Science-Fiction: Die filmischen Welten von Isaac Asimov
Isaac Asimov (1920-1992) gehört zu den Großmeistern der literarischen Science-Fiction. Zu Lebzeiten galt er als einer der Großen Drei – die beiden anderen waren Robert Heinlein und Arthur C. Clarke. Seit 1939 war er aktiv, schrieb Dutzende Bücher und fast 400 Kurzgeschichten, gab eine Vielzahl weiterer Bücher heraus und schuf mit seinen Foundation -Romanen eines der größten Sci-Fi-Epen aller Zeiten.
Schon früh wurde einige seiner Geschichten verfilmt, und zwar als Episoden unterschiedlicher Serien. Den Anfang machte im Jahr 1953 ein originäres Skript, das Asimov für die Sci-Fi-Serie Captain Video and His Video Rangers schrieb. Die Serie brachte es von 1949 bis 1955 auf sechs Staffeln, ist aber weitgehend vergessen.
Der Name von Asimovs Folge weckt Assoziationen: I, Tobor. Darin gerät ein riesiger Roboter unter die Kontrolle eines jungen Mädchens, das ihn gegen die Video Rangers nutzen will, die für Frieden in der Galaxie sorgen sollen.
1962: die erste Adaption
Im Jahr 1962 gab es mit Little Lost Robot eine erste Adaption einer Asimov-Geschichte in der Anthologie Out of this World. Hier wird der Frage nachgegangen, was ein Roboter, der jedem Befehl folgen muss, tut, wenn ihm jemand aufträgt, dass er verschwinden soll.
Zwei Jahre später folgte die britische Serie Story Parade. Eine Episode basiert auf Asimovs Roman The Caves of Steel, die in einem zukünftigen New York spielt, in dem ein Polizist mithilfe eines Robot-Assistenten versucht, den Mord an einem Wissenschaftler aufzuklären.
Die Hauptrolle spielte übrigens Peter Cushing ( Grand Moff Tarkin in Star Wars: Episode IV).
Gleich sechs Folgen nach Asimov-Geschichten gab es von 1965 bis 1969 in der Serie Out of the Unknown: The Dead Past, Sucker Bait, Satisfaction Guaranteed, The Prophet, Liar! und The Naked Sun. Die Folgen sind weitestgehend verschollen. Nur von The Dead Past und Sucker Bait ist bekannt, dass sie noch vollständig als 16-mm-Fernsehaufzeichnungen existieren.
Von Satisfaction Guaranteed und The Prophet existieren kurze Tonaufnahmen und Videoclips, während von Liar! nur Produktionsbilder, kurze Tonspuren und Videoclips existieren. Von The Naked Sun gibt es Produktionsbilder und eine fast vollständige Audioaufnahme.
Asimovs Stoff im Fernsehen
Es dauerte Jahre, bis wieder eine Asimov-Geschichte filmisch umgesetzt wurde, kurioserweise nicht in den USA, sondern in Ungarn. Der Film A halhatatlanság halála basiert auf dem Roman The End of Eternity und ist außerhalb seines Ursprungslandes praktisch völlig unbekannt.
Im selben Jahr gab es in den USA den nur 26-minütigen Fernsehfilm The Ugly Little Boy, in dem eine sich Krankenschwester um ein Neandertaler-Kind kümmert, das bei einem Zeitreiseexperiment aus seiner eigenen Zeit herausgerissen wurde.
Ein großer sowjetischer Film
Im Jahr 1987 gab es Das Ende der Ewigkeit, ein sowjetischer Film mit einer epischen Laufzeit von 137 Minuten. Die Handlung erzählt von den Aktivitäten einer Geheimorganisation namens Eternity, die außerhalb der Zeit existiert und alles auf der Erde kontrolliert.
Vertreter der Eternity können mithilfe von Zeitkapseln in jedes Jahrhundert der Erdgeschichte gelangen, beginnend mit dem 27. Jahrhundert, als die Organisation entstand, und den Lauf der Dinge so verändern, wie sie es selbst für notwendig halten: Kriege beenden, Bräuche oder neue Waffen einführen, Raumfahrt entwickeln.
