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Megabot gegen Kuratas, Kraft gegen Finesse

Ins Cockpit des amerikanischen Herausforderers passen zwei Piloten, dafür gibt es wohl aber weniger Hightech - weder Tracking des Gegners per Kamera noch Schießen per Lächeln scheinen möglich zu sein. Aber der Roboter ist schwerer und größer, bewegt sich wie eine Raupe vorwärts, hat links einen Pistolenarm mit Farbpatronen und eine Hand mit Kralle. Auf bedrohliche Weise wirkt er wie eine Kreuzung aus Panzer und dem Ungeheuer von Loch Ness. Vielleicht wird der Megabot Kuratas einfach überrollen.

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Wird die womöglich höhere Finesse des Roboters Kuratas ausreichen? "Sie muss", sagt Kogoro Kurata. Sicher sein kann er nicht. Der Schöpfer von Kuratas ist der Sohn eines Schmieds, er wuchs bei einem Vater auf, der Samuraischwerter und andere kunstvolle wie bedrohliche Stücke aus Metall herstellte. Bis heute hat der junge Mann kein Ingenieursstudium absolviert. "Ich hab' mir alles abgeguckt von anderen, meinem Vater zum Beispiel. Erfahrung ist der beste Lehrer." Immerhin hat Kurata mittlerweile einiges an Erfahrung. Im Jahr 2012 erfüllte er sich einen Traum, als sein Kampfroboter-Prototyp KR01 selbstständig stehen, seine Arme heben und zuschlagen konnte. Zwar war die übermenschliche Größe von KR01 beeindruckend. "Aber der nächste Schritt wäre doch, in das Ding einsteigen zu können." Aus einem Cockpit zu steuern, das wurde zum großen Projekt von Kogoro Kurata.

Science-Fiction wird Realität

Vorlage dazu waren selbstverständlich die bekannten Science-Fiction-Anime wie Gundam

Votoms

oder Transformers.

"Kuratas ist aber mehr wie AT Votoms, nicht so sehr wie MS Gundam", sagt sein Schöpfer. "Der entscheidende Unterschied ist, dass AT Votoms keinen ausgebildeten Piloten braucht. Das ist ein Roboter, den jeder steuern kann." Und damit erfüllt er - wie auch seine Widersacher aus den USA - einen Traum von etlichen Anime-Liebhabern von Storys um Cyborgs, Mutanten und Robotern: Die Traumwelt wird ins Reale übertragen.

Dass dies gerade in Japan zuerst geschah, ist nicht verwunderlich. Neben Deutschland, das auf dem Gebiet der Industrierobotik stark ist, führen Japan und die USA das Feld im Bau intelligenter Maschinen an. Japan ist besonders gut darin, Humanoide zu bauen. In Krankenhäusern in Fukushima wird etwa derzeit Terapio getestet, ein per Trackingfunktion automatisch rollender Wagen, der Ärzte auf der Visite begleitet. In Osaka baut der Ingenieur Hiroshi Ishiguro an einem Roboter, den er Geminoid nennt, abgeleitet von Geminus, lateinisch für Zwilling. Der erste Prototyp war ein Abbild seines Schöpfers. Ishiguro will so auch testen, wie ähnlich eine Kreatur dem Menschen sein muss, damit Menschen sie nicht unheimlich finden.

Dass Roboter grundsätzlich nicht gruselig sein müssen, das versteht man in Japan aber längst. In Tokios eng bevölkertem Stadtteil Shinjuku gibt es etwa ein Robot-Restaurant, in dem abendlich eine Robotershow gemacht wird, deren Darstellerinnen eher wie menschliche Hostessen aussehen. Die Faszination und der oft spielerische Umgang mit Robotern, das ist nicht nur ein Forschungs-, Technik- oder teures Vergnügungsphänomen, auch nicht erst seit kurzem. Roboter mit menschlichen Eigenschaften haben einen frühen Ursprung in Japan. Er beginnt wahrscheinlich mit den karakuri ningyou, mechanischen Puppen aus dem späten japanischen Mittelalter vor dreieinhalb Jahrhunderten.

Ein paar Hundert Jahre später lassen sich die Weiterentwicklungen solcher Maschinen also von innen steuern und können so gegeneinander kämpfen. Womöglich werden Roboterkämpfe bald ein TV-Spektakel, ähnlich wie Nascar, Wrestling oder einst Monstertrucks. Und doch wären solche Schlachten ganz anders als diese älteren Unterhaltungsmodelle, die von herkömmlichen Autos und echten Kämpfen abstammen, von Dingen also, die es vorher schon im echten Leben gab.

Die kämpfenden Roboter aber verorten ihren Ursprung eher in der virtuellen Sphäre und haben es nun in die physische Realität geschafft. Es handelt sich also nicht um eine Spielzeugwerdung von realen Dingen, sondern um die Realwerdung der wildesten Vorstellungswelten - doch eins fehlt noch: Der Kampf zwischen Kuratas und Megabot wurde nicht live übertragen. Erst später soll eine Aufzeichnung veröffentlicht werden. Die Kontrahenten haben wohl Angst vor der eigenen Courage, fürchten, dass einer der beiden am Ende doch schwächlich aussehen könnte. Anders als der Gundam-Gigant vor dem Shoppingcenter in Tokio, der seine Stärke nie unter Beweis stellen muss.

Nachtrag vom 5. Oktober 2017, 15 Uhr

In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Kampf werde noch stattfinden. Am 30. September schrieben die beiden Megabot-Entwickler auf Facebook, sie seien "zurück vom Duell" und "noch am Leben". Ein Video des Kampfes solle in Kürze veröffentlicht werden. Wir haben den Text entsprechend angepasst.

Nachtrag vom 18. Oktober 2017, 8:08 Uhr

Das Video des Kampfes ist in der Nacht veröffentlicht worden, wir haben es im Artikel nachgefügt.

 Science-Fiction wird real: Kampf der Robotergiganten
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mv1704 22. Okt 2017

Wie krank muss man in der Birne eigentlich sein, um Unmengen an Zeit und Ressourcen in...

Raistlin 19. Okt 2017

Ja ich hatte auch das Gefühl das die Menschen im Roboter das ganze gebremst haben. Aber...

Raistlin 19. Okt 2017

Leider muss ich dir zustimmen. Aber ich denke wenn ein grobes Regelwerk steht dann könnte...

Der Held vom... 19. Okt 2017

Immer wahlweise mit Korruption, Inkompetenz oder Gleichgültigkeit, wenn in der Frage...

AndyFX 18. Okt 2017

Cool... Mein erster Gedanke dazu: https://m.youtube.com/watch?v=hiMxsfIRua8 :)


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