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Screen-Sharing: Funken ist Silber, Kommunikation ist Gold

Mit Airplay , Chromecast , Wi-DI, Miracast und Allshare können Medieninhalte kabellos an andere Geräte übertragen oder gestreamt werden. Leider kommunizieren die Geräte der Hersteller untereinander in den seltensten Fällen miteinander, wie Hardwareexperte Alexandro Urrutia herausgefunden hat.
/ Alexandro Urrutia
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Chromecast-Vorstellung in San Francisco (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)
Chromecast-Vorstellung in San Francisco Bild: Justin Sullivan/Getty Images

Screen-Sharing soll unseren Alltag noch kabelloser machen. Fünf Standards gibt es, die Smartphones, Tablets und PCs kabellos mit externen Displays verbinden können: Apple Airplay, Google Chromecast, Intel Wireless-Display (kurz Widi), Wifi Alliance' Miracast und Samsung Allshare. Wer sich mit Screen-Sharing beschäftigt, wird mit verwirrenden und widersprüchlichen Informationen zu den Standards konfrontiert. Anwendung und Kompatibilitätsfragen werden von den Herstellern ebenso wenig kommuniziert wie aktiv vermarktet. Wir schaffen Klarheit.

Apple Airplay

Apple führte mit Airtunes(öffnet im neuen Fenster) bereits im Jahr 2004 den Vorläufer eines der ersten Screen-Sharing-fähigen Standards ein. Damals wurde nur Audio übertragen. Erst 2010 konnte Airtunes Bilder senden und wurde in Airplay umbenannt, denn das Wort Tunes deutete auf ein reines Audioübertragungsverfahren hin.

Apple TV mit iOS 5 steuern
Apple TV mit iOS 5 steuern (01:42)

Die Fähigkeit, nicht nur Audio und Videoinhalte zu streamen, sondern eine Live-Duplizierung des Bildschirminhalts zu schaffen, erweiterte Airplay als ersten Standard um die Screen-Sharing-Funktionalität. Airplay mischt die Eigenschaften eines Interoperabilitätsstandards und Screen-Sharing-Funktionen.

Die von Airtunes an Airplay vererbte Point-to-Multipoint-Sendetechnik erlaubt das Aussenden eines Datenstroms aus einer Quelle an mehrere Empfänger, ähnlich der Übertragung von Fernseh- und Radiosignalen. Airplay kann die unterschiedlichen Latenzzeiten berücksichtigen und die Wiedergabe entsprechend synchronisieren.

Als Quelle dienen die Software iTunes(öffnet im neuen Fenster) auf einem PC oder Mac sowie alle iOS-basierten Geräte. Dabei können Medieninhalte oder Bildschirminhalte übertragen werden, um etwa den Browserinhalt oder Videospiele auf einem großen Bildschirm darzustellen. Die Verbindung zu den Empfängern ist auf WLAN oder LAN beschränkt.

Airport-Express und Apple TV dienen dabei als Clients, um die Inhalte auf einem angeschlossenen Fernseher oder der Hifi-Anlage wiederzugeben, sollten diese nicht Airplay-zertifiziert sein. Mittlerweile hat eine Vielzahl von Drittherstellern Airplay lizenziert, so dass kein Apple-Gerät mehr dazwischengeschaltet sein muss, um es zu nutzen.

Apple Airplay empfiehlt sich ohne Einschränkung und alternativlos für audiophile Anwender, die eine Mehrraumbeschallung samt Sprachsteuerung wollen. Screen-Sharing ist bei Airplay eine willkommene Zusatzfunktion.

Google Chromecast

Der Chromecast von Google ist Standard- und Streaming-Adapter zugleich. Ein anderes Produkt mit dem Standard gibt es nicht. Das Gerät sieht aus wie ein etwas zu groß geratener USB-Stick mit HDMI-Stecker. Über den Chromecast lassen sich auf einem Fernseher oder einer anderen Videoanlage mit HDMI-Eingang von Google zugelassene Inhalte von Android oder iOS-Apps sowie vom Chrome-Browser unter Windows, OS X und Chrome OS über Wifi übertragen.

