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Sergey Brin und Co.: Fünf Prozent Reichensteuer? Das ist Sozialismus!

Was sollen all die Geringverdiener mit dem Geld anfangen? Obdachlosigkeit bekämpfen? 200 neue Schulen bauen? Das muss verhindert werden.
/ Oliver Nickel
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Der Mann mit dem Bart (links) und der Mann mit dem anderen Bart (rechts) vertreten die falsche Ideologie. (Bild: Pixabay.com)
Der Mann mit dem Bart (links) und der Mann mit dem anderen Bart (rechts) vertreten die falsche Ideologie. Bild: Pixabay.com / Pixabay-Inhaltslizenz

Bei diesem Text handelt es sich um eine Glosse. Die Glosse ist eine journalistische Textform, die ein Thema prägnant, humorvoll und mitunter auch ironisch kommentiert.

Sergey Brin und seine Freunde sind von Kalifornien enttäuscht. Der US-Bundesstaat, Heimat von 188 Milliardären(öffnet im neuen Fenster), hat vor, ihnen fünf Prozent ihres Vermögens abzuknöpfen. Das ist zumindest der Plan(öffnet im neuen Fenster), der von 1,6 Millionen Geringverdienern unterstützt wird. Das wären bei einem einfachen Milliardär, also einem aus Brins Perspektive ebenfalls ziemlich armen Geringverdiener, 50 Millionen US-Dollar.

Brin selbst ist mit einem geschätzten Vermögen(öffnet im neuen Fenster) von etwa 270 Milliarden US-Dollar da natürlich besonders betroffen. Er müsste bei aktuellem Stand 13,5 Milliarden US-Dollar bezahlen. Die genaue Höhe seines Vermögens weiß der Google-Gründer und Alphabet-Großaktionär wahrscheinlich nicht einmal selbst.

Atmen kostet 5.000 Dollar!

Denn: Laut einem Bericht von Business Insider(öffnet im neuen Fenster) wurde Brin im vergangenen Jahr um 53,8 Milliarden US-Dollar reicher. Das sind 1.706 US-Dollar pro Sekunde.

Ginge Brin fünf Minuten lang für das große Geschäft auf die Toilette, würde er bei diesem Wert 511.800 US-Dollar oder das Jahresgehalt von etwa fünf durchschnittlichen Angestellten in Kalifornien verdienen. Hände waschen nicht vergessen(öffnet im neuen Fenster): Es werden 20 Sekunden oder 34.120 US-Dollar an Reichtumszuwachs empfohlen.

Auf solch einen Sozialismus, so würden es sicher Teile der Bevölkerung in den USA bezeichnen(öffnet im neuen Fenster), darf der US-Bundesstaat sicher keinen Atemzug (5.000 Dollar) verschwenden. Denn was soll die Bevölkerung auch mit 13,5 Milliarden Dollar anfangen? Sie könnte etwa jedem der 187.000 Obdachlosen in Kalifornien(öffnet im neuen Fenster) 72.000 US-Dollar geben. Die haben das aber nicht verdient, denn sie arbeiten ja nicht.

Alternativ könnte der Bundesstaat etwa 221 neue High Schools bauen, die laut einem Bericht der Terrapin Construction Group(öffnet im neuen Fenster) in der teuren San Francisco Bay Area etwa 61 Millionen Dollar pro Stück kosten. Aber warum sollte man Schulen bauen? Um noch mehr Obdachlose zu produzieren, die noch mehr Geld haben wollen?

Zeit für mehr Anwesen und Sportwagen

Das ist ein Teufelskreis, denken sich Brin und seine Freunde sicher. Mit dabei sind Menschen wie Marc Andreessen, der mit zwei Milliarden US-Dollar geschätztem Vermögen gerade so über der Armutsgrenze liegt, und Garry Tan, der mit seinen 300 Millionen geschätztem Vermögen fast schon auf der Straße leben muss.

Laut einem Bericht des San Francisco Standard sprechen sich die Milliardäre unter anderem in Signal-Chats ab, um die mögliche Reichensteuer doch noch zu verhindern. Und sollten die Geier vom Staat doch noch damit durchkommen, könnten die Milliardäre ihr Vermögen retten, indem sie es schnell investieren.

Es wäre etwa möglich, all das Geld in Immobilien zu stecken. Brin kaufte(öffnet im neuen Fenster) sich bereits ein 42-Millionen-Dollar-Anwesen in Kalifornien, nachdem er für 50 Millionen US-Dollar einen Palast in Malibu erstanden hatte. Kein Problem: Er muss sich nur 5.400 weitere Anwesen kaufen, um all sein Geld umzuwandeln. Alternativ gönnt er sich 5.399 Anwesen und stellt die Garage seines Lieblingsanwesens mit 90 Lamborghini Aventador voll. Korrigiere: 88 Aventador, denn zwei gehen an seine Freunde aus den Signal-Chats, sogar in ihren Lieblingsfarben!

Gewinnen um jeden Preis

Statt Reichtum im Wert von fünf Prozent abzugeben, was wohlgemerkt nur einmalig geschehen soll, wäre es außerdem natürlich sinnvoller, das Geld für Bestechungen und diplomatische Machtspiele auszugeben.

Am Ende geht es da sicher auch nicht um den hohen Geldbetrag an sich. Es geht darum, zu gewinnen. Und wer kann schon von sich behaupten, gegen einen ganzen Bundesstaat zu gewinnen? Das Gefühl ist besser, als 90 Lamborghinis und 5.400 Anwesen zusammen. Dieses Gefühl ist Amerika in Reinform: vom Tellerwäscher zum Milliardär – auch wenn dabei 37 Millionen andere Tellerwäscher(öffnet im neuen Fenster) auf der Strecke bleiben.


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