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Science-Fiction-Serie Concordia: Keine Sorge, die KI passt auf euch auf

Ist absolute Sicherheit erstrebenswert, wenn dafür jedwede Privatsphäre flöten geht? Für die Einwohner von Concordia offenbar schon.
/ Peter Osteried
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Die Stadt der Zukunft, frei von Verbrechen, aber auch frei von Freiheiten. (Bild: ZDF)
Die Stadt der Zukunft, frei von Verbrechen, aber auch frei von Freiheiten. Bild: ZDF

Eine soziale Utopie, eine Stadt, in der dank lückenloser Überwachung ein Leben frei von Ängsten und Gefahren möglich ist – darum geht es in der neuen Serie Concordia – Tödliche Utopie(öffnet im neuen Fenster) , die am 14. September in der ZDF-Mediathek und am 20. September im Fernsehen startet. In den sechs Folgen wird gekonnt eine spannende Geschichte von einer Zukunft erzählt, die strahlend und leuchtend erscheint, aber in der nicht alles ist, wie gedacht.

Die in Schweden liegende Stadt Concordia entstand vor 20 Jahren, nach einem Amoklauf an einer Schule. Concordia ist eine Stadt der totalen Überwachung, überall sind Kameras, auch in den Wohnungen.

Eine KI überwacht alles, "richtiges" Verhalten wird dadurch praktisch notwendig, denn wenn die KI Ungewöhnliches erkennt, erfolgt die Überprüfung. Der Preis für die absolute Sicherheit sind extreme Transparenz und der Verlust der Freiheit.

Dass viele bereit sind, diesen Preis zu zahlen, macht die Serie gerade in Zeiten, da wieder verstärkt über die innere Sicherheit gesprochen wird(öffnet im neuen Fenster) aktueller denn je. Die Serie spielt mit der Frage, was die Gesellschaft als Ganzes für ihr Sicherheitsgefühl zu geben bereit ist.

Der erste Mord

20 Jahre lang ist in Concordia nichts passiert, dann gibt es jedoch einen Mord. Ein junger Mann wurde erschossen. Er arbeitete im Zentrum von Concordia und hatte direkt mit der KI zu tun.

Könnte das ein Grund sein, wieso er ermordet wurde? Eine Polizistin ermittelt und findet heraus, dass der junge Mann Geheimnisse hatte, aber auch, dass es eine Organisation namens The Faceless gibt, für die Concordia der ultimative Albtraum ist.

Hat The Faceless etwas mit dem Mord zu tun? Wollen sie verhindern, dass in Sachsen eine weitere Stadt dem Modellprojekt von Concordia folgt und mit voller KI-Überwachung für Sicherheit sorgt?

Eine kalte Stadt in warmen Farben

Concordia – Tödliche Utopie ist ein Krimi, der mit faszinierenden Gedankenspielen und Fragen aufwartet. Denn es geht auch darum, wie sehr sich der Mensch auf die Technologie verlassen kann. Oder anders ausgedrückt: Ist die Schwachstelle jeder Technologie nicht der Mensch, der sie bedient?

Diese Frage ist ein essenzielles Element der Serie. Die Technologie mag makellos funktionieren, aber die Motivation der Stadtgründer könnte fragwürdig sein. Außerdem könnte es Menschen geben, die die technischen Möglichkeiten missbrauchen wollen. In einer Stadt, in der jeder Moment von Kameras beobachtet und aufgezeichnet wird, besteht auch die Gefahr, dass mit den dadurch erlangten Informationen Schindluder betrieben wird.

Der richtige Look

Interessant ist dabei, dass eine Welt der totalen Überwachung in der Science-Fiction zumeist kalt dargestellt wird – mit blauen und grauen Farbtönen. Das war auch Regisseurin Barbara Eder bewusst, die genau den anderen Weg gehen wollte.

"Unser Concordia besteht aus warmen Farben und nahbaren Menschen, die sich durch die Stadt bewegen," sagt Eder. "Die Kamera blickt nicht auf die Stadt, sondern gleitet durch sie hindurch und erlebt sie mit den Protagonisten, wobei jegliche Distanz aufgehoben wird, um keine futuristische Utopie zu schaffen, sondern eine Welt, die tatsächlich in der Gegenwart existieren könnte."

