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Sennheiser Sound Protex im Test: The Sound of Silence

Sennheiser verspricht, beim neuen Gehörschutz Sound Protex die Klangtreue zu erhalten. Unser Test zeigt, dass dies nicht für alle Umgebungen gilt.
/ Peter Hase
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Sennheisers Ohrstöpsel Sound Protex sind besonders für geräuschsensible Personen geeignet. (Bild: Peter Hase)
Sennheisers Ohrstöpsel Sound Protex sind besonders für geräuschsensible Personen geeignet. Bild: Peter Hase

Sennheisers neue Sound-Protex-Ohrstöpsel(öffnet im neuen Fenster) sollen Umgebungsgeräusche oder zu lauten Sound auf Konzerten sanft dimmen – ohne eine so weitgehende Abschottung und Klangverzerrung wie bei konventionellen Ohrstöpseln. Der Hersteller bewirbt das zweistufige System als "aktive Filter" . Dies ist nicht zu verwechseln mit Active Noise Cancelling, denn hier kommt keine Elektronik zum Einsatz.

Das ist praktisch, da die Filter so kleiner sind als eine Kontaktlinse und keine Batterien benötigen. Unser Test zeigt jedoch ein durchwachsenes Ergebnis beim Handling und Akustikerlebnis.

Sennheiser bietet die Sound Protex in zwei Varianten an: Das Einsteigerset enthält einen Filter in mittlerer Dämpfung sowie einen Akustikblocker. Für den mittleren liegt der SNR-Wert, der Auskunft über die Schutzwirkung gibt, bei 17 Dezibel (dB). Zum Vergleich: Ohropax erreichen je nach Variante einen SNR von etwa 30 bis 35.

Es gibt verschiedene Filter

Der ebenfalls beiliegende Akustikblocker sorgt – anders als der Name vermuten lässt – nicht für völlige Stille, sondern dämpft vor allem Geräusche in der Ferne sehr stark. Ein SNR-Wert ist nicht angegeben. Beim Plus-Set liegen außerdem Filter in "niedrig" (ohne SNR-Angabe) und "hoch" (SNR von 20 DB) in der Schachtel.

Schön ist, dass die verschiedenen Filterstufen farbcodiert immer dunkler eingefärbt sind, sodass man sie gut auseinander halten kann. Wir haben den Test mit dem Einsteigerset begonnen und dem Plus-Set abgerundet.

Neben den wechselbaren Filtern liegen beiden Sets drei verschiedene Größen (S/M/L) an Ohradaptern aus weichem TPE-Kunststoff bei. Für diese gibt Sennheiser "medizinische Qualität" an, außerdem seien sie wasserbeständig und abwaschbar. Wir haben sie unter der Dusche ausprobiert – und weil sie sich lösten und Wasser eindrang, auf den Schwimmbadtest lieber verzichtet.

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Das Eingeclipsen der Filter ist fummelig

Zur Nutzung muss ein Akustikfilter in das flexible Material der Stöpsel eingeclipst werden. Das ist praktisch, weil man im Baukastensystem flexibel wählen kann. Es ist aber auch etwas fummelig, die Filter können leicht wegflutschen. Bei Konzerten im Dunkeln oder etwa im Flugzeug ist die Suche dann wohl so ein Alptraum wie bei einer verlorenen Kontaktlinse.

Wir hätten uns daher gewünscht, dass mindestens beim Plus-Set ein weiteres Set Ohradapter beiliegt, sodass man mehrere Stärken fertig zusammengesetzt einstecken könnte, statt dies vor Ort bewältigen zu müssen. Bisher sind sie jedoch nicht mal einzeln nachkaufbar.

Dies ist umso unpraktischer, da der Reißverschluss der mitgelieferten Aufbewahrungstasche sich leicht öffnet, wenn man sie – wie vorgesehen – an den Schlüsselbund hängt. So gehen die Filter, die pro Paar rund 20 Euro wert sind, leicht verloren. Andere Anbieter lösen die Aufbewahrung cleverer mit einer Metallkapsel, die zugeschraubt werden kann (siehe Foto).

Ist das Zusammensetzen gemeistert, ist die Kombi schön klein.

Das Hörerlebnis der Sennheiser Sound Protex

Was für den Transport prima ist, kann bei sehr großen Gehörgängen dazu führen, dass die Adapter nicht abdichten oder unbequem tief eingeführt werden müssen. Das typische dreilamellige Design saß bei unseren Testohren jedoch sehr gut.

Die Stöpsel ließen sich leicht einsetzen und durch eine kleine herausschauende Zunge ebenso bequem wieder aus dem Ohr herausziehen. Sie drückten auch bei längerem Tragen nicht unangenehm.

