Section Control: Bremsen vor Blitzern soll nicht mehr vor Bußgeld schützen
Vor vielen Radarfallen wird im Internet und mit Hilfe von Online-Navigationssystemen gewarnt. Autofahrer, die sich nicht an Tempolimits halten wollen, können das ausnutzen und ihre Geschwindigkeit kurz vor der Messstation reduzieren. Das soll künftig nicht mehr vor einem Bußgeld und weiteren Strafen schützen.
Mit einem Streckenradar sollen vom Sommer 2016 an in Niedersachsen ganze Abschnitte einer Straße kontrolliert werden. Ist der Autofahrer im Schnitt zu schnell, wird er erfasst und muss mit Konsequenzen rechnen. Je nach Höhe der Geschwindigkeitsübertretung kann das zu Geldstrafen, aber auch zu zeitweisem Führerscheinentzug führen.
Der bundesweit erste Pilotversuch mit einem Abstandsradar(öffnet im neuen Fenster) soll auf der Bundesstraße 6 bei Laatzen in der Nähe von Hannover stattfinden und einige Monate dauern, hieß es vom niedersächsischen Innenministerium. Die Teststrecke ist 3 km lang. Bußgelder gibt es dem Vernehmen nach erst nach dem Testlauf. Schilder weisen auf die Überwachung hin. Auf der Strecke gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h.
Bilder werden verschlüsselt
Nach einem Bericht des NDR(öffnet im neuen Fenster) gab es zunächst datenschutzrechtliche Probleme beim Speichern der Fotos von Fahrern, die sich an das Limit halten. Nun seien aber bis auf wenige technische Details die Fragen der Datensicherheit geklärt, so der Sprecher der Landesdatenschutzbehörde.
Wenn die Erprobung positiv verläuft, könnte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig die Abschnittskontrolle als Blitzeranlage offiziell zulassen(öffnet im neuen Fenster). Ein entsprechendes Dokument, das die Erfordernisse beschreibt, ist online verfügbar (pdf(öffnet im neuen Fenster)). Darin wird von satellitenbasierten Geschwindigkeitsüberwachungsgeräten gesprochen, weil der Abstand zwischen den beiden Messpunkten per GPS bestimmt wird. Die Anwesenheit eines Fahrzeugs wird per Radarmessung festgestellt und mittels Bildaufnahme dokumentiert.
Die sogenannte Section Control ist in Österreich(öffnet im neuen Fenster), Australien(öffnet im neuen Fenster) und den Niederlanden seit Jahren im Betrieb. Die Datenschutzprobleme konnten durch eine Verschlüsselung und einen Zwischenschritt gelöst werden. Beim Einfahren in den Bereich werden zwar alle Fahrzeuge fotografiert und beim Verlassen ein zweites Mal. Beide Aufnahmen werden verschlüsselt gespeichert und zusammen mit den Messdaten signiert. Erst wenn die Messung eine Tempoüberschreitung anzeigt, wird der Fahrer wie bei einem klassischen Blitzfoto aufgenommen und auf die verschlüsselten Fotos zur Beweissicherung zurückgegriffen.
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