Scoober: Lieferando überwacht seine Fahrer sekundengenau

Fahrer können sich durch das DSGVO-Auskunftsrecht ihre Daten geben lassen. Alle 15 bis 20 Sekunden wird der genaue Standort an Lieferando gemeldet.

Artikel veröffentlicht am ,
Fahrer bei Lieferando: Arbeiten am Limit
Fahrer bei Lieferando: Arbeiten am Limit (Bild: NGG)

Der Essenslieferdienst Lieferando überwacht seine Fahrer sekundengenau mit der App Scoober. Das berichtet der BR (Bayrische Rundfunk) unter Berufung auf personalisierte Fahrerdaten, die Lieferando durch das neue Auskunftsrechts der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) herausgeben musste. Erfasst wird, wann ein Rider Bestellungen erhält, abholt und ausliefert.

Stellenmarkt
  1. IT-Spezialist / Engineer Cloud Platform (Microsoft Fokus) (m/w/d)
    INNEO Solutions GmbH, Ellwangen (Jagst) bei Aalen, Stuttgart
  2. Solution Architect digital Health (m/w/d) Schwerpunkt Online-Check-in
    Helios IT Service GmbH, Berlin
Detailsuche

In Abständen von 15 bis 20 Sekunden wird der genaue Standort der Fahrer weitergegeben. Die Daten reichen teilweise bis ins Jahr 2018 zurück. Der Vorsitzende des Lieferando-Deutschland-Gesamtbetriebsrates Semih Yalcin sagte dem BR: "Aus unserer Sicht liegt hier totale Überwachung vor. Wir halten es für völlig unverhältnismäßig." Die angestellten Rider würden nicht genügend über die Funktionsweisen der App aufgeklärt.

"Die Fahrerinnen und Fahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind, arbeiten zu Niedriglöhnen und teils am Rand der Belastungsgrenze", sagte Jens Löbel, Geschäftsführer der NGG-Region Thüringen im März 2021. Die Gewerkschaft kritisiert insbesondere den "Anreiz zur Akkordarbeit". Um über den Einstiegsverdienst von nur zehn Euro pro Stunde hinauszukommen, müssten die Beschäftigten möglichst viele Bestellungen in möglichst kurzer Zeit ausliefern. Ab der 25. Bestellung zahle Lieferando einen Zuschlag von 25 Cent pro Order, ab dem 100. Auftrag gebe es einen Euro mehr. "Dieses System führt zu großem Stress bei den Fahrern, denen jede rote Ampel wertvolle Zeit kostet. Um schnell voranzukommen, setzen sie häufig ihre Gesundheit aufs Spiel", erklärte Löbel.

30 Prozent von der Essensrechnung gehen an Lieferando

Außerdem werde der Arbeitsschutz nach Beobachtung der NGG nicht ernst genug genommen. Die von Lieferando gestellten E-Bikes seien häufig nicht richtig gewartet und nur bedingt verkehrssicher. "Und wer mit dem eigenen Fahrrad unterwegs ist, muss für die Reparaturen meist selbst aufkommen", kritisierte Löbel. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des niederländischen Mutterkonzerns Just Eat Takeaway nach Unternehmensangaben um 54 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Tolle Technik-Deals und viele weitere Schnäppchen

Lieferando hat im März 2021 die Liefergebühren in zahlreichen deutschen Städten nahezu verdoppelt. Kunden müssen 2,90 Euro pro Bestellung zahlen und nicht mehr wie bisher 1,50 Euro, wenn ihr Essen von Lieferando-Fahrern geliefert wird. Zu den Lieferkosten für Besteller kommen noch Gebühren für Restaurants hinzu, die bei Auslieferung durch eigene Fahrer bei 13 Prozent liegen, bei Auslieferung durch Lieferando-Fahrer bei 30 Prozent.

Bei den Bestellungen verzeichnet Lieferando weiterhin gute Zahlen. Nachdem die Zahl der Bestellungen im ersten Halbjahr 2020 auf 49 Millionen gestiegen war, betrug sie 2021 bereits im ersten Quartal 39 Millionen.

Unternehmenssprecher Oliver Klug sagte Golem.de: "Die Fahrer-App entspricht den geltenden Datenschutzbestimmungen und die ermittelten Daten - wie Zeiten und Orte - sind unerlässlich, damit der Lieferservice ordnungsgemäß funktioniert. Zum Beispiel, um Fahrern Bestellungen zuzuweisen, und für die Food-Tracker-Funktion, mit der Restaurants und Konsumenten den Status ihrer Bestellung prüfen können." Die Daten würden nicht für unerlaubte Leistungs- oder Verhaltenskontrolle genutzt und Lieferando informiere seine Fahrer, wie und zu welchem Zweck die Daten genutzt werden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Anti-Virus
John McAfee tot im Gefängnis aufgefunden

John McAfee ist tot in einer Gefängniszelle gefunden worden. Ihm drohte eine Auslieferung von Spanien in die USA.

Anti-Virus: John McAfee tot im Gefängnis aufgefunden
Artikel
  1. Verbraucherzentrale zu Glasfaser: 100 bis 300 MBit/s sind vollkommen ausreichend
    Verbraucherzentrale zu Glasfaser
    "100 bis 300 MBit/s sind vollkommen ausreichend"

    Während alle versuchen, den Glasfaser-Ausbau zu beschleunigen, raten Verbraucherschützer, nicht für Tarife mit sehr hoher Bandbreite zu zahlen, die man angeblich gar nicht benötige.

  2. In eigener Sache: Wie geht es IT-Fachleuten nach über einem Jahr Corona?
    In eigener Sache
    Wie geht es IT-Fachleuten nach über einem Jahr Corona?

    Selten hat ein Ereignis die Arbeit so verändert wie Corona. Golem.de möchte von dir wissen, was das für dich bedeutet. Bitte nimm an der Umfrage teil - es dauert nicht lange!

  3. Bitcoin: Bitmain stoppt Verkauf von Krypto-Minern
    Bitcoin
    Bitmain stoppt Verkauf von Krypto-Minern

    Aufgrund des chinesischen Vorgehens gegen Kryptomining gibt es viele gebrauchte Bitcoin-Rigs auf dem Markt - deren größter Hersteller zieht Konsequenzen.

User_x 24. Mai 2021 / Themenstart

Weil du kaum noch wo Parken kannst zum Abholen. Das geht vielleicht auf dem Land, aber in...

niels_on 22. Mai 2021 / Themenstart

Bei ner Pizza ist Tracking noch verzichtbar. Bei der DHL deren Fahrer gerne mal wenige...

elknipso 22. Mai 2021 / Themenstart

Das handhabe ich ebenfalls so.

skinny_snowman 21. Mai 2021 / Themenstart

Ich denke, daß Lieferando hier die Routendaten aufhebt, hat natürlich auch das Ziel der...

berritorre 21. Mai 2021 / Themenstart

Das kann ich bestätigen. Als Student habe ich mich mal bei einem Pizzadienst als...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Dualsense Midnight Black + Ratchet & Clank Rift Apart 87,61€ • 6 Blu-rays für 30€ • Landwirtschafts-Simulator 22 jetzt vorbestellbar ab 39,99€ • MSI Optix MAG272CQR Curved WQHD 165Hz 309€ [Werbung]
    •  /