Was die Jugend denkt

Zugleich ist ihr bewusst, dass es um fundamentale Fragen geht. Die Serie ist dabei ambivalent genug, das Publikum sie ergründen zu lassen. Natürlich würden die meisten sich unwohl fühlen, wenn sie wissen, dass Kameras jeden Schritt überwachen – aber wann käme der Punkt, an dem man sie einfach vergisst? An dem diese Form des Lebens Normalität erlangt? Gäbe es ihn überhaupt?

Eine Frage ist natürlich, wer überhaupt in eine solche Stadt ziehen würde. Hier sind es Menschen, die frei von Gefahren oder Ängsten leben wollen und bereit sind, dafür ein Stück Freiheit aufzugeben. Diejenigen, die gefährlich wären, würden hier wohl gar nicht wohnen wollen.

Die freie Überwachungsstadt

Es ist das Paradoxe der Serie, dass hier eine Welt der totalen Überwachung präsentiert wird, die Figuren damit aber locker umgehen, weil sie sie in ihrem Leben nicht tangiert, getreu dem Motto ''Ich habe nichts zu verbergen''.(öffnet im neuen Fenster)

Die Serie hätte hier noch etwas mehr in die Tiefe gehen können, da jedermann Geheimnisse hat. Diese lägen aber offen, wenn eine KI – und dann erweitert ein Mensch, der die KI-Erkenntnisse überprüft – einen Blick ins Innere einer Wohnung wirft, auf das, was die Menschen dort tun.

Die Krimi-Geschichte von Concordia – Tödliche Utopie ist gut, vor allem aber ist es das Gedankenkonstrukt, das nachwirkt. Denn wie die beste Science-Fiction schafft es auch diese Serie, große Fragen aufzuwerfen und Diskussionen anzuregen.

Ein Thementag

Wer tiefer in die Materie eintauchen will, für den halten ZDF und 3sat einige Dokumentationen unter dem Schwerpunkt "KI – die neue Realität?" parat, die auch über die Mediatheken abrufbar sind.

KI-Revolution – Der Aufstieg der Maschinen (ab 10. September 2024, 5.00 Uhr, in der ZDF-Mediathek) erkundet, wie KI bei akuten Herausforderungen wie dem Klimawandel helfen kann, die Dokumentation Der Preis der Sicherheit – Wie real ist die KI-Welt von Concordia? (ab 14. September 2024, 10.00 Uhr, in der ZDF-Mediathek) fühlt der Serie auf den Zahn.

Plan b: Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft – Gegen den Hunger in der Welt (ab 14. September 2024, 10.00 Uhr, in der ZDF-Mediathek) befasst sich mit Chancen und Grenzen des KI-Einsatzes bei der Lebensmittelproduktion. Das Wissenschaftsmagazin Nano zeigt den Journalisten Eric Mayer im KI-Selbstversuch (ab 14. September 2024, 10.00 Uhr, in der 3sat- und in der ZDF-Mediathek).

37° setzt sich mit KI in der Trauerbewältigung auseinander (ab 16. September 2024 in der ZDF-Mediathek). Wie KI uns überwacht, fragt Harald Lesch in Terra X (ab Samstag, 14. September 2024, in der ZDF-Mediathek) und die 3sat-Dokumentation Künstliche Musik – Die KI-Revolution im Pop (in der 3sat-Mediathek) beleuchtet die Auswirkungen auf die Musikindustrie.

Übrigens hat das ZDF auch eine Umfrage unter 1.000 jungen Erwachsenen zum Thema KI machen lassen. Auf die Frage "Wärst Du bereit, Dich komplett von einer KI überwachen zu lassen, wenn Du im Gegenzug persönliche Sicherheit und Datenschutz garantiert bekommst?" stimmten 35,8 Prozent der Befragten eher oder sogar ganz zu. Die Welt von Concordia – Tödliche Utopie scheint näher als gedacht.


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