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Science Fiction: Eine wiederentdeckte Genre-Perle namens Avalon

Der Film ist eindrucksvolle Science Fiction, die ihrer Zeit voraus war.
/ Peter Osteried
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Mamoru Oshiis Avalon ist ein eindrucksvoller Sci-Fi-Film. (Bild: Plaion Pictures)
Mamoru Oshiis Avalon ist ein eindrucksvoller Sci-Fi-Film. Bild: Plaion Pictures

Nach Ghost in the Shell(öffnet im neuen Fenster) war eigentlich nicht zu erwarten, dass es Mamoru Oshii noch einmal gelingen würde, in derartige Sphären vorzustoßen. Aber mit seinem ersten Realfilm hat er dennoch einen faszinierenden Sci-Fi-Reigen erschaffen, dessen Game-Optik noch immer ungewöhnlich ist. Der Film kam 2001 raus, lief hierzulande erfolgreich auf dem Fantasy Film Fest, kam auf DVD und geriet seitdem etwas in Vergessenheit. Eine neue Mediabook-Edition(öffnet im neuen Fenster) gibt nun die Gelegenheit, den Film wiederzuentdecken.

Er erzählt von einer Welt, in der die Menschen sich lieber in Spielen verlieren, selbst wenn dort die Gefahr des Sterbens immer präsent ist.

In der Spielwelt

Ash ist geradezu süchtig nach Avalon. Dies ist ein illegales Computer-Game, in das sich viele Tag für Tag einloggen, um so der Tristesse ihres Lebens zu entgehen. Ash ist eine der besten Spielerinnen überhaupt. Ein absoluter Profi. Sie gibt niemals auf – nicht bevor der letzte Gegner auf den simulierten Schlachtfeldern besiegt ist.

Doch ein Level hat sie bisher nicht erreicht: Der Special Class A Level steht nur wenigen, elitären Spielern offen. Einer davon ist Ashs Freund Murphy, der jedoch seit kurzem in einem Wachkoma dahinvegetiert. Ash mag nicht daran glauben, dass dieses Koma etwas mit Avalon zu tun haben könnte. Darum nutzt sie auch ihre Chance, zum Level aufzusteigen. Doch damit bringt sie sich in größere Gefahr denn je. Von Level A ist bislang noch niemand zurückgekehrt.

Tiefgründige Science Fiction

Leichte Kost ist Avalon nicht. Die Action ist dynamisch und mitreißend, der Look in Sepiatönen in der realen Welt und mit Gelbstich in der Spielwelt, ist ausgesprochen faszinierend. Aber inhaltlich fordert der Film heraus. Weil er häufig in das Reich der Ambivalenz abgleitet, mit der Hauptfigur, aber auch der Geschichte. Nicht alles wird auf dem silbernen Löffel serviert, Oshii fordert zum Mitdenken auf, und das nicht nur in den philosophisch angehauchten Dialogpassagen.

Avalon kommt einem Anime am nächsten. Soll heißen: Würde man statt auf Zeichentrick auf echte Menschen setzen, würde das wohl wie hier aussehen. Der Look ist atemberaubend, zumal die Eigenheiten der Spieloptik so speziell sind, dass sie aus heutiger Sicht auch nicht veraltet wirken.

Kurios an diesem Film ist, dass Oshii ihn nicht nur in Polen drehte – die polnische Armee verlieh kostenlos Panzer an die Produktion -, sondern auch mit Polen besetzte. Er wurde auch auf Polnisch gedreht, aber wer des Polnischen mächtig ist, wird feststellen, dass vieles des japanischen Drehbuchs einfach wortwörtlich übersetzt wurde und kaum noch Sinn ergibt. Mit der deutschen Synchronfassung hat man dieses Problem aber nicht.

Wuchtige Musik

Die Musik untermalt das Geschehen auf geradezu epische Weise. Die Melodien sind eingängig, der Sound bombastisch. Hier kamen das Warschauer Philharmonische Orchester und das Tokyo Pop Orchestra zum Zuge.

Die Klänge erinnern an große Opern. Allein die spektakuläre Musik reicht schon, damit man sich den Nachspann ansieht. Als der Film seinerzeit auf dem Fantasy Film Fest lief, blieben viele sitzen, um sie zu genießen. Normalerweise stürmt das Publikum mit Einsetzen des Abspanns in Richtung Ausgang.

Tolle Edition

Plaion Pictures hat den Film in einem Mediabook mit zwei Blu-rays herausgebracht. Die beiden Scheiben braucht es auch, weil das Bonusmaterial wirklich sehr umfangreich ist. Man ist damit länger beschäftigt als mit dem Film selbst.

Neben Trailer, Bildergalerie und Booklet gibt es drei umfangreiche Dokumentationen und ein Interview mit Oshii. Letzteres hat eine Laufzeit von 22 Minuten. Die Dokumentationen lassen wiederum keine Fragen offen. Gate to Avalon hat eine Laufzeit von 75 Minuten, Avalon FX dauert 58 Minuten und Days of Avalon ist mit 114 Minuten wirklich abendfüllend.

Eine starke Edition mit starkem Ton. Bei den Bildern muss man Abstriche machen. Nicht, weil die Präsentation schlecht wäre, sondern weil der Film so gestaltet ist. Die Farben, die Grobkörnigkeit, die Verfremdungen, das alles profitiert von einer HD-Umsetzung nicht so sehr wie ein konventioneller Film. Und dennoch: So gut sah der Film noch in keinem Heimkinoformat aus. Letztlich der perfekte Weg, um diese Perle neu oder wiederzuentdecken.


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