Die Eternity rekrutiert ihre neuen Mitglieder aus der Bevölkerung der normalen "Zeitmenschen". Einer von ihnen ist Andrew Harlan, der mit der verantwortungsvollen Aufgabe betraut wird, einen Studenten namens Cooper mit Kenntnissen über die Urgeschichte (d. h. die Geschichte der Erde vor der Eternity) auszubilden. Der Film nimmt sich Freiheiten, erfasst Asimovs Story aber sehr gut. Aus heutiger Sicht problematisch ist nur die triste Inszenierung, die der Sowjet-Science-Fiction jener Zeit einfach inhärent war.
Hierzulande unbekannt ist Etot fantasticheskiy mir, eine sowjetische Sci-Fi-Anthologie, die verschiedene Romane und Kurzgeschichten adaptiert.
Fast unbekannte Serien nach Isaac Asimov
Eine solche Adaption war eine Folge aus dem Jahr 1978 auf Basis von Asimovs Kurzgeschichte Alle Sorgen dieser Welt (All the Troubles of the World). Darin geht es um den von Asimov häufig in seinen Geschichten eingesetzten Multivac, einen Supercomputer, der die Geschicke der Wirtschaft und der Menschheit steuert, was nicht allen gefällt, weswegen sie den Computer loswerden wollen.
Im Jahr 1988 debütierte eine Sci-Fi-Serie, die von Isaac Asimov entwickelt wurde, heutzutage aber praktisch unbekannt ist. Sie war kein Erfolg und brachte es auch nur auf sieben Folgen. Der Titel: Probe.
Es geht darin um einen exzentrischen Wissenschaftler und seine Sekretärin, die ungewöhnliche Mysterien aufklären. In den Hauptrollen waren Parker Stevenson (Baywatch, Fackeln im Sturm) und Ashley Crowe (war später in Minority Report dabei) zu sehen. In zwei Folgen wirkte Clive Revill mit, der später in Das Imperium schlägt zurück dem Imperator seine Stimme lieh .
Ihr Ende fand die Serie, weil sie wegen eines Autorenstreiks erst nicht weiter produziert wurde, dann der Sender endlos Wiederholungen zeigte und damit schließlich jedes Interesse des Publikums abgetötet wurde. Vielleicht war die Erzählung aber auch zu smart für ihre Zeit. Sie war purer Asimov, spielte mit großen Konzepten und forderte die Zuschauer heraus, mehr über das herauszufinden, was in den einzelnen Geschichten behandelt wurde.
Low-Budget-Sci-Fi
Low-Budget-Sci-Fi war Nightfall im Jahr 1988, in dem es um eine Welt geht, in der es immer taghell, die Angst vor der Dunkelheit aber allgegenwärtig ist, denn mit ihr kommt die Zerstörung. Asimovs Kurzgeschichte untersucht den Konflikt von Wissenschaft und Aberglauben.
Ein starkes Thema, das halbgar umgesetzt wurde. Asimov, der bei der Umsetzung nicht als Berater hinzugezogen wurde, war mit dem Ergebnis mehr als nur unzufrieden. Eine weitere Adaption unter demselben Titel gab es 1999, der Film ist aber noch mal ein Stück schlechter.
Mit Teach 109 gab es 1989 einen weiteren 25-Minüter, in dem erzählt wird, wie Chirurgen in der Zukunft ihre Fertigkeiten an Androiden üben, die erschaffen wurden, um Menschen zu gleichen. Eine Ärztin empfindet das als überflüssig, ihr Patient Teach 109 lässt sie aber ihre Meinung revidieren.
Die Langversion der Geschichte gab es ein Jahrzehnt später mit dem Film The Android Affair. Die Hauptfigur ist Karen Garrett, eine aufstrebende junge Ärztin, die den Auftrag erhält, eine schwierige Operation an Teach durchzuführen, einem hochentwickelten Androiden, dessen Gedächtnis noch nie gelöscht wurde.
