Das Sega Mega Drive im Retro-Review - Sprechtext des Videos als Fließtext

Das Jahr ist 1990. Hip Hop ist die Musik, die bunten Pullover und Stone-washed-Jeans sind zu weit - und Videospiele sind was für Kinder. Wer auf dem Schulhof in den richtigen Kreisen was gelten will, hat einen Amiga zum zocken.

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Aber etwas ist anders in diesem Jahr. Seit März gibt es in Deutschland mit der Power Play ein neues Spielemagazin - und dessen Seiten füllen sich zusehends mit Artikeln über Segas neue Spielkonsole - die zunächst nur als Import aus Japan oder den USA erhältlich ist.

Im September ist es dann soweit: das Mega Drive startet in Europa - mit einem beachtlichen Aufgebot an Spielen und einer Grafik, die man zuvor nur auf riesigen Spielautomaten für ordentlich Kleingeld bewundern konnte. Ghouls n Ghosts, Afterburner und Golden Axe sind für für damalige Zeiten absolute Grafikkracher und lassen die Versionen für Heimcomputer verblassen.

Auch die Konsole selbst sieht cooler aus als alles andere. Die Power Play schreibt: "Das Mega Drive hat eine goldene Zukunft vor sich. 1991 könnte das Mega-Drive-Jahr werden." Und sie sollte recht behalten.

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Für 500 Mark - umgerechnet über 500 Euro - bekommt man die Konsole und das Spiel Altered Beast. Mit seinen riesigen Spielfiguren und bunten, auf mehreren Ebenen scrollenden Hintergründen zeigt der Titel eindrucksvoll die Rechenpower der neuen Konsole. Schon der Schriftzug auf dem Mega Drive lässt es erahnen: im Inneren stecken ein 16bit-Motorola 68000er Prozessor und zusätzlich noch eine Z80-CPU. 64 Farben aus einer Palette von 512, 80 bewegte Objekte gleichzeitig auf dem Bildschirm, und zwei Soundchips mit Stereoklang - das ist Anfang der 1990er Jahre immer noch weit mehr, als man sonst üblicherweise an Hardware an seinen Röhrenfernseher anschließen kann. Und das Beste für die Europäer: durch die zwei Jahre verspätete Veröffentlichung der Konsole hierzulande gibt es schon einen beachtlichen Katalog an Spielen. Die sind mit ihrem Einzelpreis von mindestens 70 Euro in heutiger Währung zwar um einiges teurer als bei anderen Konsolen aber sie sehen auch wesentlich besser aus.

Dennoch beherrscht Konkurrent Nintendo weiterhin die amerikanischen Kinderzimmer mit seinem Entertainment System. Die 8-Bit-Konsole mag in die Jahre gekommen sein, aber es erscheinen noch immer hochwertige Spiele dafür. Außerdem arbeitet der japanische Konzern bereits an einem Nachfolger, der dem Mega Drive seine neugewonnenen Marktanteile abjagen soll. Also dreht Sega im Jahr 1991 voll auf, um seinen Vorsprung zu halten. Die Geheimwaffe ist ein kleiner blauer Igel namens Mr. Needlemouse.

Um Nintendos Mario etwas entgegenzusetzen brauchte man ein eigenes Maskottchen. Es sollte frecher sein als der brave Klempner, sich schneller bewegen, um die Vorteile der neuen Grafikmaschine aufzuzeigen und vor allem: es sollte Kinder und Jugendliche gleichermaßen ansprechen.

SEGA Mega Drive Mini

Als der blaue Igel unter seinem richtigen Namen Sonic 1991 seinen ersten Auftritt hat, wird schnell klar, das Sega den Zeitgeist getroffen hat. Was das Mega-Drive aber endgültig zum Erfolg macht, ist die Entscheidung den heißesten Exklusivtitel des Jahres jeder neuverkauften Konsole beizulegen.

Innerhalb kürzester Zeit überholen Segas Heimkonsolenberkäufe die von Nintendo und katapultieren den Konzern auf die erste Marktposition. Und trotz des inzwischen gestarteten Super Nintendo Entertainment System lässt Sega in den kommenden Monaten nicht nach, hochwertige Titel für das Mega Drive zu produzieren.

Auch auf der Hardware-Seite tut sich einiges. Sega folgt dem Trend zu multimedialen Inhalten mit großen Datenmengen und veröffentlicht 1992 das Mega CD in den USA und 1993 in Europa. Es findet unter dem Mega-Drive Platz. Beide Geräte zusammen machen den Eindruck einer kleinen Hifi-Anlage - einer teuren kleinen Hifi-Anlage. Das Mega CD kostet zusätzlich zur Konsole mehrere hundert Mark - und Spiele wie das beigelegte Road Avenger zeigen ganz offensichtlich das Problem der neuen Technik. Es sind Video-Spiele - im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem ein kurzer Filmausschnitt gelaufen ist, bekommen Spielerinnen und Spieler für einen Moment die Gelegenheit, einen Knopf zu drücken - dann folgt ein weiterer Filmausschnitt. Dieses homöopatische Gameplay ist die exakte Antithese zum pfeilschnellen Sonic. Hinzu kommt, dass 64 Farben zwar in Pixelspielewelten schick aussehen können, aber für Videos eindeutig zu wenig sind. So macht die Grafik der CD-Titel zwar in Trailern einiges her, sieht aber auf dem Fernseher eher trist aus. Trotzdem erschienen rund 200 Spiele für die Zusatzhardware.

