Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Security: Auch Kreditkarten mit Chip und PIN können kopiert werden

Bislang war bekannt, dass Kreditkarten mit Magnetstreifen mit trivialen Mitteln kopierbar sind. Aktuelle Recherchen zeigen, dass auch Karten mit dem besser gesicherten Chip-und-PIN-Verfahren kopiert werden können - weil einige Banken schlampen.
/ Hauke Gierow
19 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Auch mit dem Chip-und-PIN-Verfahren gesicherte Kreditkarten können von kriminellen Banden kopiert werden. (Bild: Damien Meyer/Getty Images)
Auch mit dem Chip-und-PIN-Verfahren gesicherte Kreditkarten können von kriminellen Banden kopiert werden. Bild: Damien Meyer/Getty Images

In Europa ist das Chip-und-PIN-Verfahren bei Kreditkarten schon länger im Einsatz - in den USA, Lateinamerika und Asien beginnen Banken erst jetzt mit der Umstellung. Dabei setzen einige Banken die für das Verfahren vorgesehenen Sicherheitsfeatures offenbar nur lückenhaft um, wie gemeinsame Recherchen der Zeit und von C't(öffnet im neuen Fenster) belegen. Das ermöglicht es Kreditkartenfälschern, valide aussehende Smartcards herzustellen, die im Einsatz beliebige PINs akzeptieren. Die Recherchen sollen auf Informationen eines Aussteigers aus der Carder-Szene basieren. Karten deutscher Banken sind den Recherchen zufolge vermutlich nicht betroffen.

Der Magnetstreifen einer Karte lässt sich mittlerweile mit einfachen Mitteln auslesen. Kriminellen Banden ist es nun offenbar gelungen, mit diesen Informationen auch auf Smartcard-Technologie basierende Karten herzustellen. Dazu werden Rohlinge mit der Java Card Operating Platform (JCOP) verwendet und mit Hilfe einer auf illegalen Marktplätzen erhältlichen Software beschrieben. Darüber hinaus nutzen die Banden spezielle Drucker und Prägemaschinen, um echt aussehende Karten herzustellen. Mit den gefälschten Karten ist es den Banden möglich, Karten herzustellen, die auch mit Terminals funktionieren, die das von Europay, Mastercard und Visa gemeinsam entwickelte EMV-Verfahren einfordern.

Das Terminal akzeptiert auf einmal jede PIN

Das bei Chip-und-PIN verwendete EMV-Verfahren prüft die Echtheit des Karteninhabers über verschiedene Mechanismen. Das kann eine einfache Unterschrift sein, eine Offline-PIN (verschlüsselt oder im Klartext) oder eine Kombination aus beiden. Das Terminal liest eine Liste präferierter Cardholder Verification Methods (CVM) von der Karte aus, in der die verschiedenen Methoden abgelegt sind. Das ermöglicht ein Fallback, etwa wenn die PIN-Abfrage auf einem Gerät technisch nicht durchführbar ist. Die auf den Smartcards installierte App mit dem Namen Mac Gyver gibt sich beim Terminal als App von Visa, Mastercard oder American-Express aus. Die gefälschte App akzeptiert jede beliebige PIN. Denn die PIN wird nur lokal geprüft und geht nicht in die Transaktion ein.

Banken sparen sich die aufwendige Krypto-Prüfung

Die Informationen der gefälschten Karte werden mit Hilfe des Static-Data-Authentication-Mechanismus (SDA) überprüft. Dabei wird geprüft, ob die Daten der Karte modifiziert wurden, ein Klonen der Karte wird aber nicht verhindert. Dazu ist eigentlich die Generierung eines kryptographischen Authorisation Request Cryptogram (ARCQ) notwendig - der aber von der Mac-Gyver-App nicht erzeugt werden kann.

Doch zahlreiche Banken unterlassen die recht aufwendige Prüfung der kryptographischen Informationen. Stattdessen prüfen sie nur die ungesicherten Informationen, die auch auf dem Magnetstreifen zu finden sind. Dies betrifft den Recherchen von Zeit und C't zufolge vor allem Banken aus Asien und den amerikanischen Kontinenten. Aus diesem Grund können kriminelle Banden mit Hilfe kopierter Magnetstreifen und weniger weiteren Informationen EMV-kompatible Karten herstellen, die dann weltweit für betrügerische Einkäufe eingesetzt werden können.

Deutsche Banken überprüfen die kryptographischen Informationen

Deutsche Banken prüfen den Recherchen zufolge die kryptographischen Informationen - daher sollten Kunden deutscher Kreditinstitute nicht von den Angriffen betroffen sein. Bei Kreditkartenbetrug sind die Kunden selbst sowieso meist geschützt - illegale Umsätze gehen dann zulasten der Bank. Händler hingegen bekommen in aller Regel keine Erstattung, wie mehrere Unternehmensinhaber Golem.de bestätigten. Sie bleiben also nach dem erfolgreichen Betrug auf einem Verlust sitzen, obwohl sie selbst nur wenig tun können, um die Sicherheit zu erhöhen. Es dürfte sich also für Geschäfte lohnen, Kreditkarten ausländischer Banken künftig genauer auf Fälschungen zu überprüfen.

Das Bundeskriminalamt bestätigte die Recherchen. "Mehrere nach der beschriebenen Vorgehensweise hergestellte, ausländische Kreditkarten wurden zwischenzeitlich beim BKA begutachtet" , sagte ein Sprecher der C't. "Diese Art des Angriffs auf das EMV-System konnte nur erfolgreich verlaufen, weil die Echtheitsprüfung der Karten nicht regelkonform erfolgte. Auch wenn dem BKA bisher nur Fälle mit ausländischen Kartendaten bekannt wurden, sollten alle beteiligten deutschen Stellen sicherstellen, dass eine regelkonforme Prüfung ihrer Karten- bzw. Kartendaten erfolgt."


Relevante Themen