Second Sight: Bionisches Auge ermöglicht zentrales Sehen
Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die das zentrale Sehen beeinträchtigt. Ein bionisches Auge soll Patienten einen Teil davon zurückgeben. Britische Ärzte haben es erstmals einem AMD-Patienten eingesetzt.
Ärzte in England haben einem Patienten eine Retina-Prothese eingesetzt. Es ist das erste Mal, dass ein Patient das System bekommt, der altersbedingte Makuladegeneration (AMD) hat. Das Implantat soll ihm einen Teil seines zentralen Sehens zurückgeben.
Der 80-jährige Patient hat einen Teil seiner Sehkraft durch AMD verloren. Dabei wird der Gelbe Fleck beeinträchtigt. Das ist der Bereich des Auges mit den meisten Sinneszellen. Im Zentrum des Gelben Flecks befindet sich die Sehgrube, die der Punkt des schärfsten Sehens ist. Der an Makuladegeneration Erkrankte verliert nach und nach das zentrale Sehen.
Argus besteht aus interner und externer Einheit
Die Augenärzte des Manchester Royal Eye Hospital haben dem Patienten das System Argus II eingesetzt, das von dem kalifornischen Unternehmen Second Sight entwickelt wurde. Es besteht aus einem Implantat, das auf die Retina aufgesetzt wird, und einer externen Einheit.
Das Implantat ist eine Matrix aus 60 Elektroden, die mit dem Sehnerv verbunden sind. Hinzu kommen ein Empfänger und ein Akku. Zu dem externen Teil gehören eine Brille, an der eine Kamera und eine Sendeeinheit befestigt sind, und ein kleiner Computer, der am Gürtel getragen wird und die Kamerabilder in elektrische Signale wandelt.
System ermöglicht Schwarzweiß-Sehen
Die Signale werden auf das Implantat übertragen, das wiederum die Sehzellen stimuliert. Die Information gelangt dann über den Sehnerv ins Gehirn. Die Auflösung von 60 Pixeln soll ausreichen, damit der Träger einfache Formen erkennen oder Bewegungen erfassen kann. Auch große Buchstaben soll er damit lesen können. Das Argus-System ermöglicht nur Schwarzweiß-Sehen.
Das System ist in Europa und den USA zugelassen und schon seit einigen Jahren im Einsatz, bisher allerdings nur bei Patienten mit Retinopathia pigmentosa (RP).
Patient kann wieder besser sehen
"Der Unterschied zwischen RP und trockener AMD ist, dass RP vor allem das periphere Sehen betrifft. AMD hingegen betrifft vor allem das zentrale Sehen. Retina-Implantate können Patienten mit AMD einen Teil ihres zentralen Gesichtsfelds wiedergeben, das durch die Degeneration der Sehzellen nicht mehr arbeitet", sagt Paulo Stanga. Er leitet die Studie mit den AMD-Patienten in Manchester.
Zwei Wochen nach dem Einsetzen wurde das System aktiviert. Es zeigte sich, dass der Träger einen Teil seines Sehens wiedergewinnen konnte. Positive Ergebnisse aus der Studie könnten neue Möglichkeiten für die Behandlung von trockener AMD eröffnen, sagt Stanga.
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