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Seeschifffahrt: Supertanker mit windbasiertem Hilfsantrieb

Vier Segel reduzieren den Verbrauch des Tankers New Aden um fast zehn Prozent. Ein französisches Unternehmen zieht nach: mit einem Winddrachen.
/ Wolfgang Kempkens
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Supertanker mit Zusatzsegeln (Bild: CCS)
Supertanker mit Zusatzsegeln Bild: CCS

New Aden ist ein gerade in Dienst gestellter Supertanker, allerdings ein ganz besonderer. Er wird nicht nur von seinen fossil versorgten Motoren angetrieben, sondern zusätzlich von vier jeweils 40 Meter hohen Segeln mit einer Fläche von 1.200 Quadratmetern. Das reduziert den Treibstoffverbrauch im Durchschnitt um knapp zehn Prozent. Ist der Wind stark und kommt aus der richtigen Richtung, sind es sogar mehr.

Dalian Shipbuilding Industry baute den Tanker für die Reederei China Merchant Energy Shipping in Schanghai. Er ist 330 Meter lang, 60 Meter breit und 30 Meter hoch. Der Tiefgang liegt bei 20,5 Metern, die Tragfähigkeit bei 307.000 Tonnen.

Die besonders leichten und korrosionsbeständigen Segel aus Kohlenstofffaserverbundwerkstoff lassen sich per Knopfdruck ein- und ausfahren. Windrichtung und -stärke werden kontinuierlich erfasst und dienen dem Steuercomputer zur optimalen Ausrichtung der Segel. Wegen der eingebauten Rauchgasreinigung emittieren die Motoren nur wenig Schwefeldioxid und Stickoxide. Die chinesische Klassifizierungsbehörde CCS hat den Tanker zugelassen.

Fliegendes Steuergerät

Das im französischen Nantes angesiedelte Unternehmen Airseas entwickelt im Rahmen des Programms Seawing ebenfalls eine Windunterstützung für Frachtschiffe. Es handelt sich in diesem Fall nicht um Segel, sondern um einen Kite, also einen Winddrachen, wie ihn auch Kitesurfer nutzen, nur um einiges größer.

Er wird mit einem Seil an einem Mast am Bug des Schiffes befestigt. Das Seil endet in einem Steuergerät, von dem aus mehrere Leinen zum Kite führen. Im Steuergerät stecken Sensoren, die alle für die Positionierung des Winddrachens wichtigen Daten erfassen.

Mithilfe der Leinen wird der Kite so ausgerichtet, dass der Wind optimal zupacken kann. Bei Windstille wird er automatisch eingeholt und er lässt sich auch automatisch starten. Das Unternehmen rechnet mit einer Treibstoffeinsparung von bis zu 20 Prozent.

Die Idee stammt aus Hamburg

Premiere hatte die Winddrachen-Technik 2007. Das Hamburger Unternehmen Skysails entwickelte das System, konnte es allerdings nur einmal einsetzen. Heute ist der mittlerweile als BBC Skysails fahrende Frachter ohne Winddrachen unterwegs. Skysails gab die Entwicklung auf.

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Jedes Jahr werden 940 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) von Schiffen emittiert. Das entspricht etwa 13 Prozent der Treibhausgasemissionen der EU und fast drei Prozent der weltweiten Emissionen. Einsparungen von zehn bis 20 Prozent brächten also nennenswerte Emissionsminderungen. Airseas will bis 2030 1.000 Schiffe mit Seawings ausstatten.


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