Google Chromecast – Test
Google Chromecast – Test (01:29)

Dabei gibt es zwei Modi: Der erste Modus kommt auf Mobilgeräten zur Anwendung. Hierbei wird in der App der Inhalt ausgewählt und gesteuert, während der Stick diesen direkt aus dem Internet über das Mobilgerät streamt. Es handelt sich bei Google Chromecast daher mehr um eine Fernbedienung als um eine Fernübertragung.

Geringer Energieverbrauch

Das bringt einige Vorteile mit sich, wie etwa geringeren Energieverbrauch, da die Smartphones und Tablets lediglich das Abspielen anstoßen und nicht dauerhaft im Einsatz sind. Zudem können mehrere Anwender gleichzeitig auf den Google-Stick zugreifen und so zum Beispiel Lieder oder Videos zur Playlist hinzufügen. Außerdem wird die Wiedergabe nicht unterbrochen, wenn die Batterie des Mobilgeräts leer ist oder es sich außerhalb der WLAN-Reichweite befindet.

Der zweite Modus kommt auf Notebooks und Desktop-Computern mit dem Google-Chrome-Browser zum Einsatz. Chrome dient dabei als Quelle. Es werden Inhalte direkt vom Computer an den Chromecast-Stick übertragen – der Browserinhalt wird auf den Fernseher gespiegelt. Auch in diesem Fall findet kein echtes Screen-Sharing statt, da nur der Inhalt des Browsers und nicht des gesamten Bildschirms übertragen wird.

Chromecast ist streng genommen kein Screen-Sharing-Standard

Der Nachteil von Chromecast: Durch die Einschränkungen der abspielbaren Inhalte und zugelassene Anwendungen wird der Standard leider um jegliche Interoperabilitätsfunktionalität beschnitten. Die reine Anstoß-Funktion zur Inhaltswiedergabe ebenso wie die halbherzige Duplizierung des Bildschirminhalts – es wird nur der Browserinhalt aus dem Google Browser Chrome übertragen – lassen keine Klassifizierung als Screen-Sharing-Standard zu.

Googles Konzept, den Inhalt vom Stick streamen zu lassen, ist eine Neuerung. Aber nicht nur die Anwendungen müssen vom Suchmaschinenbetreiber zertifiziert sein, sondern jeglicher Inhalt unterliegt deren Zensur. Spiele werden zurzeit gar nicht unterstützt. Und potenziell gibt es einen verringerten Datenschutz, da der Informationsaustausch über Google-Server erfolgt. Zumindest war das bisher so: Laut der letzten Meldung öffnet Google mit der Veröffentlichung eines neuen Software Development Kit (SDK) sein Chromecast-Format für App-Entwickler für Android, iOS und Chrome. Inwiefern die Daten dann frei vom Gerät selbst auf den Empfänger oder weiterhin über Google gesendet werden können, ist bisher noch unklar.

Intel Wireless-Display

Wireless-Display (Widi) wurde von Intel als kabellose HDMI-Verbindung entwickelt und stellt womöglich den einzigen wahren, artreinen Screen-Sharing-Standard dar. In gewohnter Intel-Manier ist Wireless-Display sehr gut gelungen. Bei der Hardware setzt Widi auf Host-Seite einen Intel-Core-i-Prozessor ab der Arrandale-Familie und einen Widi-fähigen WLAN-Adapter aus der Intel-Centrino-Serie voraus. Somit ist der Standard für Notebooks ausgelegt. Zudem benötigte man bisher aufseiten des Empfängers einen Intel-Wireless-Display-kompatiblen Receiver.

Verwirrung stiftete die Ankündigung von Intel, dass Wireless-Display um die Kompatibilität zum Miracast- und DLNA-Standard (Digital Living Network Alliance) erweitert würde. Von einer Einstellung des Standards war die Rede. Seit Oktober 2012 verfügbare Widi-Treiber in Version 3.5 von Intel unterstützen das Senden an Miracast- und DLNA-Empfänger. Demnach handelt es sich lediglich um eine Ergänzung – der Widi-Standard wurde weder eingestellt noch die Weiterentwicklung gestoppt.

