Abo
  • Services:
Anzeige
Immer mehr Menschen in Afrika nutzen mobiles Banking.
Immer mehr Menschen in Afrika nutzen mobiles Banking. (Bild: Noor Khamis/Reuters)

Scoring: Zeig uns dein Smartphone und wir leihen dir Geld

Immer mehr Menschen in Afrika nutzen mobiles Banking.
Immer mehr Menschen in Afrika nutzen mobiles Banking. (Bild: Noor Khamis/Reuters)

Das Handy verrät die Kreditwürdigkeit: Was auf die Deutschen zukommen könnte, lässt sich in Afrika beobachten. Startups überprüfen dort die Bonität ihrer Kunden per App.

Reisen Sie viel und sind Sie mit Arbeitskollegen auf Facebook und Twitter vernetzt? Telefonieren Sie öfter am späten Abend und bekommen Sie durchschnittlich mehr SMS als Sie versenden? Hält der Akku Ihres Smartphones locker einen ganzen Tag und sind Ihrem Postfach E-Mails mit der Bestätigung von Zahlungseingängen zu finden? Glückwunsch, dann sind Sie vermutlich kreditwürdig - jedenfalls wenn es nach den Algorithmen von Startups wie InVenture, Lenddo oder Branch geht.

Anzeige

Die drei jungen Unternehmen aus dem Silicon Valley sind im Kreditgeschäft tätig und haben dabei vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer im Auge. Sie wollen Menschen, die keinen Zugang zum klassischen Bankgeschäft und keine Kredithistorie haben, die Möglichkeit geben, trotzdem an Geld zu gelangen. Es geht dabei um sogenannte Mikrokredite, häufig zwischen 30 und 50 US-Dollar. Was die Kunden benötigen, ist lediglich ein Smartphone, das ihre Kreditwürdigkeit anhand verschiedener Nutzungsdaten auswertet.

Dieser Ansatz fällt unter das sogenannte Scoring 2.0 oder Big Data Scoring. Traditionelle Bonitätsprüfungen wie die von der deutschen Schufa werten vor allem Kreditverträge, das Zahlungsverhalten und persönliche Daten wie die Anschrift und die Anzahl der Umzüge aus. In Ländern wie Kenia, Nigeria oder den Philippinen gibt es diese Informationen über viele Bürger nicht. Deshalb suchen die Kreditanbieter nach alternativen Wegen, die Bonität der potenziellen Kunden zu prüfen. Sie finden sie in der zunehmenden Verbreitung von Smartphones und mobilen Diensten.

Daten aus dem Smartphone

Schließlich liefert kaum ein anderes Gerät so viele Informationen über seinen Besitzer wie das Smartphone. "Wir sorgen uns nicht um dünne Akten, weil wir Daten reibungslos über mobile Technologien sammeln: Über 10.000 Datenpunkte pro Kunde", heißt es auf der Website von InVenture. Branch äußert sich etwas konkreter: "Wir sammeln Daten, wenn Sie sich in unsere App einloggen, das betrifft Daten über Ihr Gerät: SMS, Anruflisten und Adressbücher."

Das Wall Street Journal hat einige dieser gesammelten Datenpunkte genauer betrachtet. Erstaunlich ist, welche angeblichen Zusammenhänge die Algorithmen der Unternehmen teilweise erkennen. So gilt unter den rund 150.000 Kunden von Branch und InVenture in Kenia und Tansania als mutmaßlich eher kreditwürdig, wer in den Abendstunden telefoniert. Da in dieser Zeit die Gebühren niedriger sind, zeugt dies angeblich von einem gewissen Kostenbewusstsein aufseiten der Kunden. So weit, so nachvollziehbar.

Schwieriger wird das bei anderen Datenpunkten. So gilt als weniger kreditwürdig, wer schneller den Akku seines Smartphones entleert, wer mehr SMS verschickt als empfängt und wer Kontakte im Adressbuch ohne Nachnamen speichert. Keine dieser scheinbar obskuren Informationen alleine reicht aus, um die Kreditwürdigkeit eines Nutzers festzustellen. Doch in einem Algorithmus zusammengefasst, sollen sie ein recht genaues Profil über die Zahlungsfähigkeit liefern, sagen die Unternehmen.

Eine Frage von Statistik und Algorithmen

"Man kann alternative Datenpunkte wie die Anzahl der Kontakte im Adressbuch oder installierte Apps zunächst ohne jegliche Hypothesen nehmen, um zu schauen, ob sich daraus empirisch ein Zusammenhang über die Kreditwürdigkeit feststellen lässt. Falls dem so ist, ist das ein Entscheidungskriterium, das Scoring-Anbieter für ihre Vorhersagen nutzen können", erklärt Alexander Graubner-Müller. Mit seinem Hamburger Unternehmen Kreditech bietet er unter anderem Big Data Scoring in Ländern wie Mexiko und Polen an. Der Mehrwert der Modelle sei in jedem Land unterschiedlich, sagt Graubner-Müller. In Ländern, in denen ein effizienter Austausch zwischen Kreditinstituten stattfindet, sei das klassische Scoring meist ausreichend.

