Scorpion Capital: Quantumscape zeigt unter Druck noch mehr Schwächen

Ein Festkörperakku mit fehlenden und verfälschten Daten, Betrugsvorwürfe und Hinweise auf Insidergeschäfte: Eine substanzlose Antwort auf einen kritischen Bericht lässt noch mehr Zweifel an Quantumscape aufkommen.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Quantumscape verspricht neue Akkus, nennt aber keine Details.
Quantumscape verspricht neue Akkus, nennt aber keine Details. (Bild: Quantumscape)

Die Präsentation der Feststoffbatterie von Quantumscape im Dezember 2020 ließ große Lücken in den Aussagen der Firma, wie Golem.de berichtete. Die Investitionsfirma Scorpion Capital hat nach Gesprächen mit Experten und ehemaligen Mitarbeitern diese Schwachpunkte in einem 188-seitigen Bericht zusammengefasst und bezeichnete die Aussagen der Firma darin als einen möglichen Betrug.

Inhalt:
  1. Scorpion Capital: Quantumscape zeigt unter Druck noch mehr Schwächen
  2. Quantumscape macht keine Angaben zum Kernbestandteil des Akkus
  3. Quantumscape benutzt ausgedachte Kennzahlen ohne Grundlagen

Scorpion Capital verweist unter anderem darauf, dass Sperren, die den Verkauf von Aktien durch Unternehmensinsider verhindern, in nächster Zeit auslaufen sollen. Bereits zum Jahreswechsel fiel der Aktienkurs von Quantumscape in wenigen Tagen um 50 Prozent, als Anteilsinhaber Optionen zum Kauf von Aktien zu einem sehr niedrigen Preis einlösen konnten, die sie anschließend in großen Mengen auf dem Markt verkauften. Je höher der Aktienkurs ist, bei dem das geschieht, desto profitabler ist das Geschäft. Scorpion wirft der Firma vor, mit falschen Versprechen den Aktienkurs zu steigern und vergleicht sie mit betrügerischen Firmen wie Nikola und Theranos.

Die Vorwürfe haben Substanz. Quantumscape hält sich nicht an wissenschaftliche Veröffentlichungsstandards für Batterien, die wegen zu vieler übertriebener und betrügerischer Behauptungen im Feld der Batterieforschung aufgestellt wurden. Die Firma hält die meisten der dort verlangten Daten zurück. Von 19 notwendigen Angaben werden nur 6 erbracht, die teilweise trivial sind. Alle Angaben zu den genauen Bestandteilen der Batterie und die zur Beurteilung der tatsächlichen Herstellbarkeit und Leistungsfähigkeit notwendigen Angaben fehlen. Berichte von unabhängiger Stelle gibt es auch nicht.

Die prominente Veröffentlichung des Berichts unter Anlegern in der Aktie führte zu einem Kurseinbruch von 12 Prozent und veranlasste Quantumscape zu einer Stellungnahme.

Schlagabtausch zwischen Scorpion und Quantumscape

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Quantumscape antwortete auf den Bericht auf Twitter einen Tag später, am 15. April 2021, mit einer Stellungnahme. Diese bestand aus zwei Teilen. Zuerst zitiert Quantumscape den Disclaimer von Seite 2 des Berichts, nach dem Scorpion Capital von den veröffentlichten Informationen selbst profitieren kann und positive Informationen über Quantumscape zurückhält. Im zweiten Teil verweist Quantumscape auf die eigenen Daten in ihrer Präsentation und die Zusammenarbeit mit VW.

Die Vorwürfe, die Quantumscape gegenüber Scorpion Capital erhebt, gelten aber auch für Quantumscape selbst. Quantumscape hält negative Informationen über eigene Entwicklungen zurück. Das geht auch aus dem Disclaimer hervor, den Quantumscape ebenso auf Seite 2 der eigenen Präsentation seiner Daten veröffentlicht hat. Darin sagt Quantumscape, dass die Firma großen Hindernissen in der Entwicklung von Festkörperbatterien gegenübersteht. Es sei möglich, dass die Batterien nicht wie erwartet funktionieren und damit die Geschäftsgrundlage entfalle. Es könne auch sein, dass die Firma nicht die Kosten für Materialien und Herstellung der Batterien unter Kontrolle bringen kann. Die Firma lehnt also jede Verantwortung ab, falls ihre Technologie nicht wie behauptet funktioniert oder zu teuer wird.

Der Verweis auf VW als Investor, um die Glaubwürdigkeit der eigenen Aussagen zu untermauern, erreicht dabei eher das Gegenteil. Der VW-Konzern war erst vor wenigen Jahren Ausgangspunkt des größten Betrugsskandals der Automobilgeschichte und muss dafür noch immer Strafen in Milliardenhöhe zahlen.

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Kritik an Quantumscape basiert auf dessen eigenen Aussagen

Auch der Bericht von Scorpion Capital ist kritikwürdig. Alle Personen sind anonym. Viele Aussagen wurden verkürzt, um einen Betrug näherzulegen und Expertenaussagen wurden nicht im Detail ausgeführt. Aber wie Quantumscape selbst sagt, die Daten sprechen für sich. Einige angebliche Daten in der Präsentation von Quantumscape sind offensichtlich gefälscht. Angebliche Messdaten werden auf Seite 17 und 21 als völlig glatte Kurve ohne Variationen gezeigt. Sie sind nur als Linien ins Diagramm eingezeichnet. Die Vergleichsdaten der herkömmlichen Batterie zeigen hingegen deutliche Variationen in den Messpunkten, wie es bei Messdaten in der Praxis zu erwarten ist.

Die Unglaubwürdigkeit von Quantumscape wird durch solche Praktiken und die dauerhafte Weigerung zur Veröffentlichung überprüfbarer und nützlicher Daten um so größer. Es handelt sich um Praktiken, die Vermutungen eines Betrugs oder die Vertuschung von größeren Problemen in der Entwicklung nahelegen. Die Lücken in den Daten, die von dem Unternehmen veröffentlicht werden, werfen dabei immer noch mehr Fragen auf.

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Quantumscape macht keine Angaben zum Kernbestandteil des Akkus 
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moji 01. Mai 2021

Vielen Dank! So oder so - ich bin sehr gespannt, wie diese Geschichte enden wird... .

MajorPainpoint 29. Apr 2021

+1 da ich schon mehrfach lasche und tendenziöse Artikel und Autoren bei Golem krisiert...

Eheran 23. Apr 2021

Ist ja auch komplett öffentlich? Wie soll da einer was von Scam behaupten, wenn die...

Steffo 23. Apr 2021

Nikola hatte General Motors und bis heute sogar Bosch als Partner. Das ist einfach kein...

m4mpf 23. Apr 2021

Der Run auf die Festkörperakkus findet deshalb statt, weil der Zug bei den momentanen...



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