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Science-Fiction-Film In Vitro: Wem kann man trauen, wenn jeder kopiert werden kann?

Starke Stimmung und eine beinah große Story: Bei In Vitro klonen eine Frau und ihr Mann erst Kühe, dann steht sie vor ihrem eigenen Klon.
/ Peter Osteried
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Ein alles anderes als glückliches Ehepaar in In Vitro - Das Klon-Experiment (Bild: Plaion Pictures)
Ein alles anderes als glückliches Ehepaar in In Vitro - Das Klon-Experiment Bild: Plaion Pictures

Manchmal ist eine Idee besser als die Umsetzung. Eigentlich kommt das sogar recht häufig vor. Bei In Vitro, der am 11. Dezember 2025 auf DVD und Blu-ray erscheint, gilt das in gewisser Weise auch, aber nicht vollumfänglich.

Ja, die Prämisse verspricht ein bisschen mehr, als der Film zu liefern vermag. Dann wiederum hat er aber auch ein paar interessante Ideen, die über die Sci-Fi-Thematik hinausgehen und ein moralisches Dilemma in den Fokus rücken.

In der Weite Australiens

Die Geschichte: In der nahen Zukunft betreiben Layla und Jack eine Farm, auf der sie Kühe klonen. Es ist ein Prozess, der zwei Wochen in Anspruch nimmt und nicht immer erfolgreich endet. Eines Nachts hört Layla etwas und sieht sich um. Was sie findet, erschreckt sie zutiefst. Denn Jack hat einen Klon von ihr hergestellt. Als sie ihn damit konfrontiert, liefert er eine plausibel klingende Erklärung.

Aber ihr Klon hat eine andere Erklärung. Mehr noch: Die zweite Layla warnt die erste davor, dass ihr Mann etwas verbirgt.

Stimmungsvoll

Die Drehorte im australischen Cooma in New South Wales bieten den eindrucksvollen Hintergrund für den Film. Dass er in der nahen Zukunft spielt, zeigen nur wenige Details, etwa ein futuristisch anmutendes Gewehr.

Die Stimmung hingegen ist fast schon apokalyptisch, nicht unähnlich dem Streamingfilm Foe. In beiden Filmen geht es um ein Paar, scheinbar am Ende der Welt. Die beiden Filme entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen, das Flair ist jedoch dasselbe.

In Vitro ist dabei deutlich mehr Sci-Fi-Film, und das nicht nur, weil Zukunftstechnologie gezeigt wird. Vielmehr wird sie als Katalysator genutzt, um die menschliche Natur in den Fokus zu rücken. Die beste Science-Fiction sagt immer viel mehr über den Menschen selbst als über andere Welten und Außerirdische.

Laufzeit: 90 Minuten, gefühlt: über 120

Es wird am Ende eine Erklärung geben, warum Jack seine Frau geklont hat. Das Reizvolle ist aber nicht das schiere Warum, sondern wie gut man sich als Zuschauer mit den Figuren identifizieren kann. Weil man den Mann, den Täter, den Antagonisten in dieser Geschichte verstehen kann und auch das spätere Verhalten seiner Frau. Beide erliegen der Versuchung, ihre Welt neu zu definieren, selbst wenn sie auf radikale Methoden zurückgreifen müssen.

Das ist der Kern und das Spannende an In Vitro. Allerdings dauert es recht lange, bis die eigentliche Geschichte in Gang gesetzt ist. Der Film droht, das Interesse seines Publikums zu verlieren, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Immer wieder gibt es diesen Wechsel aus Szenen, die mitreißen (einschließlich einer Kracher-Szene am Ende, die einen wirklich unvorbereitet trifft), und solchen, in denen alles vor sich hin plätschert.

Obwohl der Film keine 90 Minuten Laufzeit hat, zieht er sich. Gefühlt geht er weit über zwei Stunden.

Dabei stellt sich immer wieder der Eindruck ein, dass mehr drin gewesen wäre. Der Film hätte das Potenzial gehabt, in seiner Aussage und Wirkung groß zu werden, so jedoch mutet er an wie eine etwas actionreichere Version des Sci-Fi-Films Womb – nur mit dem Unterschied, dass er in Hinblick auf den Menschen und dem, was er tut, um glücklich zu werden, weniger profund erscheint.

In Vitro ist all seiner Schwächen zum Trotz nicht uninteressant. Im Grunde möchte man ihn von vorne bis hinten mögen, aber es gelingt nicht. Passagenweise ist er gut bis sehr gut, insgesamt aber höchstens Durchschnitt.

Dabei bietet gerade das Thema des Klonens so viel erzählerisches Potenzial. Das wird hier zu oft liegen gelassen. Das ist bedauerlich, denn ein Science-Fiction-Film wie dieser, dessen Fundament ein sehr realistisches ist, müsste mehr können.


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