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Sea Bubbles: Wassertaxis schweben über die Seine

Elektromobil auf dem Wasser: Sea Bubbles sind schwebende Wassertaxis, die dazu beitragen sollen, in großen Städten Staus und Abgase zu vermeiden. Start für die von zwei Weltrekordlern entwickelten Wasserfahrzeuge ist in Paris.
/ Werner Pluta
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Foilendes Wassertaxi Sea Bubble: in Zukunft autonom unterwegs (Bild: Sea Bubbles)
Foilendes Wassertaxi Sea Bubble: in Zukunft autonom unterwegs Bild: Sea Bubbles

Über dem Wasser schweben können Bewohner und Besucher von Paris ab dem kommenden Jahr: Sea Bubbles(öffnet im neuen Fenster) sollen als neuartige Wassertaxis Passagiere über die Seine schippern und als weiteres Verkehrsmittel des öffentlichen Nahverkehrs dazu beitragen, Staus und Umweltverschmutzung in Paris zu verringern.

Denn die französische Hauptstadt hat ein massives Verkehrsproblem – und damit auch ein massives Umweltproblem: Im März vergangenen Jahres führte Paris kurzzeitig die Rangliste der Städte mit der schlimmsten Luftverschmutzung an. Die Luft war schlechter als in Schanghai, das normalerweise diese wenig erstrebenswerte Spitzenplatzierung einnimmt.

Paris verbietet Autos

Die Behörden griffen daraufhin zu drastischen Maßnahmen: Es durften nur noch Autos mit sauberem Antrieb, mit mehr als drei Insassen oder mit einer ungeraden Autonummer in die Stadt. Bewohner und Besucher der französischen Hauptstadt konnten mehrere Tage lang die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen.

Das war aber nur eine kurzfristige Maßnahme. Das grundsätzliche Problem bleibt ja: viel Verkehr, verstopfte Straßen und damit auch die Abgase. Sea Bubbles will mit seinen Booten neue Verkehrswege – und das ohne Schadstoffemissionen.

In Metropolen gibt es Staus und Wasserstraßen

Gedacht seien die Sea Bubbles für große Städte mit Wasserstraßen, erzählt Anders Bringdal im Gespräch mit Golem.de. Er und der Franzose Alain Thébault haben das Unternehmen zusammen gegründet. Fast alle großen Städte hätten Verkehrsprobleme, sagt er. Aber sie hätten auch Wasserstraßen. Paris hat die Seine, London die Themse, Berlin Spree und Havel, Hamburg hat die Elbe, New York den Hudson und den Atlantik.

Ein Sea Bubble, übersetzt: Meeresblase, ist gut 4 Meter lang und 2 Meter breit. Es wird ein Mittelding zwischen Bus und Taxi: Der Passagier ruft ein Sea Bubble wie ein Taxi per App. Die App teilt dem Fahrgast mit, wie lange er auf sein Sea Bubble warten muss. Das hält dann allerdings an einer Haltestelle, und der Fahrgast teilt es sich mit drei weiteren Fahrgästen. Als fünfter Insasse kommt der Steuermann hinzu.

Das Sea Bubble foilt

Angetrieben wird ein Sea Bubble von zwei elektrischen Schiffspropellern. Das Wasserfahrzeug ist sehr energieeffizient: Bei etwa sieben Knoten, knapp 13 Kilometern pro Stunde, hebt sich es sich aus dem Wasser und fährt auf zwei U-förmigen Flügeln.

Wenn das Sea Bubble aus dem Wasser kommt, verringert sich der Reibungswiderstand deutlich: um 40 Prozent, sagt Anders Bringdal im Gespräch mit Golem.de. "Das Gute an den Sea Bubbles ist: Es gibt keine Umweltverschmutzung, keinen Lärm und keine Wellen." Wellen können an Uferbefestigungen und Bauwerken Schäden anrichten. Das ist ein Vorteil der Sea Bubbles gegenüber herkömmlichen Schiffen.

Vor allem bedeutet Foilen eine hohe Geschwindigkeit – und darin sind die beiden Sea-Bubbles-Gründer Bringdal und Alain Thébault Spezialisten.

Hohe Geschwindigkeiten auf dem Wasser

Der Schwede Bringdal ist Windsurfer und hat 2012 einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt: Er war der erste Windsurfer, der schneller als 50 Knoten, knapp 93 km/h, war. Noch schneller war er zusammen mit Thébault: Bringdal gehörte zur Besatzung, als Thébault mit seinem Boot Hydroptère 2009 als Erster schneller als 100 km/h segelte.

Das Prinzip, ein Boot aus dem Wasser zu heben und so mit einer geringen benetzten Fläche sehr schnell unterwegs zu sein, ist schon über 100 Jahre bekannt: Ende des 19. Jahrhunderts begann Enrico Forlanini, mit diesem Konzept zu experimentieren. 1906 baute der Italiener, der eigentlich Flugzeugkonstrukteur war, das erste einsatzfähige Tragflügelboot(öffnet im neuen Fenster).

