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Eine Gesellschaft ohne politische Regulierung auf dem Mars

Sehr wichtig für Zubrin: Eine solche soll ganz ohne politische Regulierungen und Einschränkungen florieren. Der Rote Planet soll schließlich der Ort sein, an dem die Menschheit, und mit ihr unternehmerische Freiheit und Erfindungskraft endlich vom bürokratischen Korsett der Erde befreit werden. Das sei keine Utopie, sondern eine Herausforderung, sagt Zubrin. Die Marsbewohner müssten wahrscheinlich zunächst unterirdisch autark leben von örtlichen Rohstoffen und selbst produzierten Nahrungsmitteln und Sauerstoff.

Doch bevor es losgeht, müsse der Mars eben "terraformt" werden, also die Atmosphäre und Umwelt des Planenten müssten so umgestaltet werden, dass Leben, wie wir es kennen, dort vielleicht möglich wird. Musk bringt dafür immer wieder eine Idee ins Spiel: Er schlägt vor, ein paar Atombomben auf den Mars abzufeuern, um so CO2; aus den Polkappen freizusetzen.

Mars-Erwärmung mit Treibhauseffekt

Der dadurch ausgelöste Treibhauseffekt würde den Planeten aufwärmen. Elon Musk goss die Bombardierung des Mars mit Atomwaffen in den Techno-Slogan "Nuke Mars" und ließ sogar T-Shirts damit bedrucken, die im SpaceX-Shop zu kaufen waren. Die Idee stammt übrigens von keinem anderen als von Robert Zubrin.

Ob damit wirklich eine lebenswerte Atmosphäre entsteht oder wie Menschen – selbst, wenn sie entsteht – mit der starken Strahlung zurechtkommen, solche Fragen werden nur noch als grundsätzlich lösbare technische Probleme behandelt. Und die Hybris dieses rechtslibertären Mindsets verlangt es, dass gerade unter Krisen- und Extrembedingungen Wettbewerb, Privateigentum und individuelle Leistungsfähigkeit den Ausschlag geben. Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Teilhabe sind dagegen sekundär.

Die Reichen und Mächtigen profitieren

In der Science-Fiction-Literatur warnten die düstersten Erzählungen des Cyberpunks genau vor solchen Verhältnissen. Etwa William Gibson in seinem Roman Neuromancer Anfang der 1980 Jahre. "High Tech, Low Life" – so lautet nämlich das Credo der Cyberpunks. Die Technologie schreitet rasant voran, Armut, soziale Ungleichheit und Entfremdung bleiben aber bestehen – oder verschärfen sich sogar.

Die Cyberpunks zeigen: In dieser dystopischen Welt profitieren die Reichen und Mächtigen von Technologie, während große Teile der Gesellschaft entweder ausgebeutet oder überflüssig werden. Technologische Entwicklung bedeutet hier eben nicht Befreiung, sondern Überwachung und Kontrolle.

Es herrschen Korruption, Machtmissbrauch und soziale Entfremdung. Statt Helden stehen in diesem Genre Außenseiter im Zentrum – Hacker, Rebellen, Überlebenskünstler. Doch diese Warnungen entfernen Science-Fiction-begeisterte Tech-Milliardäre nicht von ihren libertär-autokratischem Mindsets, nicht einmal dann, wenn sie die Autoren kennen- und schätzen gelernt haben. Im Gegenteil.

Neal Stephenson ist so ein Autor. In seinem Roman Snow Crash griff er 1992 noch die zentralen Themen des Cyberpunks auf, verlagerte sie jedoch nicht in den Weltraum, sondern auf die Erde. Nationalstaaten spielen in der Zukunft keine Rolle mehr – Konzerne, Tech-Start-ups und mafiöse Franchise-Systeme haben die Macht übernommen. Es ist die Blaupause für die Entwicklung, die den Tech-Milliardären vorschwebt.


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