Techmilliardäre stehen hinter Donald Trump
Und dann stehen sie einträchtig hinter Donald Trump, der ebenfalls glaubt, dass das Schicksal der Vereinigten Staaten in den Sternen liegt. Er weitet damit die Ideologie des Manifest Destiny(öffnet im neuen Fenster) aus, eine Ideologie aus dem 19. Jahrhundert, wonach die amerikanische Nation das gottgewollte Schicksal habe, sich über den gesamten nordamerikanischen Kontinent auszudehnen, nicht nur auf Grönland, Kanada, Panama, sondern nun gleich in den ganzen Weltraum. Am Ende seiner ersten Amtszeit feierte Trump sich für die Gründung der US Space Force, der ersten offiziellen militärischen Weltraumtruppe der Welt, als Maßnahme, um die USA in der neuen "Kriegsdomäne" Weltall zu verteidigen.
Was klingt wie eine Szene aus dem Science-Fiction-Film Starship Troopers, kommt der Grundidee des Autors Robert Heinlein, der 1959 das dem Film zugrundeliegende Buch(öffnet im neuen Fenster) schrieb, tatsächlich ziemlich nahe. Heinlein, ein Vordenker der libertären Science-Fiction-Literatur, imaginierte eine Zukunft, in der Bürgerrechte durch militärische oder gesellschaftliche Leistungen erworben werden und allein die persönliche Verantwortung zählt.
Politische Fragen bleiben unbeantwortet
Diese Vision von Verantwortung, Egoismus und unternehmerischer Freiheit, gepaart mit einer fast technokratischen Gesellschaftsordnung, hat ihn zu einer Schlüsselfigur für viele Tech-Unternehmer gemacht, die heute die Raumfahrtindustrie prägen. Nach ihm ist der Heinlein Prize for Advances in Space Commercialisation(öffnet im neuen Fenster) benannt, mit dem Musk und Bezos bereits für ihre Visionen und Geschäftstüchtigkeit geehrt wurden. Die Auszeichnung wird mit einer Replik eines Schwertes überreicht – ein Symbol, das an Heinleins Roman Glory Road erinnert und, wenn auch nur symbolisch, das passende Besteck für den intergalaktischen Wettbewerb darstellt.
Und dieser Wettbewerb scheint schon in vollem Gange. Auch wenn kein Business-Plan, kein TED Talk, kein Image-Film der Tech-Milliardäre und Start-up-Gründer Antworten auf die ganz einfachen, für uns aber existenziellen Fragen gibt: Wie viele irdische Ressourcen sollten wir denn noch für Raketenstarts, Infrastruktur oder die Entwicklungen von Weltraumtechnologien verbrauchen, um am Ende einer völlig abgewirtschafteten Erde und gewissermaßen uns selbst zu entkommen?
Auf diese letztlich politischen Fragen gibt es von den Hauptakteuren keine Antworten. Vielleicht sollten wir sie stattdessen geben.
Die Philosophin Hannah Arendt jedenfalls bemerkte 1958 in einem Brief an einen Freund anlässlich bevorstehender Expeditionen ins All lapidar: "Der Mond wird sich wohl belästigt fühlen". Sie spielte damit offenbar auf die menschliche Hybris an – die Vorstellung, wir könnten uns das Universum nach Belieben aneignen und es nach eigenen Vorstellungen gestalten. Der Mensch würde dann aber nicht nur den "Raum" verlieren, der ihm die Maßstäbe seiner Existenz setzt, glaubt Arendt, sondern auch den Raum, der die menschliche Identität und moralische Verantwortung prägt.
Der Verzicht auf diesen physischen und ethischen Raum würde zu einer Entfremdung führen, da wir Menschen ohne die Verbindung zur Erde und ihrer Geschichte die Grundlage unserer Handlungen und Verantwortung verlieren würden.
Jennifer Stange ist Journalistin und Feature-Autorin. In ihren Beiträgen setzt sie sich mit der Arbeitswelt, Fragen sozialer Gerechtigkeit und politischer Verantwortung von Unternehmen auseinander. Schon immer interessiert sie sich für Science Fiction und Zukunftsthemen, die an der Schnittstelle von Technologie, Ethik und Gesellschaft liegen.
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