Serious Games: Bloß nicht zu ernst

Lernen per Computerspiel könnte Spaß machen - tut es aber oft nicht. Golem.de hat mit der Wissenschaftlerin Linda Breitlauch im Videointerview über Assassin's Creed und Need for Speed als virtuelle Fahrschule gesprochen.

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Linda Breitlauch, Mediadesign Hochschule Düsseldorf
Linda Breitlauch, Mediadesign Hochschule Düsseldorf (Bild: Golem.de)

Als ob ein Serious Game unbedingt spaßbefreit sein müsste! In ihrem Browsergame Top Floor stellt die Europäische Zentralbank allen Ernstes Fragen wie diese: "Haushalte und Firmen können Anleihen bei der Europäischen Zentralbank aufnehmen - richtig oder falsch?" Dass sie damit ihr Ziel kaum erreichen wird, junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren für Geldpolitik zu interessieren, findet Linda Breitlauch verständlich. "Ein Serious Game muss in erster Linie Spaß machen", sagt die Wissenschaftlerin im Videointerview mit Golem.de. "Ein Serious Game, das langweilig ist, hat seine Wirkung verfehlt".

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Wissensabfrage werde in Serious Games häufig mit Lernprozessen verwechselt, sagt Breitlauch, Professorin und Studienleiterin an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Sie lehrt und forscht dort mit besonderem Fokus auf interaktives Storytelling, Serious und Applied Games und Dramaturgie und hält einfache Frage-Antwort-Spielchen genau für das falsche Konzept.

Dass der Euro-Langeweiler Top Floor dennoch vielleicht ein besonders missglücktes Serious Game, aber unter öffentlich in Auftrag gegebenen Titeln keine Ausnahme ist, liegt Breitlauch zufolge unter anderem an den Kosten: "Vielen, die nicht aus der Spielebranche kommen, ist nicht bewusst, dass Spieleentwicklung hohe Budgets erfordert - zum Teil mehr als Unterhaltungsspiele, denn man braucht auch ein vernünftiges didaktisches Konzept."

Dafür sorgen, dass solche großen Budgets tatsächlich auch für Serious Games "in die Hand genommen werden", soll der neu gegründete Arbeitskreis Serious Games beim G.A.M.E., dem Bundesverband der Computerspielindustrie, den Breitlauch seit Anfang Mai 2013 leitet. Der will künftig deutlich stärker als bislang über die Potenziale der Lernspiele aufklären.

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Dass Lernen im Spiel durchaus Spaß machen kann, zeigt laut Breitlauch unter anderem die Assassin's-Creed-Reihe von Ubisoft. Deren Spiele fesselten langfristig und machten Spaß, aber "nebenbei" werde dem Spieler historisches Wissen vermittelt. Wer etwa den letzten, im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg angesiedelten dritten Teil kennt, dürfte sich viel mehr über die Geschichte der USA gemerkt haben als typischerweise im Schulunterricht hängenbleibt.

Wer weiß - vielleicht führt die Neuausrichtung der Serious Games dazu, dass Fahrschüler die Verkehrsregeln irgendwann nicht mehr mit langweiligen Fragebögen auswendig lernen müssen. Sondern in interaktiven Simulationen, die qualitativ mit Need for Speed mithalten können - Linda Breitlauch hätte nichts dagegen.

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