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Männer fühlen sich von weiblichen Bezeichnungen nicht angesprochen

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war ich technische Redakteurin und hatte einen Teampartner, der zwar männlich, aber bekennender Feminist ist. Als es darum ging, eine Neuauflage eines Handbuchs zu konzipieren, berief er ein großes Meeting ein. Er hatte sich nämlich überlegt, dass er das Muster durchbrechen wolle.

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Unsere Zielgruppenanalyse hatte ergeben, dass es in der Mehrheit Frauen waren, die unsere Handbücher lesen. Für ihn war es also ganz logisch, dass wir von nun an die weibliche Anrede "Benutzerin" oder "Leserin" verwenden sollten. Für den geringen Anteil an männlichen Lesern würden wir einen Hinweistext an den Anfang setzen, in dem sie erführen, dass sie sich gleichermaßen angesprochen fühlen durften.

Der Arme musste eine bittere Enttäuschung erleben. Es wurde einstimmig beschlossen, dass dies keine gute Idee sei. Männer fühlen sich nämlich bei weiblicher Anrede nicht nur nicht angesprochen, sondern im Extremfall sogar ausgegrenzt oder angegriffen. Wir Frauen hingegen sind es einfach gewöhnt, nicht extra angesprochen zu werden. Aus der Revolution wurde also nichts.

In gewisser Hinsicht ist das Verhalten des Google-Algorithmus also nachvollziehbar. Dass jemand, der nach "Entwickler" sucht, ebenso mit einer "Entwicklerin" zufrieden wäre, aber jemand, der "Entwicklerin" eintippt, kein Interesse an einem "Entwickler" hat, ist an sich nicht logisch erklärbar. Man benötigt kulturelles, linguistisches und geschichtspolitisches Wissen, um dieses Paradoxon zu verstehen. Hinzu kommt, dass die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung dieses Hintergrundwissen eben nicht hat und sich schlicht aus Konditionierung und Gewohnheit sprachlich so verhält.

Was sagt Google dazu?

"Um dir nützliche Antworten liefern zu können, müssen wir zuerst genau verstehen, was du suchst. Daher analysieren wir in einem ersten Schritt die Bedeutung der Wörter in deiner Suchanfrage. Wir erstellen Sprachmodelle, um zu entschlüsseln, welche Wörter wir im Suchindex suchen sollen. Diese Sprachmodelle […] können aber auch komplexere Probleme lösen und zum Beispiel die Art der Suchanfrage erkennen."

Es wird behauptet, der Algorithmus könne "komplexere Probleme lösen", wenn es um die Analyse der Suche geht, jedoch beziehen sich die Beispiele lediglich auf Rechtschreibung. Welche weiteren "komplexeren Probleme" gemeint sind, wird nicht genannt. Allerdings findet sich ein Zitat dazu, dass es nützlich ist, das männliche Wort beziehungsweise den typischen Suchbegriff auf der eigenen Seite einzubauen:

"Ob Informationen relevant sind, siehst du am einfachsten daran, dass eine Webseite dieselben Stichwörter wie deine Suchanfrage enthält. Wenn diese Stichwörter auf der Seite, in den Überschriften oder im Textkörper vorkommen, ist es noch wahrscheinlicher, dass die Informationen relevant sind."

Die deutsche Sprache macht Fortschritte

Genau genommen ist es nicht die Sprache an sich, die Fortschritte macht, sondern der gesellschaftliche Umgang mit ihr. Gerade in Texten wie Stellenausschreibungen, Broschüren oder Leseransprachen in Printmagazinen wird eine Vielzahl von Variationen der Inklusivität genutzt:

  • Die Doppelung: Liebe Leserinnen und Leser
  • Der Schrägstrich: Liebe/r Leser/in
  • Die Abkürzung: Leser (m/w/d)
  • Das Gendersternchen: Liebe*r Leser*in

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oSu. 14. Aug 2019

Dem ist nichts hinzuzufügen.

oSu. 14. Aug 2019

+1

oSu. 14. Aug 2019

So einen Unfug kann man auch gar nicht ernst meinen und schon gar nicht ernst nehmen.

Elgareth 13. Aug 2019

Ich, als geschlechtsloser, fühle mich dadurch schwer ausgegrenzt. Daher bitte "Im...


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