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Secret Invasion: Paranoia im Marvel-Universum

Zeitweise war angedacht, aus Secret Invasion einen Film zu machen, jetzt ist es eine Serie geworden - und das auch besser. Wir haben reingeschaut.
/ Peter Osteried
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Nick Fury (Samuel L. Jackson) hatte der Erde den Rücken gekehrt, ist jetzt aber wieder da! (Bild: The Walt Disney Company)
Nick Fury (Samuel L. Jackson) hatte der Erde den Rücken gekehrt, ist jetzt aber wieder da! Bild: The Walt Disney Company

Die Russo-Brüder(öffnet im neuen Fenster) hätten aus Secret Invasion(öffnet im neuen Fenster) gern einen großen Event-Film gemacht, Marvel-Studios-Produzent Kevin Feige meinte jedoch, dass die Geschichte als Serie besser funktioniert. Die läuft jetzt bei Disney+, wir haben uns die erste Folge angesehen.

Die Vorlage für die Serie bildet - wie so oft - eine große Comic-Geschichte. Secret Invasion(öffnet im neuen Fenster) wurde 2008 von Brian Michael Bendis ersonnen und erzählt davon, wie die Helden, aber auch die Schurken des Marvel-Universums merken, dass viele von ihnen durch die gestaltwandelnden Skrulls ersetzt wurden.

Der Clou: Manche der Figuren werden schon seit Jahren von den Skrulls gefangen gehalten und die Leser verfolgten somit über lange Zeit gar nicht die Abenteuer ihres Helden, sondern eines Betrügers - was durchaus kontrovers war.

Bei der Umsetzung als Fernsehserie für Disney+ wurde die Geschichte stark verändert. Es geht in der Serie nicht um die Superhelden - sondern um Nick Fury.

Kampf ums Überleben

In der ersten Folge geht es damit los, dass Ex-CIA-Agent Everett Ross (Martin Freeman) die Information erhält, dass die Skrulls höchste Kreise infiltriert haben. Mehr noch, sie arbeiten an einer Eskalation, deren ultimatives Ziel es ist, die Supermächte USA und Russland gegeneinander aufzuhetzen. Denn anders als die Menschen können Skrulls in einer radioaktiven Atmosphäre leben. Der Plan der Skrulls ist es darum, einen Atomkrieg anzuzetteln.

Das ruft Nick Fury auf den Plan, der sich seit Jahren so ziemlich von allem zurückgezogen hat. Hilfe erhält er von Talos, einem der Skrulls, die nicht an diesen Plänen beteiligt sind.

Dass die anderen Skrulls die Menschheit auslöschen wollen, liegt an einem nicht eingelösten Versprechen: Sie kamen vor drei Jahrzehnten zur Erde, woraufhin Fury und Captain Marvel ihnen helfen wollten, eine neue Heimat zu finden. Da das nicht funktionierte, wollen sie nun eben die Erde.

Kurze Serie

Secret Invasion ist eine kurze Serie - sie besteht aus nur sechs Episoden. Das dürfte aber auch gewährleisten, dass es keinerlei Leerlauf gibt.

Das ist auch in der ersten Folge schon zu beobachten. Sie steigt mitten ins Geschehen ein und enthüllt eine bekannte Figur als Skrull. Was unklar ist: Wie lange wurde der Mann schon von einem Skrull gespielt?

Die Serie arbeitet hier mit einem Gefühl der Paranoia und erinnert damit an Science-Fiction-Klassiker wie Die Dämonischen(öffnet im neuen Fenster) oder die Serien Invasion von der Wega(öffnet im neuen Fenster) oder First Wave(öffnet im neuen Fenster) .

Zweimal zeigt die erste Folge, wie leicht man einer Täuschung erliegen kann. Damit einher geht auch der überraschende Tod einer Figur, die man seit vielen, vielen Jahren kennt. Ebenso wie die Hauptfiguren können sich die Zuschauer dabei niemals sicher sein, wen man gerade vor sich hat.

Damit gestaltet sich die Serie grundlegend anders als das, was man bisher aus dem MCU kennt. Das ist wichtig, denn es zeigt, dass im Marvel-Universum nicht nur Superhelden-Geschichten erzählt werden können, wie sie im Kino Jahr für Jahr zu sehen sind. Die politische Ebene wird stärker in den Vordergrund gerückt, im Grund ist sie aber eine Agenten-Geschichte.

Toll besetzt

Natürlich ist Samuel L. Jackson in der Hauptrolle zu sehen. Er spielt Fury fast seit dem Beginn des MCU. Auch die übrige Besetzung ist hervorragend: Ben Mendelsohn (Rogue One: A Star Wars Story) spielte den Skrull schon in Captain Marvel und ist auch hier wieder dabei, allerdings trifft man nun auch auf seine Tochter, gespielt von Emilia Clarke. Sie ist bereits die elfte Schauspielerin aus Game of Thrones, die einen Platz im Marvel Universum gefunden hat. Ihre Figur ist ambivalent gezeichnet und damit besonders interessant.

Ein schauspielerisches Highlight ist Olivia Colman (The Crown) als Sonya Falsworth. Die Rolle des Gavrick, des Anführers der Skrull-Rebellen, ging an Kingsley Ben-Adir, den man aus der Science-Fiction-Serie The OA kennt.

Der Konflikt mit Russland

Als die Drehbücher geschrieben wurden, gab es noch keinen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Als die Dreharbeiten im April 2022 endeten, schon. Hätte man die Geschichte grundlegend verändert, hätte man quasi von vorne beginnen müssen - was man nicht tat. Folglich entfernt sich das MCU immer weiter von unserer Realität. Das konnte auch bei den mehrmonatigen Nachdrehs, die im Juli 2022 starteten, nicht behoben werden.

Abgesehen von den Skrulls hätte Secret Invasion auch eine neue Staffel von Jack Ryan sein können - tatsächlich ist der Plot der dritten Staffel(öffnet im neuen Fenster) der Agenten-Serie der Geschichte von Secret Invasion nicht unähnlich.

Aber hier hat man natürlich noch die zusätzliche Würze des großen Marvel-Universums. Auf eines darf man dabei besonders gespannt sein: Ob am Ende der Serie der Status Quo des MCU nachhaltig verändert wird.


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