Seeschifffahrt: LUKAS soll maritime Umweltsünder entlarven
Seit 2015 dürfen in bestimmten Seegebieten, darunter Nord- und Ostsee, nur noch Treibstoffe verfeuert werden, die weniger als 0,1 Massenprozent Schwefel aufweisen. Das kostet richtig viel Geld, denn das sonst oft eingesetzte Schweröl, das eher in die Sondermüllverbrennungsanlage gehörte, ist weit billiger. Da liegt der Verdacht nahe, dass manch ein Kapitän es mit dem Verbot nicht so genau nimmt. Lässt sich ja auch nicht nachprüfen, oder doch?
Wenige Partikel aus dem Abgas genügen
In Zukunft schon. Im Projekt LUKAS, das vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr gefördert wird, entwickelt ein Team um die Professoren Thomas Adam (Lehrstuhl Umwelttechnik und Chemie, Universität der Bundeswehr München) und Ralf Zimmermann (Lehrstuhl Technische und Analytische Chemie, Universität Rostock) ein Fernmesssystem für Luftschadstoffe. Kernstück ist die an der Universität Rostock entwickelte Technologie der laserbasierten Einzelpartikel-Massenspektrometrie, mit der eine Vielzahl metallischer und komplexer organischer Schadstoffe auf einzelnen Partikeln nachgewiesen werden können. Das funktioniert auch dann, wenn das verdächtige Schiff längst dem Horizont entgegenstrebt. Da jeder Treibstoff ein spezifisches chemisches Abgasmuster hervorruft, kann durch die Einsaugung weniger Abgaspartikel auf den verwendeten Kraftstoff und das eingesetzte Abgasnachbehandlungssystem zurückgeschlossen werden – alles in Echtzeit. Weitere Einsatzgebiete sehen Adam und Zimmermann im Katastrophen- und Zivilschutz sowie in der Terrorabwehr.
Einsatz an Küsten und auf Schiffen
Das System soll an Küsten und auf Schiffen eingesetzt werden. Erstmals ist es jetzt getestet worden, und zwar auf dem Forschungsschiff Elisabeth Mann Borgese, das nach der gleichnamigen Seerechtsexpertin und Ökologin benannt ist und vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde betrieben wird. Die Abgasfahnen vorbeifahrender Schiffe ließen sich trotz mehrerer Kilometer Entfernung eindeutig erfassen und analysieren. Ob Umweltsünder dabei waren, ist nicht überliefert.
Belastung für Küstenbewohner und Umwelt
Der Seeweg dominiert den globalen Güterverkehr: 90 Prozent aller Warentransporte erfolgen per Schiff. Etwa ein Drittel aller weltweiten Handelsschiffbewegungen beginnen oder enden dabei in Häfen der Europäischen Union. Nord- und Ostsee gehören damit zu den am dichtesten befahrenen Meeren der Welt. Auch Tank-, Fähr- und Passagierschiffe tragen zu dieser Entwicklung bei. Was wichtig für Handel und Tourismus ist, wird für die Umwelt und die küstennahe Bevölkerung zunehmend zum Problem. LUKAS soll es lösen.
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