Nun aber zum Hörerlebnis: Die Nützlichkeit schwankte in unserem Test sehr stark, je nach Einsatzszenario. Als Beispiel gibt Sennheiser für die hohe Filterung Konzerte an. In unserem Test zeigte sich bei mehreren Livegigs, dass die Filter in der Tat schön linear dämpfen und nicht etwa nur die hohen oder tiefen Töne abschneiden, was bei preisgünstigeren Alternativprodukten häufig der Fall ist.

Die Dämpfung ist gut

Sehr angenehm war die Tonqualität bei einer Orchesterprobe mit indonesischen Percussioninstrumenten. Die häufig etwas schrillen und lauten Töne von Metallofonen und Gongs dämpften die mittleren Filter so, dass die Hauptmelodien gut zu hören waren und Ansagen des Leiters gut verständlich blieben. Auch bei rockigem oder Metalsound war die gefühlte Einbuße bei melodiebetonter Musik nicht so stark. Gerade bei bekannten Hits macht das Hören trotzdem Spaß.

Anders sah es bei einem Orgelkonzert in der Kirche aus: Die für die Musik charakteristischen Ober- und Untertöne werden weitgehend herausgefiltert; damit geht ein wesentlicher Teil des Sounderlebnisses verloren. Auch die leichten Filter aus dem Plus-Set schnitten nicht viel besser ab.

Eine ähnliche Erfahrung machten wir beim Sigur-Ros-Konzert. Die isländische Band, deren Musik aus flirrenden, schwebenden Tönen besteht, verlor durch die Sound Protex so sehr, dass wir sie schnell entfernten. Genau wie bei der Orgel führte der Wechsel der Stärke nicht zu einem wesentlichen Unterschied. Das ist wenig erstaunlich, da der Unterschied von 3 dB beim SNR-Wert nur von sehr versierten Hörern zu erlauschen ist.

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Die Stöpsel sind praktisch fürs Büro

Als nützlich erwiesen sich die Geräuschdämpfer im Alltag: Wer im Großraumbüro sitzt, bekommt erheblich mehr Ruhe, vor allem auf Distanz. Allerdings sind selbst bei den Akustikblockern noch Kirchenglocken und Geräusche in der Nähe leise zu hören. Wenn man auf Distanz aus dem Raum in normaler Lautstärke angesprochen wird, müssen aber selbst die leichten Filter herausgenommen werden, um das Gesprochene zu verstehen.

Wer so geräuschsensibel ist wie unsere Testhörerin, profitiert in zahlreichen weiteren Situationen – etwa beim Einkauf durch die Dämpfung der Dudelmusik, auf Fußwegen in der Stadt von heruntergedimmten Autogeräuschen oder im Fitnessstudio, wo das Geklapper der Geräte weniger nervt.

Auch das Lesen im Park machte mehr Spaß: Das Murmeln von Gesprächen und vor allem das eintönige Brummen der Straße trat weitgehend in den Hintergrund und das Vogelzwitschern in der Nähe umso angenehmer hervor. Auch für alle, die in lauten Umgebungen schlafen müssen oder Schnarcher neben sich haben, bewähren sich die Filter. Ohne komplett abzuschotten, dämpfen selbst die leichten Filter ausreichend, und der Wecker bleibt dennoch gut hörbar.

Kommen wir zum Fazit.

Sennheiser Sound Protex: Verfügbarkeit und Fazit

Verfügbarkeit

Sennheiser bietet die Sound Protex seit dem 30. Mai 2023 mit zwei Filtervarianten zum UVP von 39,90 Euro an. Die Plusvariante mit vier Filtern kostet 79,90 Euro und wird zu dem Preis derzeit auch gehandelt.

Fazit

Alles in allem haben uns die Sound Protex gut gefallen. Sie sind schön klein, benötigen keinen Strom und sitzen gut. Sie bewährten sich im Test in vielen Musikumgebungen, etwa bei Konzerten oder Orchesterproben.

Für geräuschsensible Personen waren sie in zahlreichen Alltagssituationen vom Büro bis zum Schlafen neben Schnarchern sehr nützlich. Wer die starke Abschottung von konventionellen Schaumstoffohrstöpseln nicht mag, findet bei den Sound Protex eine angenehm entspannende Alternative.

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Allerdings erwiesen sie sich vor allem bei ober- und untertonreicher-Musik wie beim Orgelkonzert in der Kirche nicht als nützlich. Wir fanden die Unterschiede zwischen den leichten, mittleren und hohen Filtern sehr gering. Auch sind sie mit 80 Euro für das Plus-Set vergleichsweise kostspielig.

Für den Preis hätten wir uns außerdem mehr nützliche Extras wie eine sicher schließende Aufbewahrungstasche sowie mehr Ohradapter im Lieferumfang gewünscht. Mindestens bei der Möglichkeit zum Kauf eines Ersatzteilsets sollte Sennheiser nachbessern.


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