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Science Fiction trifft Realität: Der Held als Autokrat

Tech-Milliardäre lesen Science Fiction als Bauplan für die Zukunft – eine, in der nur Superreiche profitieren.
/ Jennifer Stange
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"Don't Panic" steht auf dem Tesla Roadster, den Elon Musk 2018 ins All geschossen hat. (Bild: SpaceX via Getty Images)
"Don't Panic" steht auf dem Tesla Roadster, den Elon Musk 2018 ins All geschossen hat. Bild: SpaceX via Getty Images
Inhalt
  1. Science Fiction trifft Realität: Der Held als Autokrat
  2. Fortschrittsglaube und technologischer Größenwahn
  3. Eine Zukunft ohne Mangel dank Technologie – für manche
  4. Marktlibertäre Zukunftsvisionen
  5. Unendliche Freiheit im Weltraum
  6. Eine Gesellschaft ohne politische Regulierung auf dem Mars
  7. Grenzenlose Expansion als Zukunftsziel
  8. Techmilliardäre stehen hinter Donald Trump

Rechtslibertäre Science-Fiction-Visionen hatten lange nicht die Strahlkraft progressiver Utopien – doch heute dienen sie Tech-Milliardären wie Elon Musk und Peter Thiel als Blaupause für die Zukunft. Warum ist es offenbar leichter, sich das Ende der Erde und die Flucht ins Weltall vorzustellen als das Ende des Kapitalismus?

Isaac Asimovs Roman Foundation(öffnet im neuen Fenster) beschreibt eine Welt, in der eine kleine Elite, gestützt auf mathematische Berechnungen, die Menschheit durch eine Phase des Zusammenbruchs führen soll. Die Idee: Eine neue Ordnung kann nicht durch demokratische Prozesse entstehen, sondern durch kluge Steuerung im Hintergrund. Musk hat mehrfach betont, dass er sich als eine Art Hari Seldon sieht – jemand, der die kommenden Krisen erkennt und rechtzeitig die Weichen stellt. Seine Marskolonie ist für ihn kein Abenteuerprojekt, sondern ein Rettungsplan für die Menschheit.

Doch Foundation ist nicht die einzige Science-Fiction-Erzählung, die heutige Tech-Milliardäre prägt. Viele ihrer Visionen stammen aus einer bestimmten Art von Science Fiction: libertären oder techno-oligarchischen Zukunftsentwürfen, die lange Zeit in der Popkultur nicht die Strahlkraft hatten, die sie heute besitzen. Während Science Fiction oft mit progressiven Utopien assoziiert wurde – mit Zukunftsentwürfen, in denen Gleichheit, Kooperation oder der ökologische Umbau der Erde im Mittelpunkt standen – setzen sich in der Gegenwart immer stärker rechte, marktlibertäre Zukunftsvisionen durch.

Die Erde ist verloren

Die Erde wird nicht mehr als Ort gedacht, den es zu erhalten gilt, sondern als ein durch menschliches Fehlverhalten bereits verloren geglaubter Planet. Die Zukunft, die Musk, Thiel oder Bezos imaginieren, ist nicht eine postkapitalistische Gesellschaft, sondern eine Zukunft, in der jene, die es sich leisten können, sich dem Kollaps einfach entziehen.

Irgendwo zwischen Erde und Mars zieht ein Gebrauchtwagen seine Kreise um die Sonne. Es ist Elon Musks kirschroter Tesla Roadster. Mit der ersten erfolgreich gestarteten Schwerlastrakete von SpaceX wurde das Auto 2018 ins Weltall gebracht. Ein technologischer Durchbruch für Musks Unternehmen und Symbol für eine Zukunft, in der Privatunternehmen eine führende Rolle in der Raumfahrt spielen.

Der Sichtkontakt ist längst abgebrochen, die letzten Fotos entstanden kurz nachdem der Roadster seine Umlaufbahn erreicht hatte: Verdeck offen, eine Puppe im Raumanzug am Steuer, Ellenbogen raus, Hand am Außenblech. Auf dem Display der Mittelkonsole steht: "Don't panic!(öffnet im neuen Fenster)".

Von Douglas Adams bis Isaak Asimov

Keine Panik – das ist natürlich ein Witz. Denn da draußen ist es ist sehr kalt, es ist dunkel, es fehlt die Luft zum Atmen und die Strahlung ist auf Dauer ganz sicher tödlich. Das trifft aber noch nicht ganz den geekigen Humor von Elon Musk. "Don't panic!" Er dachte sich wohl, dass nicht alle das gleich verstünden und sicherheitshalber im Handschuhfach des Roadsters eine Ausgabe von Douglas Adams' Per Anhalter durch die Galaxis hinterlegt. Und natürlich: ein Handtuch.

Das Essential für Weltraumreisende. Sie sollten es immer bei sich haben. So steht es im intergalaktischen Reiseführer, um den es in Per Anhalter durch die Galaxis, der Sci-Fi-Satire von Douglas Adams, geht. Auf dessen Umschlag nämlich steht ganz groß "Don't panic!". Wozu aber das Handtuch? Das erklärt der britische Science-Fiction-Autor an keiner Stelle. Unklar bleibt, was Musk uns damit über seine Weltraumambitionen sagen will.


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