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Scuddy: Der Elektroroller zum Zusammenklappen

Einen Elektroroller, der sich in wenigen Handgriffen auf die Größe einer Getränkekiste zusammenfalten lässt, stellen zwei Entwickler aus Kiel auf der Hannover Messe vor. Das Gefährt namens Scuddy ist ab Juli 2012 erhältlich.
/ Werner Pluta
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Scuddy: drei Roller im Kofferraum einer A-Klasse (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Scuddy: drei Roller im Kofferraum einer A-Klasse Bild: Werner Pluta/Golem.de

Scuddy(öffnet im neuen Fenster) heißt ein innovativer Elektroroller, der im Sommer auf den Markt kommen soll. Hinter dem Projekt stecken Tim Ascheberg und Jörn Jacobi aus Kiel. Die beiden haben zusammen Maschinenbau und anschließend Betriebswirtschaft studiert. Schon während des Studiums kam den beiden Kielern die Idee, ein eigenes Elektrofahrzeug zu entwickeln und zu vermarkten. Die beiden stellen ihren Roller auf der Hannover Messe 2012 (Halle 2, Stand D30) vor.

Scuddy ist ein Stadtfahrzeug, das in erster Linie für Pendler gedacht ist, die ein unkompliziertes und einfach zu bedienendes Fahrzeug als Ergänzung zur Fahrt in Bus und Bahn nutzen. Die Bedienung sei einfach, sagen die Entwickler – da der Roller vorne zwei Räder habe, sei es nicht sehr schwierig, das Gleichgewicht zu halten.

Stehroller mit Sitzfunktion

Von den Entwicklern ist der Scuddy als Roller konzipiert. Gefahren wird also im Stehen. Genauer gesagt sei Scuddy ein "Stehroller mit Sitzfunktion" , sagte Ascheberg im Gespräch mit Golem.de. Denn für diejenigen, die es lieber etwas bequemer haben, kann der Scuddy auch mit einem Sattel ausgestattet werden. Mehr Spaß mache es aber, stehend zu fahren.

E-Roller Scuddy – Trailer
E-Roller Scuddy – Trailer (00:17)

Als Antrieb dient ein Motor mit einer Leistung von 1,5 kW (2 PS). Die Kraft wird mit einem Zahnriemen auf das angetriebene Hinterrad übertragen. Verzögert wird mit einer Rekuperationsbremse, die die Bremsenergie als elektrische Energie wieder in den Akku einspeist. Für Notbremsungen und aus rechtlichen Gründen hat der Scuddy zudem Scheibenbremsen an allen drei Rädern.

Abnehmbarer Akku

Als Stromspeicher dient ein 8 Kilogramm schwerer Lithium-Eisen-Phosphat-Akku. Die Entwickler haben sich für diese Technik entschieden, weil sie zum einen, so Ascheberger, "kugelsicher" sei, also nicht die Gefahr besteht, dass der Akku in Brand gerät. Zum anderen ermögliche es diese Technik, dass auch ein relativ voller Akku noch mit zurückgewonnener Bremsenergie geladen werden könne. Der Akku, der sich in einem grasgrünen Gehäuse befindet, kann abgenommen werden – zum Schutz vor Diebstahl oder um ihn daheim oder im Büro aufzuladen.

Damit sich kein Unbefugter den Scuddy schnappen kann, verfügt dieser zum einen über eine Öse für ein Fahrradschloss am Chassis. Außerdem ist der Roller mit einer elektronischen Wegfahrsperre in Form eines RFID-Lesers unter dem Trittbrett ausgestattet. Der Chip werde mitgeliefert, sagt Jacobi. Es könne aber auch ein beliebiger Chip eingesetzt werden. Er selbst habe einen Funkchip im Schuh. Das sei praktisch, denn er müsse seinen Schuh nur neben den Scuddy halten, um diesen zu entsperren.

Faltbar

Wer den Roller nicht draußen parken will, kann ihn auch mit wenigen Handgriffen zusammenklappen und verstauen: Das Trittbrett wird nach vorne geklappt. Mit Hilfe einer eigens dafür entwickelten Technik wird das Hinterrad unter den Lenker und quer zwischen die Vorderräder geklappt. Der Lenker lässt sich zusammenschieben und umlegen, so dass sich der Scuddy in wenigen Handgriffen in einen Würfel verwandelt. Davon passten immerhin drei Stück in den Kofferraum einer Mercedes-A-Klasse, sagte Jacobi.

Werde der Lenker nicht eingeklappt, verwandele sich der Scuddy in einen praktischen Trolley, mit dem sich auch durchaus eine Getränkekiste transportieren lasse, erklärt Jacobi – gezogen wird dann aber mit Muskelkraft. Kleinere Lasten können in einem Korb transportiert werden. Dafür befindet sich am Lenker eine sogenannte Klickfix-Kupplung(öffnet im neuen Fenster) , wie sie auch an Fahrrädern zum Einsatz kommt.

Kostenlos in Bus und Bahn

Im Trolleymodus lässt sich der Scuddy auch ohne Einschränkungen in Bussen und Bahnen mitnehmen. Zusammengeklappt gelte er nämlich als Gepäck, weshalb kein Aufpreis bezahlt werden muss, wenn er in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werde. Der Nutzer zieht den Scuddy hinter sich her – das soll den Transport des immerhin 23 Kilogramm schweren Gefährts erleichtern.

Den Roller gibt es in zwei Ausführungen: einer normalen und einer Sportversion. In der City-Ausführung ist die Geschwindigkeit auf 20 Kilometer pro Stunde abgeregelt, dafür braucht der Roller eine Mofa-Zulassung. Die Sportversion fährt 35 km/h und benötigt deshalb eine Moped-Zulassung. Die höhere Geschwindigkeit macht sich indes bei der Reichweite bemerkbar: Der 20 km/h schnelle Scuddy kommt mit einer Akkuladung 40 Kilometer weit, der 35 km/h schnelle 32 Kilometer.

Sportversion mit schickeren Felgen

Auch vom Preis her unterscheiden sich die beiden Modelle: Die normale Ausführung kostet 3.000 Euro, die schnellere ist rund 300 Euro teurer. Dafür habe sie schickere Felgen, und es liegt ein Schnellladegerät bei. Die günstigere Ausführung gibt es mit dem normalen Ladegerät, das den Akku in vier Stunden auflädt. Mit dem Schnelllader dauert das nur eine Stunde. Beide Ladegeräte werden mit der Haushaltssteckdose verbunden. Eine Akkuladung kostet nach Angaben der beiden Entwickler knapp über 10 Cent.

Der Elektroroller kann ab sofort vorbestellt werden. Ausgeliefert werden die Roller voraussichtlich ab Ende Juli 2012.


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