Aber wie zuverlässig sind die Zusammenhänge zwischen etwa der Akkunutzung oder den Namen im Adressbuch und der tatsächlichen Fähigkeit oder Bereitschaft, Kredite zurückzuzahlen, denn tatsächlich? "Man muss natürlich immer überlegen, auf welcher empirischen Basis man den Einfluss der Merkmale auswertet", sagt Graubner-Müller. Kreditech habe am Anfang die ersten tausend Kredite ohne Modell vergeben, um zunächst ein repräsentatives Sample des Kreditmarktes zu erheben. Erst anschließend wurde die Mustererkennung angewendet, woraus Charakteristika entstanden sind, die Hinweise auf einen zuverlässigen oder einen weniger zuverlässigen Kunden geben.

Verbraucherschützer wie Frank-Christian Pauli von der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisieren dieses Verfahren: "Das Problem ist, dass statistische Erfahrungen auf den Einzelnen übertragen werden. Die Ursachen, warum der Einzelne ein Merkmal trägt, müssen aber nicht mit der Bonität zusammenhängen, sie können auch zufällig zustande kommen. Je mehr Merkmale man hinzunimmt, die nicht unmittelbar mit der Kreditwürdigkeit zu tun haben, desto undurchsichtiger wird das Verfahren für die Verbraucher."

Scoring-Debatte in Deutschland 

eye home zur Startseite
OhYeah 14. Dez 2015

Oder nen Dispo... :D

Bill Carson 14. Dez 2015

Ich fürchte, sie haben vielerorts einfach leider keine Wahl.

Nadja Neumann 13. Dez 2015

Hatten wir das nicht schonmal...

Nadja Neumann 13. Dez 2015

Einfach das Smartphone rooten, die build Datei anpassen, Xposed Framework drauf, ein paar...

Anonymer Nutzer 12. Dez 2015

Naja, ich würde Leute die regelmäßig Kredite aufnehmen jetzt nicht so einschätzen dass...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. über Ratbacher GmbH, Raum Bremen
  2. BG-Phoenics GmbH, München
  3. Dataport, Hamburg
  4. Swyx Solutions AG, Dortmund


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 49,00€ (zzgl. 4,99€ Versand oder versandkostenfrei bei Abholung im Markt)
  2. 24,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. 24,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       


  1. Analysepapier

    Facebook berichtet offiziell von staatlicher Desinformation

  2. Apple

    Qualcomm reduziert Prognose wegen zurückgehaltener Zahlungen

  3. Underground Actually Free

    Amazon beendet Programm mit komplett kostenlosen Apps

  4. Onlinelexikon

    Türkische Behörden sperren Zugang zu Wikipedia

  5. Straßenverkehr

    Elon Musk baut U-Bahn für Autos

  6. Die Woche im Video

    Mr. Robot und Ms MINT

  7. Spülbohrverfahren

    Deutsche Telekom "spült" ihre Glasfaserkabel in die Erde

  8. Privacy Phone

    John McAfee stellt fragwürdiges Smartphone vor

  9. Hacon

    Siemens übernimmt Software-Anbieter aus Hannover

  10. Quartalszahlen

    Intel bestätigt Skylake-Xeons für Sommer 2017



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Mario Kart 8 Deluxe im Test: Ehrenrunde mit Ballon-Knaller, HD Rumble und Super-Turbo
Mario Kart 8 Deluxe im Test
Ehrenrunde mit Ballon-Knaller, HD Rumble und Super-Turbo
  1. Hybridkonsole Nintendo verkauft im ersten Monat 2,74 Millionen Switch
  2. Nintendo Switch Verkaufszahlen in den USA nahe der Millionengrenze
  3. Nintendo Von Mario-Minecraft bis zu gelben dicken Joy-Cons

Bonaverde: Von einem, den das Kaffeerösten das Fürchten lehrte
Bonaverde
Von einem, den das Kaffeerösten das Fürchten lehrte
  1. Google Alphabet macht weit über 5 Milliarden Dollar Gewinn
  2. Insolvenz Weniger Mitarbeiter und teure Supportverträge bei Protonet
  3. Jungunternehmer Über 3.000 deutsche Startups gingen 2016 pleite

Noonee: Exoskelett ermöglicht Sitzen ohne Stuhl
Noonee
Exoskelett ermöglicht Sitzen ohne Stuhl

  1. Der hat zuviel Simpsons geguckt

    dabbes | 10:54

  2. Ich hätte eine viel einfachere Idee

    dabbes | 10:54

  3. Re: warum _genau_ gehen nicht mehere qualitäten?

    Ovaron | 10:53

  4. Esel bei Auto schmeißen. Fahren Zug.

    Keridalspidialose | 10:47

  5. Re: Die Analystenerwartungen um 1,16% übertroffen

    Thomas | 10:46


  1. 15:07

  2. 14:32

  3. 13:35

  4. 12:56

  5. 12:15

  6. 09:01

  7. 08:00

  8. 18:05


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel