Steer-by-Wire aus dem Cybertruck
"Wir nutzen die Technik, die wir ursprünglich für den Cybertruck entwickelt haben, für ein vollständiges Steer-by-Wire-System, um ihn für autonomes Fahren vorzubereiten, aber auch, um dem Fahrer etwas zu bieten, was er normalerweise nicht bekommt: nämlich eine unglaublich schnelle Reaktion", sagte Moravy. Damit habe der Semi fast denselben Wendekreis wie ein Model Y. Das Steer-by-Wire-System für den Cybertruck stammt vom deutschen Zulieferer ZF.
Eine weitere Änderung betrifft das Schmiersystem. Der Semi verwendet für die Radnabe ein voll integriertes System ohne jegliches Öl, was laut Tesla zuverlässiger ist und einen geringeren Rollwiderstand aufweist. Getriebe und Motor nutzen demnach eine gemeinsame Ölversorgung, bei der das Öl nach rund 400.000 km gewechselt werden muss.
Darüber hinaus verfüge der Semi über ein indirektes Thermomanagementsystem, das ohne Leitungen für Kältemittel auskomme. Dieses sei ursprünglich für das autonome Robotaxi Cybercab entwickelt worden. Wenn die Fahrerkabine gekühlt werde, nutze das System die Wärme, um den Akku zu temperieren.
Motorkomponenten auch vom Cybertruck
Nicht nur die Batteriezellen, auch Komponenten des Elektromotors teilt sich der Semi mit dem Cybertruck. So hätten die Entwickler zunächst den leistungsstarken Motor des Model S Plaid eingesetzt, dessen Rotor mit Kohlefasern ummantelt sei. Dieses Konzept sei jedoch nicht für die Massenproduktion geeignet, daher verwende der Semi eine Stahlummantelung. Der Stator sei identisch mit demjenigen der Cybertruck-Motoren, was die Kosten senke. Die Antriebsachse sei im Laufe der Entwicklung um 80 kg leichter geworden. Die Gesamtleistung der Motoren beträgt 800 kW (1.072 PS).
Tesla reagierte zudem auf die Kritik, wonach die Mittelposition des Fahrersitzes es erschwere, Unterlagen aus dem Fenster zu reichen oder mit Sprechanlagen zu kommunizieren. Anstelle eines kleinen Ausklappfensters gebe es nun die Möglichkeit, die Scheibe komplett herunterzufahren.
Bei der Präsentation zeigte Tesla einen Ladevorgang mit einer maximalen Leistung von 1,2 Megawatt. "Wir bauen Megacharger in den Hauptregionen und entlang der Hauptrouten auf. Bis zum Ende des Jahres werden wir etwa mehr als 30 Stationen in Betrieb haben, die mehr als 200 Megawatt-fähige Ladepunkte repräsentieren", sagte Priestley. Der Semi soll eine Akkukapazität von 60 Prozent in 30 Minuten nachladen können, was einer durchschnittlichen Ladeleistung von fast 1.000 kW entspricht.
1.000 Fahrzeuge pro Woche geplant
Laut Priestley soll die neue Fabrik 50.000 Semi-Trucks im Jahr produzieren, was 1.000 Fahrzeugen pro Woche entspricht. Tesla bedankte sich am Ende der Produktion bei Vertretern wichtiger Kunden. Zu ihnen zählten unter anderem DHL, US Foods, Pepsi Cola, Einride, IMC Logistics, WattEV und ABF Freight. Offizielle Preise nennt Tesla weiterhin nicht. Medienberichten zufolge verlangt Tesla für die Standardversion 260.000 US-Dollar und für die Langstreckenversion 290.000 US-Dollar.
Entscheidend für Logistikfirmen sind neben dem Anschaffungspreis die tatsächlichen Kilometerkosten. In diesem Zusammenhang verwies Musk darauf, dass die Stromkosten pro Kilometer "weit unter den Dieselkosten liegen, besonders in diesen verrückten Zeiten". Das liegt in den USA derzeit vor allem an dem von US-Präsident Donald Trump angezettelten Krieg gegen Iran, der die Dieselpreise stark steigen ließ. Mit seiner Wahlkampfunterstützung für Trump ist Musk für die "verrückten Zeiten" jedoch mitverantwortlich.
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