Intel hat mit dessen Integration das Anwendungsspektrum bestehender und zukünftiger Kunden um ein Vielfaches vergrößert. Zugleich wurde Widi um die Möglichkeit, den Bildschirminhalt an DLNA-fähige Geräte zu senden, erweitert. Es ergeben sich jedoch je nach Netzwerk und Verbindung zwischen den Geräten erhöhte Latenzzeiten, da DLNA dafür nicht optimiert wurde. Verzögerungen bei der Bilddarstellung können die Folge sein. Aufwendige 3D-Spiele machen so natürlich keinen Spaß. Bei der Präsentation oder Wiedergabe von audiovisuellen Inhalten sind die Verzögerungen hinnehmbar.

Miracast

Miracast ist von der Wifi Alliance als offener, herstellerübergreifender Peer-To-Peer-Screencast-Standard definiert worden. Der Hersteller verwendet fälschlicherweise den irreführenden Begriff Screencast, obwohl es sich bei Miracast um Screen-Sharing handelt.

Nvidia zeigt Miracast
Nvidia zeigt Miracast (01:50)

Theoretisch lässt sich mit Miracast der Bildschirminhalt von einem Gerät auf einen Fernseher übertragen, sofern beide den offenen Miracast-Standard unterstützen. Dank Wifi ist dabei nicht einmal die Anmeldung bei einem WLAN-Netzwerk notwendig: Wifi-Geräte können direkt miteinander kommunizieren, ähnlich einer Bluetooth-Verbindung. Das scheint aber nicht immer so einfach zu sein – zumindest für die Entwickler .

Um mit Miracast zwischen zwei Geräten eine Bildübertragung zu starten, müssen beide Geräte den Miracast-Standard beherrschen. Wenn das Wiedergabegerät diesen nicht unterstützt, kann ein separater Miracast-Empfänger genutzt werden, der einfach in den HDMI- oder USB-Anschluss gesteckt wird.

Miracast wird von vielen Unternehmen unterstützt: Android ab Version 4.2 Jelly Bean und Windows ab 8.1. haben den Standard nativ integriert und hardwareseitig wollen neben Intel auch Nvidia, über ihre weit verbreitete Tegra-3-Plattform, Texas Instruments, Qualcomm, Broadcom, Marvell, Mediatek, Ralink und Realtek den Standard in ihre Produkte einbringen. Darum sind seit geraumer Zeit schon viele Smartphones, Tablets und Fernsehgeräte sowie HDMI- und USB-Adapter mit Miracast-Unterstützung erhältlich.

Auch wenn das alles sehr vielversprechend klingt, ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Bisher ermöglicht Miracast das Streamen von Ton nur in Verbindung mit Video. Ein reines Audiostreaming von Musik wie bei Apple Airplay ist bisher nicht vorgesehen.

Samsung Allshare

Samsung hat ähnlich wie Konkurrent Apple das proprietäre Allshare in seine Geräte integriert. Es überträgt audiovisuelle Inhalte zwischen Allshare-Geräten und bietet ebenfalls eine Screen-Sharing-Funktion an. Allshare überträgt Musik, Videos und Fotos von Allshare-Geräten zu anderen kompatiblen Allshare-, Miracast- oder DLNA-Geräten. Ob Screen-Sharing dabei standardübergreifend möglich ist, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Wie Airplay ist Allshare ein Mischstandard, der Interoperabilität und Screen-Sharing vermengt.

Oft verwechselt wird Allshare mit Allseen Alliance (ehemals Alljoyn von Qualcomm). Letzteres ist kein Screen-Sharing-Standard, sondern ein offener Softwarestandard zur Interoperabilität zwischen Geräten verschiedener Gattungen und Hersteller, ähnlich DLNA.

Lange Zeit war Allshare auf Samsung-Produkte beschränkt. Obwohl er als Marktführer im Smartphone-Segment durchaus verbreitet ist, scheitert die Verbreitung des Standards bei anderen Geräteklassen. Auch wenn Smart-TVs von Samsung beliebt sind, waren erst Geräte ab der ES-Modellserie von Anfang 2013 Allshare-fähig. Die Limitierung auf Samsung-Geräte hat sich für den Standard als nicht vorteilhaft erwiesen.

