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Science-Fiction-Film A Million Days: Kammerspiel mit KI

In dem sehenswerten Film A Million Days soll eine KI die Menschheit retten. Schnell stellt sich aber die Frage, ob sie im Interesse jener arbeitet, die sie entwickelt haben – oder dagegen.
/ Peter Osteried
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Ein Sci-Fi-Kammerspiel mit großen Ideen (Bild: Meteor Film)
Ein Sci-Fi-Kammerspiel mit großen Ideen Bild: Meteor Film

A Million Days ist ein kleiner, aber durchaus interessanter Film – und ein gutes Beispiel dafür, wie ein kleines Budget durch ein starkes Skript mehr als ausgeglichen werden kann. Große Science-Fiction im visuellen Sinn darf man natürlich nicht erwarten, A Million Days ist im Kern ein Kammerspiel, das die Zuschauer mit großen Ideen, vor allem aber auch Diskussionsstoff überzeugt, ähnlich wie Coherence . A Million Days, eine britische Produktion aus dem Jahr 2023, debütiert am 2. Mai auf DVD und Blu-ray.

Im Jahr 2041 hat die Menschheit akzeptiert, dass der ökologische Kollaps nicht mehr vermeidbar ist. Auf der Erde hat die Menschheit keine Zukunft, weswegen das Seed-Programm ins Leben gerufen wird, das die Besiedlung anderer Welten angehen soll.

Mithilfe der künstlichen Intelligenz JAY soll das Überleben der Menschheit gesichert werden – mit einer ersten Mondkolonie. Aber am Abend vor Beginn der Mission wird Missionsleiter Anderson von seiner Assistentin Charlie aufgesucht.

Sie hat eine schlechte Nachricht: Ihr ist aufgefallen, dass JAY sie mit einer solchen Menge von Informationen überhäuft hat – und Charlie kann nicht mehr erkennen, wie JAY zu seinen Ergebnissen kommt. JAY hat einen Kurs nach Alpha Centauri berechnet, eine Reise von einer Million Tagen – das sind gut 2.500 Jahre. Aber was bezweckt JAY?

In der Nacht vor Missionsstart müssen Anderson, Charlie und die JAY-Entwicklerin Sam herausfinden, wie weit sie den Simulationen von JAY trauen können. Oder ob JAY eine andere Mission verfolgt als die Rettung der Menschheit.

Zwei Sets

A Million Days spielt praktisch nur in zwei Sets. Aufgelockert wird das mit einigen wenigen visuellen Effekten eines Raumschiffs. Am Anfang gibt es eine Exposition mit ein paar Aufnahmen, die den ökologischen Kollaps illustrieren sollen.

A Million Days ist ein extrem zurückhaltender Film. Er ist ein Kammerspiel, das dazu einlädt, mitzufiebern – und dem das Kunststück gelingt, zwar auf kleinem Raum zu erzählen, aber das im Rahmen einer extrem großen Narrativen. Denn der Einsatz ist so hoch wie bei jedem Katastrophenfilm.

Man könnte A Million Days als Gegenthese zu einem Film wie The Wandering Earth II sehen. Während dieser Film auf FX und Bombast setzte, konzentriert sich die britische Produktion auf die dahinterstehenden Ideen.

Von Alan Moore zu A Million Days

Inszeniert wurde der Film von Mitch Jenkins, der ein gutes Gespür dafür hat, den Film wertig aussehen zu lassen: etwas düstere, aber stimmungsvolle Interieurs, in denen es visuell durchaus Abwechslung gibt.

Jenkins ist kein besonders bekannter Regisseur. Er hat Musikvideos, unter anderem für Fields of the Nephilim, und die Kurzfilme Act of Faith (2012), Jimmy's End (2012), Show Pieces (2014) und His Heavy Heart (2014) auf Basis von Drehbüchern des Comic-Autors Alan Moore(öffnet im neuen Fenster) (Watchmen, V wie Vendetta, From Hell) inszeniert. Sein erster Langfilm war 2020 The Show, der auch von Alan Moore geschrieben wurde. Auch diese Filme zeigten Jenkins' Vermögen, aus wenig sehr viel zu machen.

Der Film ist dabei sehr aktuell, nicht nur in Hinblick auf die logische Konsequenz einer nicht eingehegten Klimakrise, sondern auch auf KI und die Ängste der Menschen . Denn diese KI benutzt eine absolute Logik, die über das hinausgeht, was ihre Schöpfer erwartet haben.

Daraus, aber auch aus dem philosophischen Unterbau gewinnt der Film immense Spannung. A Million Days ist Science-Fiction, wie sie sein sollte: kühn und aufregend, zum Nachdenken anregend, in der Tradition des Literarischen, das häufig intensiver ist als die filmische Science-Fiction.

Ein kleiner, feiner, sehenswerter Film für alle Sci-Fi-Fans, die große Ideen über großen Bombast stellen.


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