Security: Obama und McCain im Wahlkampf ausspioniert
Wenn am heutigen Freitag US-Präsident Barack Obama erstmals den neuen chinesischen Präsidenten Xi Jinping trifft, wird auch das Thema Cyberspionage behandelt werden. Unmittelbar vor dem Gipfeltreffen haben US-Geheimdienste Details eines spektakulären Falls von Cyberspionage bekanntgemacht: Obama und sein Konkurrent John McCain wurden während des Wahlkampfs 2008 ausspioniert – mutmaßlich aus China.
Die Täter hätten demnach Computer und Laptops von wichtigen Wahlkampfhelfern und Beratern der beiden Politiker infiltriert und von dort große Mengen an Daten kopiert, darunter interne Positionspapiere, Wahlkampfunterlagen und Reisepläne, sagten Geheimdienstmitarbeiter dem US-Fernsehsender NBC News(öffnet im neuen Fenster).
Korrespondenz abgefangen
Es seien auch private E-Mails betroffen gewesen – unter anderem der Entwurf eines Schreibens McCains an den taiwanischen Staatschef Ma Ying-jeou, der gerade sein Amt angetreten hatte. McCain habe darin Ma die Freundschaft der USA sowie Unterstützung bei der Modernisierung der taiwanischen Streitkräfte zugesichert. Ein Berater des republikanischen Kandidaten habe damals einen erbosten Anruf eines chinesischen Diplomaten in Washington erhalten – noch bevor McCain den Brief abgeschickt hatte.
Die Angreifer hätten im Falle Obamas E-Mails mit Malware im Anhang an die Wahlkampfhelfer verschickt. Die Schadsoftware habe sich dann über die Computer des Teams verbreitet; sie sei auf dem neuesten Stand der Technik gewesen, sagte Alan Brill vom Sicherheitsunternehmen Kroll Advisory Solutions, das die infizierten Computer säuberte.
Ausgeklügelte Aktion
Die US-Bundespolizei Federal Bureau of Investigation (FBI) hatte die ausgeklügelten Cyberangriffe bereits im Sommer 2008 entdeckt. Sie seien danach noch einige Monate weitergegangen, so dass die Ermittler sie nach China zurückverfolgen konnten. Die Angreifer seien mutmaßlich chinesische Hacker, die von der Regierung in Peking unterstützt worden seien.
Das sei seinem Kenntnisstand nach "ein Fall politischer Cyberspionage der chinesischen Regierung gegen die beiden amerikanischen politischen Parteien", sagte Dennis Blair, Direktor Nationale Nachrichtendienste (Director of National Intelligence, DNI) unter Präsident Obama von 2009 bis 2010, dem Sender. Ziel sei gewesen, Informationen über die Positionen der Parteien zu China herauszubekommen.
Ausmaß unbekannt
Dass Obamas Wahlkampfteam ausspioniert wurde, war in groben Zügen bekannt. Obama selbst hatte die Aktion einmal öffentlich erwähnt. Allerdings waren weder die mutmaßlichen Täter noch das Ausmaß bisher bekannt. Offiziell war China noch nicht damit in Verbindung gebracht worden. Wie schwerwiegend die Sicherheitslücke gewesen sei, sei bis dato nicht bekannt gewesen, versicherten Wahlkämpfer beider Seiten und Geheimdienstmitarbeiter NBC News.
Für Obama kommt die Veröffentlichung der Affäre zum Auftakt des Gipfeltreffens zu einem günstigen Zeitpunkt. Es stärkt noch einmal die Position der USA, die seit längerem ein Ende der chinesischen Cyberspionage fordern.
- Anzeige Hier geht es zu Hacking & Security: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.