Sebastian Nerz: Piratenparteitag wählt Parteichef ab

Die Piratenpartei hat einen neuen Parteichef gewählt. Sebastian Nerz musste das Amt zugunsten des bisherigen Vizechefs Bernd Schlömer abgeben, gab die Partei am 28. April 2012 auf ihrem Bundesparteitag in Neumünster bekannt.
Schlömer bekam 66,6 Prozent der Stimmen, Nerz nur 56,2 Prozent. "Ich hätte öfter mal als Vorsitzender reden müssen" , kommentierte der 28-jährige Bioinformatiker Nerz im Gespräch mit dem Magazin Focus(öffnet im neuen Fenster) die Niederlage.
Der vierzigjährige Regierungsdirektor Schlömer rechnete vor: "Es freut mich, eine derart hohe Zustimmung der Mitglieder erhalten zu haben und ich bin stolz darauf, knapp 30.000 Mitglieder zu repräsentieren."
In die Amtzeit von Nerz fielen zwei Skandale: Die offizielle Jugendorganisation Junge Piraten hatte sich öffentlich darüber empört , dass immer wieder Mitglieder der Piratenpartei durch ausländerfeindliche und sexistische Aussagen oder Verhaltensweisen auffielen.
Zugleich wurde die Partei dafür kritisiert , dass ihr Verständnis von Meinungsfreiheit soweit ginge, dass sie Tendenzen einer neofaschistischen Unterwanderung nicht abwehren könne. Der Zentralrat der Juden forderte die Piratenpartei auf, entschieden gegen rechtsradikale Parteimitglieder vorzugehen.
Der Bundesparteitag verabschiedete eine Erklärung gegen die Leugnung und Relativierung des Holocaust. "Die Piratenpartei Deutschland erklärt, dass der Holocaust unbestreitbar Teil der Geschichte (ist). Ihn unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit zu leugnen oder zu relativieren widerspricht den Grundsätzen unserer Partei" , so ein Antrag, den rund 1.500 Mitglieder annahmen. "Der Versammlungsleiter konnte keine einzige rote Stimmkarte im Saal erkennen" , erklärte die Partei.



