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Seti: 100 potenzielle Signale künstlichen Ursprungs übrig

Nach Berechnungen über 20 Jahre hinweg auf Millionen Computern wurden in Milliarden von Datenreihen 100 Signale ausgemacht, die von Außerirdischen stammen könnten und nun überprüft werden.
/ Mario Petzold
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Das Allen Telescope Array ist neben anderen Aufgaben auch an Seti beteiligt. (Bild: SETI Institute/Seth Shostak)
Das Allen Telescope Array ist neben anderen Aufgaben auch an Seti beteiligt. Bild: SETI Institute/Seth Shostak

Laut einem Bericht der University of California in Berkeley(öffnet im neuen Fenster) , USA, steht ein wichtiges Projekt von Seti, der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz, kurz vor dem Abschluss. Die Forschungsgruppe hinter Seti@home(öffnet im neuen Fenster) konnte die Hinweise auf Signale, die auf intelligentes Leben im All hindeuten, auf knapp 100 reduzieren.

Untersucht wurden Hunderte Milliarden von Datenreihen, die beim Absuchen des größten Teils der Milchstraße und naheliegender Galaxien vom Arecibo-Observatorium(öffnet im neuen Fenster) auf Puerto Rico gesammelt wurden.

Ursprünglich schien es ausgeschlossen, diese Datenmenge mit der verfügbaren Computerleistung zu analysieren. Deshalb wurde ein Programm entwickelt, mit dem sich die Auswertung auf Heimcomputer in der ganzen Welt verteilen ließ.

Überraschender Andrang

David Anderson, einer der beteiligten Forscher, ging davon aus, dass sich mit Glück 50.000 Freiwillige finden würden, die ihre Rechenleistung via Internet teilen würden. Kurz nach der Veröffentlichung 1999 lief das Programm bereits auf einer Million PCs, schlussendlich auf zwei Millionen.

So konnten 1,2 Milliarden ungewöhnliche Signale gefunden werden, die weiter untersucht wurden. Hier kam das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik(öffnet im neuen Fenster) in Hannover ins Spiel, beziehungsweise dessen Supercomputer.

Alle fehlerhaften Signale – Störungen durch Satelliten, Mikrowellenöfen, Radio, TV und andere Quellen – konnten hier aussortiert werden. Übrig blieben tausend Signale, die von Menschen ausgewertet werden mussten.

Ein zweiter Blick

100 davon könnten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf einen künstlichen Ursprung hindeuten . Nachdem das einstmals größte Radioteleskop Arecibo 2020 zerstört wurde, wird mit dem etwas kleineren Fast-Teleskop im Südosten Chinas detaillierter und deutlich länger auf diese Signale gelauscht.

Dem Forschungsteam geht es vor allem um Radiofrequenzen im Bereich einer Wellenlänge von 21 cm. Diese würde nach allgemeiner Auffassung eine intelligente, ausreichend weit entwickelte Spezies nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Es handelt sich dabei um die Wasserstofflinie(öffnet im neuen Fenster) , die durch eine Spin-Umkehr des Elektrons entsteht, die auf natürliche Weise nur äußerst selten entsteht. So wird dieser Bereich kaum gedämpft und die Signale lassen sich klar empfangen.

Viel Zuversicht herrscht aber wohl nicht, unter den übrig gebliebenen 100 Kandidaten fündig zu werden. Zu groß sei die Wahrscheinlichkeit, bei der Rastersuche über den gesamten Himmel den einen entscheidenden Punkt knapp verfehlt zu haben, so die Arbeitsgruppe.

Wichtige Forschung

Die Ergebnisse der Datenanalyse haben dennoch ihren wissenschaftlichen Wert und führten bereits zu zwei Veröffentlichungen im Astronomical Journal ( hier(öffnet im neuen Fenster) und hier(öffnet im neuen Fenster) ).

Der Leiter von Seti@home, Eric Korpela, der ebenfalls an der Datenanalyse beteiligt war, sieht weiterhin Potenzial in den seinerzeit gesammelten Signalen: "In einer Welt, in der ich das nötige Geld hätte, würde ich noch einmal auf die richtige Weise analysieren, was heißt, dass ich die Fehler beheben würde, die wir gemacht haben. Und wir haben einige Fehler gemacht. Das waren damals bewusste Entscheidungen aufgrund der Geschwindigkeit der Computer von 1999."


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