Viele Versionen von I, Robot
Eine ungewöhnliche Adaption ist der iranische Film Formoole Marg aus dem Jahr 2012, der auf dem Roman Formula of Death basiert und von einem deprimierten Professor erzählt, der in seinem Labor den Leichnam eines Studenten entdeckt.
Im Kino fand Asimov praktisch gar nicht statt. Das änderte sich mit Der 200 Jahre Mann im Jahr 1999. Erzählt wird von Andrew, einem Roboter, der als Haushaltsgerät gekauft wurde und darauf programmiert ist, niedere Aufgaben zu erfüllen.
Als Andrew beginnt, Emotionen und kreative Gedanken zu entwickeln, entdeckt die Familie Martin bald, dass sie keinen gewöhnlichen Roboter hat. Im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte wird Andrew immer menschlicher. Eine Paraderolle für Robin Williams, der den Roboter freundlich und sympathisch erscheinen lässt.
Die Novelle ist aus dem Jahr 1976. Darin wie auch im Film ist Andrew an die drei Robotergesetze gebunden.
Erstes Gesetz: Ein Roboter darf einen Menschen nicht verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass ein Mensch zu Schaden kommt.
Zweites Gesetz: Ein Roboter muss die Befehle befolgen, die ihm von Menschen gegeben werden, es sei denn, diese Befehle würden dem ersten Gesetz widersprechen.
Drittes Gesetz: Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht im Widerspruch zum ersten oder zweiten Gesetz steht.
Wichtig für eines von Asimovs schönsten Werken, der Erzählung I, Robot, die viermal verfilmt wurde.
Ich, der Roboter
Die erste Verfilmung gab es 1964 in der Serie The Outer Limits(öffnet im neuen Fenster) unter dem Originaltitel. Wie in Asimovs Geschichte wird ein Roboter des Mordes angeklagt, weil er seinen Schöpfer umgebracht haben soll. Vor Gericht stellt sich heraus, dass er ein Bewusstsein entwickelt hat und der Tod des Mannes ein Unfall war, und doch wird der Roboter zum Tode verurteilt. Als er hinausgeführt wird, reißt er sich los, läuft auf die Straße und rettet ein Kind vor einem heranrasenden Lastwagen, während er selbst unter die Räder gerät und geschrottet wird, was seinen Anwalt kommentieren lässt: "Gott sei Dank wird dieses Monster niemandem mehr Schaden zufügen."
Bei der Neuauflage der Serie gab es 1995 auch eine Neuverfilmung der Geschichte, die von Adam Nimoy inszeniert wurde. Der Sohn von Leonard Nimoy konnte seinen Vater auch in der Rolle des Anwalts besetzen. Ein besonderer Coup, denn Nimoy spielte schon in der 1964er-Episode mit, damals aber noch in der Rolle eines Reporters.
Dazwischen wurde die Geschichte im Jahr 1988 als Robots verfilmt. Der 45-Minüter kam auf VHS heraus und sollte ein interaktives Erlebnis bieten, denn zusammen mit der Videokassette gab es auch ein Kartenset, mit dem enthüllt wird, wer der Schuldige ist.
Die größte Verfilmung des Stoffs ist aber natürlich I, Robot aus dem Jahr 2004, der Asimovs Geschichte nimmt, sich aber nicht auf den Anwalt, sondern einen von Will Smith gespielten Polizisten konzentriert und darüber hinaus aus dem Ganzen ein Actionfeuerwerk macht. Näher an der Vorlage waren da schon die Folgen von The Outer Limits.
Noch größer als I, Robot ist nun jedoch Foundation, dessen dritte Staffel bei Apple TV+ gerade zu Ende geht und sich anschickt, nicht nur eine epische Sci-Fi-Serie zu werden, sondern auch Asimovs umfangreichen Erzählungen um die Foundation gerecht zu werden. Angekündigt ist zudem eine neue Verfilmung von The Caves of Steel .
Aber eines ist leider nach wie vor unbestreitbar: Von Isaac Asimovs umfangreichem Werk ist wirklich nur wenig filmisch umgesetzt worden.
- Anzeige Hier geht es zum iRobot Roomba Combo j9+ bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.