Im America's Cup wird gefoilt

Lange waren Tragflügelboote Motorboote. Seit einigen Jahren kommt diese Technik auch zunehmend bei Segelbooten(öffnet im neuen Fenster) zum Einsatz, etwa beim America's Cup(öffnet im neuen Fenster) 2013 ebenso wie beim kommenden 2017 oder in der Rennserie Extreme Sailing Series(öffnet im neuen Fenster), in der GC32-Katamarane an den Start gehen.

Thébault ist einer der Pioniere auf dem Gebiet: In den 1980er Jahren übernahm er das Projekt des bekannten französischen Seglers Éric Tabarly, ein foilendes Segelboot zu entwickeln. 1994 war das Ergebnis fertig: Der Hydroptère(öffnet im neuen Fenster) wurde dafür gebaut, Geschwindigkeitsrekorde unter Segeln aufzustellen.

Thébault stellt einen Rekord auf

Nach einem spektakulären Unfall 2008, bei dem das Boot schwer beschädigt wurde, gelang Thébault das im darauffolgenden Jahr: Er erreichte über eine Distanz von 500 Metern eine Geschwindigkeit von 51,36 Knoten, das sind 95,22 km/h, und über eine Seemeile 50,17 Knoten, 92,91 km/h. Bei dem Rekordversuch segelte der Hydroptère kurzzeitig schneller als 100 km/h.

Bei der Konzeption des Sea Bubble habe das Team auf die Erfahrungen von Hydroptère zurückgegriffen, erzählt Bringdal. Unter anderem wurde dafür der Designer eingesetzt, der auch den Hydroptère entworfen hatte und der an der Entwicklung des Kampfflugzeugs Rafale(öffnet im neuen Fenster) des französischen Luftfahrtunternehmens Dassault beteiligt war.

So schnell sind die Sea Bubbles allerdings nicht.

Sea Bubbles in Paris

Gerade mal halb so schnell wie der Hydroptère wird ein Sea Bubble: Es erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten, etwa 46 km/h. Die werden sie aber wohl auch nur auf offenen Gewässern erreichen dürfen. Auf der Seine in Paris, wo die Wasserfahrzeuge zuerst eingesetzt werden sollen, ist die Geschwindigkeit auf zehn Knoten, 18,52 km/h, begrenzt.


Bislang ist das noch Theorie. Das einzige existierende Sea Bubble hat den Maßstab 1:8. Allerdings hat das Unternehmen kürzlich in einer Finanzierungsrunde 500.000 Euro eingesammelt. Zu den Investoren gehört unter anderem Henri Seydoux, Gründer und Chef des Drohnenhersteller Parrot. Das Geld soll unter anderem für den Bau eines Prototyps in Originalgröße eingesetzt werden.

Die Anleger erzeugen Strom

Im Herbst will Sea Bubble mit den Testfahrten in Paris beginnen. Die sollen im Dezember abgeschlossen sein. Im Januar sollen die Arbeiten an den Anlegern beginnen. Die sind nicht nur Haltestellen zum Ein- und Aussteigen da. Dort werden auch die Akkus der Sea Bubbles geladen. Zu Beginn des Projekts hätten sie auch einen Akkutausch erwogen, erzählt Bringdal. Allerdings sei ihnen das im Wasser zu unsicher erschienen.

Den Strom für die Sea Bubbles erzeugen hauptsächlich die Stege: "Wir statten sie mit Wasserturbinen aus", sagt Bringdal. Der Strom werde zwischengespeichert, um damit die Akkus laden zu können. Zusätzlich bekommen die Sea Bubbles Solarzellen. Für die Zukunft plant das Unternehmen auch eine Zusammenarbeit mit Energieversorgern, die Strom aus erneuerbaren Quellen gewinnen.

Die Sea Bubbles sollen autonom fahren

Anfangs wird das Wassertaxi noch von einem Menschen gesteuert. Das verlangt auch die aktuelle Gesetzeslage. Der Steuermann soll aber auf lange Sicht wegfallen: Die Sea Bubbles sollen autonom auf dem Wasser unterwegs sein.

Die Steuersoftware werde Sea Bubbles aber nicht selbst entwickeln, sagt Bringdal. Der Aufwand sei zu groß. Stattdessen arbeite das Unternehmen mit einem Partner zusammen, der Systeme für autonomes Autofahren entwickelt.

Die Zahl der Haltestellen steht nicht fest

Der Start für die Sea Bubbles auf der Seine ist für das kommende Frühjahr geplant. Zu Anfang sollen 15 der Wassertaxis eingesetzt werden, später soll ihre Zahl auf 60 ausgebaut werden. Die Zahl der Haltestellen, die sie ansteuern werden, steht laut Bringdal noch nicht fest. Es werden, je nach zur Verfügung stehendem Platz, sechs bis zehn sein.

Danach will das Unternehmen seine Elektro-Tragflügelboote auch als kommerzielles Produkt auf den Markt bringen. Die Nachfrage sei schon jetzt "größer, als wir dachten", erzählt Bringdal. Sie hätten unter anderem Anfragen aus Asien, dem Mittlerem Osten und den USA. Darunter seien Privatleute, die Häuser an einem Seen haben und einen privaten Taxibootdienst einrichten wollten, aber auch ein großes Unternehmen, das seine Mitarbeiter zum Arbeitsplatz und wieder weg befördern wolle.


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