Unendliche Freiheit im Weltraum
Währenddessen stößt die Zivilisation auf der Erde an ihre Grenzen. Die Ressourcen unseres Planeten gehen zur Neige. "Worauf warten wir also noch?", scheint uns Bezos zu fragen. Ohne technologische und räumliche Expansion, davon ist der Tech-Milliardär überzeugt, könne die menschliche Zivilisation nicht mehr voranschreiten, wirtschaftliches Wachstum und technologische Innovation würden zum Stillstand kommen und das sei der Anfang vom Ende menschlicher Entwicklung. Der Weltraum hingegen biete unendlich viel Platz und unbegrenzt Ressourcen. Und Freiheit. Unendliche Freiheit.
Bezos Plan ist: Ein paar Millionen Erdbewohnerinnen und -bewohner sollen ins Weltall übersiedeln und dort in erdnahen rotierenden Raumstationen wohnen. Noch in diesem Jahrzehnt soll mit Orbital Reef die erste kommerzielle Raumstation, ein "Gewerbepark mit gemischter Nutzung" im Erdorbit platziert werden. Nach und nach könne dann die gesamte Schwerindustrie und schmutzige Energiegewinnung ins All verlagert werden. Genau das, sagt Bezos, werde er tun, um diesen Planeten vor dem Schlimmsten zu bewahren.
Die Erde könne dann zu einer Art Nationalpark umgewidmet werden, sich zum reinen Ort der Erholung entwickeln. Schon 1982 entwarf Bezos dieses Szenario in einer Rede als Abschlussbester seiner High School. Damals wurde er ausgelacht. Doch es war ihm ernst und heute hat er sein gesamtes Unternehmen Blue Origin um diese Zukunftsvisionen gebaut.
Den Weltraum kolonisieren – mit Sci-Fi-Inspiration
Eine der wesentlichen Inspirationsquellen für Bezos ist dabei Gerald O'Neills 1976 veröffentlichtes Buch The High Frontier: Human Colonies in Space(öffnet im neuen Fenster). Hier finden sich erste detaillierten Berechnungen für zylindrischen Habitate, die Millionen von Menschen beherbergen sollen. Und hier geht es um Science, nicht um Fiction.
Immerhin war O'Neill Professor an der amerikanischen Elite-Universität Princeton. Seine Berechnungen galten seinerzeit als "plausibel, aber nicht wahrscheinlich", doch sowohl seine Kühnheit als auch die spekulative Natur seiner Ideen verblüffte und begeisterte seine Leserinnen und Leser. Während O'Neill Physik lehrte, machte Bezos dort seinen Bachelor in Informatik und Elektrotechnik. Die Begegnung der beiden Männer war also eher informell, doch Bezos bezeichnet sich heute selbst gerne als eines von "Gerry's Kids" – eine halb ironische, halb stolze Selbstbezeichnung der Anhänger O'Neills, für die es keine größere Frage gibt als diese: Wie verlagern wir die Zivilisation ins All und erhalten die Erde als ein Feriendomizil?
Vorbereitungen für den "Doomsday"
Auch für Elon Musk ist das Ende des blauen Planeten, wie wir ihn kennen, in Sichtweite. Er plant für den "Doomsday" – den Tag, an dem uns die Erde auf die ein oder andere Art um die Ohren fliegt. Über seine detaillierten Pläne für eine Marskolonie berichtete 2024 die New York Times(öffnet im neuen Fenster). Auch darüber, dass Musk sich bereits Sperma abgezapft und eingefroren hat – als "Geschenk" für die zukünftige Marsbevölkerung.
Es sei wichtig, eine zweite Quelle menschlicher Zivilisation an einem anderen Ort zu sichern – idealerweise auf dem Mars, einem Planeten, der ausreichend weit von der Erde entfernt ist, um eine autarke menschliche Population zu ermöglichen, nicht in erdnahen Raumkapseln, sondern weit davon entfernt.
Musk lässt sich dabei von Robert Zubrin(öffnet im neuen Fenster) inspirieren, einem Raumfahrtingenieur und Gründer der Mars Society, der – ähnlich wie O'Neill – im Grenzbereich von Forschung und Science-Fiction operiert. In seinem 1996 erschienenen Buch The Case for Mars(öffnet im neuen Fenster) kombinierte Zubrin detaillierte technische Überlegungen zur Bewohnbarkeit des Mars mit seinen Vorstellungen einer guten Gesellschaft.
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