Laufzeit: 90 Minuten, gefühlt: über 120
Es wird am Ende eine Erklärung geben, warum Jack seine Frau geklont hat. Das Reizvolle ist aber nicht das schiere Warum, sondern wie gut man sich als Zuschauer mit den Figuren identifizieren kann. Weil man den Mann, den Täter, den Antagonisten in dieser Geschichte verstehen kann und auch das spätere Verhalten seiner Frau. Beide erliegen der Versuchung, ihre Welt neu zu definieren, selbst wenn sie auf radikale Methoden zurückgreifen müssen.
Das ist der Kern und das Spannende an In Vitro. Allerdings dauert es recht lange, bis die eigentliche Geschichte in Gang gesetzt ist. Der Film droht, das Interesse seines Publikums zu verlieren, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Immer wieder gibt es diesen Wechsel aus Szenen, die mitreißen (einschließlich einer Kracher-Szene am Ende, die einen wirklich unvorbereitet trifft), und solchen, in denen alles vor sich hin plätschert.
Obwohl der Film keine 90 Minuten Laufzeit hat, zieht er sich. Gefühlt geht er weit über zwei Stunden.
Dabei stellt sich immer wieder der Eindruck ein, dass mehr drin gewesen wäre. Der Film hätte das Potenzial gehabt, in seiner Aussage und Wirkung groß zu werden, so jedoch mutet er an wie eine etwas actionreichere Version des Sci-Fi-Films Womb – nur mit dem Unterschied, dass er in Hinblick auf den Menschen und dem, was er tut, um glücklich zu werden, weniger profund erscheint.
In Vitro ist all seiner Schwächen zum Trotz nicht uninteressant. Im Grunde möchte man ihn von vorne bis hinten mögen, aber es gelingt nicht. Passagenweise ist er gut bis sehr gut, insgesamt aber höchstens Durchschnitt.
Dabei bietet gerade das Thema des Klonens so viel erzählerisches Potenzial. Das wird hier zu oft liegen gelassen. Das ist bedauerlich, denn ein Science-Fiction-Film wie dieser, dessen Fundament ein sehr realistisches ist, müsste mehr können.