Einschränkungen bei Samsungs Allshare

Der koreanische Konzern hatte schon 2012 beschlossen, Allshare auch für andere Hersteller zu öffnen. Im gleichen Jahr wurde dazu das Allshare Framework für Entwickler vorgestellt und die Entwicklung durch Dritthersteller vorangetrieben. Um sich des vermeintlichen Wettbewerbsvorteils nicht selbst zu berauben, hat der Hersteller jedoch einige Funktionen den eigenen Geräten vorbehalten.

Diese weiterhin bestehenden Einschränkungen haben, trotz einer generell offeneren Haltung, nicht dazu beigetragen, den Standard zu verbreiten. Auch die Markteinführung des Allshare Cast Dongles, der den eigenen Standard auf Geräten von Fremdherstellern verfügbar machen soll, hat bisher nicht zum erhofften Erfolg geführt.

Indes könnte die Integration von Miracast und DLNA in Allshare ein Schritt in die richtige Richtung sein. Wie bei Intel Wireless-Display ist von einer "Integration" und nicht von einer "Aufgabe des eigenen Standards" die Rede. Allshare wird zumindest auf Samsung-Geräten weiter bestehen und weiterentwickelt werden.

Mobile Digital Media und Allseen Alliance

Keine Screen-Sharing-Standards sind übrigens das von der DLNA spezifizierte Mobile Digital Media sowie das entsprechende Gegenstück der Allseen Alliance(öffnet im neuen Fenster) , ehemals Alljoyn(öffnet im neuen Fenster) von Qualcomm. Auf Umwegen kann zwar mit DLNA wie mit Allseen/Alljoyn der Bildschirminhalt übertragen werden. Aber im Gegensatz zum Screen-Sharing werden DLNA und Allseen/Alljoyn in erster Linie dazu genutzt, um Steuerungssignale und Daten, in der Regel audiovisuelle oder reine Audioinhalte, von einem Gerät zum anderen zu übertragen – unabhängig vom Hersteller oder Gerätetyp.

Eigentliches Ziel von DLNA ist, die Interoperabilität informationstechnischer Geräte unterschiedlicher Hersteller aus dem Heimbereich sicherzustellen – also die Waschmaschine mit dem Notebook zu steuern oder eine Benachrichtigung vom Kühlschrank auf den Fernseher zu bekommen, wenn die Milch alle ist.

Fazit

Apple Airplay arbeitet nicht mit Miracast und anderen Standards zusammen, und umgekehrt funkt kein Android-Smartphone oder Wi-Di-fähiges Notebook an einen Airplay-Empfänger. Heterogene Umgebungen sind weniger empfehlenswert. Generell zeichnet sich ab, dass vor allem Geräte vom selben Hersteller oder solche, die für deren Standard vom Hersteller zertifiziert wurden, am ehesten miteinander kommunizieren. Miracast kann das zwar, indem es mit Wi-Di oder Allshare an einen DLNA-Empfänger funkt, aber das hat mitunter erheblich höhere Latenzzeiten zur Folge.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Samsung Allshare und Apple Airplay Interoperabilität und Screen-Sharing zugleich beherrschen, während Intel Wireless-Display respektive Wi-Fi Alliance' Miracast reine Screen-Sharing-Standards sind, die mittels DLNA oder Allseen/Alljoyn bei Bedarf um Interoperabilität erweitert werden können.

Neben den herstellereigenen Produkten gibt es eine Vielzahl an HDMI- und USB-Adaptern im unteren bis mittleren Preisbereich zwischen 20 und 50 Euro, um nachzurüsten. Diese unterstützen nicht selten mindestens zwei Standards.

Insgesamt sieht die Zukunft für Screen-Sharing gut aus: Derzeit wird an innovativen Anwendungen gearbeitet. Einige Receiver und Netzwerkadapter wie die von Devolo und AVM können bereits Fernsehsignale auf Tablets und Smartphones streamen. Auch andere Anbieter wie Technisat bieten diese Funktion schon. Am Streaming von Fernsehprogrammen im heimischen Netzwerk vom Receiver auf den Fernseher oder Beamer arbeiten aber auch andere Hersteller wie Unitymedia, das Unterstützung für Derartiges bei der Markteinführung seiner Horizon-Box von Samsung im vergangenen Jahr angekündigt hat. Es bleibt also spannend.


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