1994 kommt mit Virtua Racing ein Spiel auf den Markt, das einen eigens entwickelten Beschleuniger-Chip enthält, der echte 3D-Grafik ermöglicht. Dadurch will Sega die Lebenszeit des Mega Drive noch um einige Jahre verlängern. Es bleibt aber bei diesem einzigen, recht teuren Modul. Stattdessen setzt man auf die Entwicklung eines weiteren externen Zusatzgerätes: des 32X. Eine schrille Werbekampagne läutet die neue Runde im Bit-Krieg ein.

Hauptsächlich reagiert Sega so auf Ataris Jaguar-Konsole und das CD-basierte 3DO, die eine neue Konsolengeneration ankündigen. Sega selbst hat seinen Mega-Drive-Nachfolger namens Saturn zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig und befürchtet zu Recht, dass sich nicht alle Konsumenten die neue teure Hardware leisten können. Dass die angepriesenen 32-Bit nur Makulatur sind und keinesfalls bessere Grafik garantieren, merken aber selbst eingefleischte Fans schnell. Es gibt am Ende lediglich 40 Spiele, die meisten von Ihnen sehen alles andere als Next-Gen aus. Dabei ist das System durchaus leistungsfähig. Es wird aber von den Spiele-Entwicklern eher gemieden, die sich inzwischen lieber für die kommenden Konsolen rüsten.

Mit dem Erscheinen des Sega Saturn ist zumindest das 32X nach nur einem Jahr obsolet und wird für Bruchteile seines Startpreises von 400 Mark verramscht. Eine tragbare Version des Mega Drive kommt hierzulande nie auf den Markt. Auch frühe Online-Dienste mit Spiele-Downloads per Telefonleitung bleiben exklusiv in Japan und den USA - genauso wie das dafür nötige Modem. Es erscheinen aber bis 1995 noch einige weitere Titel für das Mega Drive, die zeigen, wie gut die Entwicklerteams die Konsole am Ende ihres Lebenszyklus beherrschen. Grafik und Sound halten damals zwar keinem Vergleich mit den 32-Bit-Konsolen stand, sie sind aus heutiger Sicht aber wesentlich besser gealtert als 3D-Spiele aus dieser Zeit.

Ein verlängertes Leben ist dem Mega Drive nach Produktionsende lediglich in Brasilien vergönnt - wo die Konsole auch noch bis in die 2000er Jahre von TecToy in Lizenz produziert und wird.

SEGA Mega Drive Mini

Sega selbst gibt an, dass weltweit rund 30 Millionen Mega Drives und Genesis verkauft wurden. Damit ist das System nach dem Super Nintendo die zweiterfolgreichste 16-Bit-Heimkonsole. Nach einen grandiosen Start verstolperte sich Sega zwar zunehmend mit seinen Hardware-Experimenten, aber das Mega Drive hat einen Platz im Herzen der Spielerschaft sicher.

Noch immer erscheinen vereinzelte Indie-Titel für das System, auch die Demoszene hat sich der Konsole angenommen.

Wer heute Mega-Drive-Spiele ausprobieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten, das legal zu tun. Sega selbst veröffentlicht seit Jahren Sammlungen seiner Titel für alle aktuellen Plattformen: vom PC über Konsolen bis hin zum Fire-TV-Stick. Auch ein offizielles emulationsbasiertes Mini-Mega-Drive ist inzwischen auf dem Markt. Ihre von der Firma AT-Games produzierten Vorgänger sollte man aber lieber meiden - zu schlecht ist deren Qualität in jeglicher Hinsicht.

Auf Auktionsplattformen und Flohmärkten sind aber auch reichlich gebrauchte Geräte erhältlich. In diesem Fall sollte man unbedingt den Controller mit 6 Knöpfen dazukaufen, denn der schlägt sich bei vielen Spielen eindeutig besser. Zusätzlich kann man einen Adapter für moderne HD-Fernseher in Betracht ziehen, der das Bild über HDMI ausgibt. MIt dem Retron gibt es aber auch eine kleine Konsole, die gleich mehrere Systeme neben dem Mega Drive emuliert - sofern man die orginalen Module besitzt. Die sollte man auch für die Premium-Variante von Analogue bereithalten. Dieser Nachbau simuliert die Originalhardware bis ins sechzehnte Bit exakt, kostet aber auch fast 200 Euro. Es gibt es keine Speicherstände für Spiele und auch einen Controller muss man sich selbst besorgen.

Egal wieviel Aufwand man betreiben möchte, um eine Zeitreise in die 90er Jahre anzutreten - es lohnt sich auf jeden Fall.

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 Sega Mega Drive (1990): Der 16-Bit-Krieg ist eröffnet
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derKlaus 28. Dez 2020

Das macht wenig Sinn: es gibt vom Mega Drive 1 und 2 je sieben Hardware Revisionen. Da...

derKlaus 28. Dez 2020

Hm, das Mega Drive hatte weniger Farben und einen Soundchip, der dem SNES unterlegen...

Dingens_Urghss 28. Dez 2020

Nein, mein Veganer Döner kostet bis zu 6¤ :(, die können es also nicht sein für 1,50¤.

derKlaus 28. Dez 2020

Was ist mit dieser allgemeinen Aussage gemeint? Ich hab einige Spiele der Kategorie...



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