuartigen Geheim-Apps sind auch in Deutschland in den Online-Stores von Apple und Google erhältlich.

Die App-Entwickler versprechen den Kunden zwar, ihre Digital-Geheimnisse auf ewig in virtuellen Kellern unter Verschluss zu halten. Dort soll sie niemand finden. Doch dieser Fall in den USA zeigt, wie Kinder und Jugendliche mit dieser neuen Technik schnell überfordert sind.

In Deutschland hat die Affäre um Sebastian Edathy die Sensibilität weiter erhöht. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete stand unter Kinderporno-Verdacht, weil er Bilder von nackten Kindern von einem Portal in Kanada heruntergeladen hatte. Das Strafgesetzbuch untersagt hierzulande unter anderem "die Verbreitung, aber auch den Besitz und die Besitzverschaffung von pornographischen Schriften", die "sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern und Jugendlichen zum Gegenstand haben".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Fotos, die sich Sekunden nach dem Versenden selber zerstören 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 11,99€
  2. 2,49€
  3. (-80%) 9,99€
  4. 19,99

Anonymer Nutzer 18. Nov 2015

Warum? Was macht es die Bilder schlimmer? Es sind und bleiben die absolut gleichen...

Anonymer Nutzer 17. Nov 2015

Diese ganze Kriminalisierung ist einfach nur absurd. Zumal man hier die Hersteller...

Anonymer Nutzer 17. Nov 2015

"Kinderpornographie? Ich dachte das war an einer Schule..." Dazu grabe ich gerne mal...

Anonymer Nutzer 17. Nov 2015

Worauf willst du eigentlich hinaus? ^^

ap (Golem.de) 13. Nov 2015

Bevor der Thread endgültig abrutscht, wird er geschlossen.


Folgen Sie uns
       


Datenbasierte Archäologie im DAI

Idai World ist ein System, um archäologische Daten aufzubereiten und online zugänglich zu machen. Benjamin Ducke vom Deutschen Archäologischen Institut stellt es vor.

Datenbasierte Archäologie im DAI Video aufrufen
Videoüberwachung: Kameras sind überall, aber nicht überall erlaubt
Videoüberwachung
Kameras sind überall, aber nicht überall erlaubt

Dass Überwachungskameras nicht legal eingesetzt werden, ist keine Seltenheit. Ob aus Nichtwissen oder mit Absicht: Werden Privatsphäre oder Datenschutz verletzt, gehören die Kameras weg. Doch dazu müssen sie erst mal entdeckt, als legal oder illegal ausgemacht und gemeldet werden.
Von Harald Büring

  1. Nach Attentat Datenschutzbeauftragter kritisiert Hintertüren in Messengern
  2. Australien IT-Sicherheitskonferenz Cybercon lädt Sprecher aus
  3. Spionagesoftware Staatsanwaltschaft ermittelt nach Anzeige gegen Finfisher

Quantencomputer: Intel entwickelt coolen Chip für heiße Quantenbits
Quantencomputer
Intel entwickelt coolen Chip für heiße Quantenbits

Gebaut für eine Kühlung mit flüssigem Helium ist Horse Ridge wohl der coolste Chip, den Intel zur Zeit in Entwicklung hat. Er soll einen Quantencomputer steuern, dessen Qubits mit ungewöhnlich hohen Temperaturen zurechtkommen.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. AWS re:Invent Amazon Web Services bietet Quanten-Cloud-Dienst an
  2. Quantencomputer 10.000 Jahre bei Google sind 2,5 Tage bei IBM
  3. Google Ein Quantencomputer zeigt, was derzeit geht und was nicht

Weltraumsimulation: Die Star-Citizen-Euphorie ist ansteckend
Weltraumsimulation
Die Star-Citizen-Euphorie ist ansteckend

Jubelnde Massen, ehrliche Entwickler und ein 30 Kilogramm schweres Modell des Javelin-Zerstörers: Die Citizencon 2949 hat gezeigt, wie sehr die Community ihr Star Citizen liebt. Auf der anderen Seite reden Entwickler Klartext, statt Marketing-Floskeln zum Besten zu geben. Das steckt an.
Ein IMHO von Oliver Nickel

  1. Theatres of War angespielt Star Citizen wird zu Battlefield mit Raumschiffen
  2. Star Citizen Mit der Carrack ins neue Sonnensystem
  3. Star Citizen Squadron 42 wird noch einmal verschoben

    •  /