Neuer Deutscher Film: Mutiger, aber auch verkopfter

In den 1970er Jahren feierte das deutsche Unterhaltungskino immer weniger Erfolge. Es war die Zeit des Neuen Deutschen Films und mit ihm des Autorenfilms. Das deutsche Kino wurde in gewisser Weise mutiger, aber auch verkopfter.

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Den Anfang in Sachen Science-Fiction machte Alexander Kluge mit Der große Verhau (1971). Weit wichtiger war jedoch Rainer Erler, der von 1974 bis 1976 für das Fernsehen Das blaue Palais inszenierte und mit Operation Ganymed (1978) einen tollen Film ablieferte.

Hier kehren drei Astronauten nach fast fünfjähriger Reise zum Jupiter zurück zur Erde, finden sie aber verlassen vor. Könnte ein Atomkrieg alles und jeden vernichtet haben? Mit den Gefahren der Atomtechnologie befasste sich Erler auch in Plutonium (1978).

Der zweite wichtige Name des deutschen Films jener Zeit ist Peter Fleischmann. Im Jahr 1978 präsentierte er mit Die Hamburger Krankheit einen Seuchenfilm, der heute noch beklemmend ist. Mehr als ein Jahrzehnt später verfilmte er mit Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein (1990) einen Roman von Arkadi und Boris Strugazki.

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In den 1980er Jahren war deutsche Science-Fiction kaum vorhanden - sieht man von Merkwürdigkeiten wie Xaver und sein außerirdischer Freund (1986), der das Sujet des Heimatfilms mit einem außerirdischen Besuch verbindet, ab. Ein Mann träumte jedoch von Filmen, wie man sie aus den USA kennt: Roland Emmerich.

Das Arche-Noah-Prinzip (1984) war sein Debüt und wurde zum teuersten Studentenfilm aller Zeiten. Schon hier zeigte Emmerich mit seiner Geschichte von einem Astronauten, der an Bord seiner Raumstation einer Verschwörung zum Opfer fällt, dass er nicht nur ein glühender Verehrer der Science-Fiction war, sondern seiner erklärten Absicht, unterhaltsame Filme zu drehen, konsequent folgte. Sein nächster Film Joey (1985) ging dann mehr in Richtung Horror, ähnlich wie bei Hollywood Monster (1987).

Unser Mann in Hollywood

Wirklich auf sich aufmerksam machen konnte Emmerich 1990 mit Moon 44, den er in Deutschland drehte, der aber den internationalen Vergleich nicht scheuen muss. Bei einem Budget von gerade einmal sechs Millionen Mark schuf er ein Effektspektakel, das in Hollywood ein Vielfaches an Budget verschlungen hätte. Für die Realisierung dieses Projekts konnte Emmerich einige bekannte englischsprachige Schauspieler wie Malcolm McDowell oder Michael Paré verpflichten.

Der Film erzählt die Geschichte eines Krieges verfeindeter Konzerne, der auf einem weit entfernten Planeten stattfindet. Die Geschichte mag nicht sonderlich originell sein. Emmerich verstand es jedoch, sie spannend umzusetzen, sodass dieser kleine und insgesamt wenig beachtete Film tatsächlich zu einem der SF-Highlights des Jahres wurde.

Mit vielen jungen und hungrigen Talenten, die bei Emmerich vorstellig wurden, konnte der Regisseur den Film mit seinem anvisierten Budget realisieren. Die Effektszenen der jungen Wilden erreichten eine Qualität, die der von gestandenen Profis in nichts nachstand.

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Moon 44 entwickelte sich hierzulande zu einem moderaten Erfolg. Für Emmerich weit wichtiger war, dass er ihm eine Tür in Amerika öffnete. Die durchschritt er - und kehrte nicht wieder, weil er seine Visionen mit dem großen Geld aus Hollywood natürlich ganz anders umsetzen konnte als in seiner Heimat.

Der moderne deutsche Science-Fiction-Film

In den 00er-Jahren bot die Science-Fiction in Deutschland von komisch bis ernsthaft alles, zum Teil fehlte aber eine eigene Handschrift. Mit (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 (2004) lieferte Bully Herbig eine Parodie auf Science-Fiction à la Star Trek ab. Christian Alvart inszenierte mit Pandorum (2009) einen SF-Thriller mit klaustrophobischer Stimmung fürs Kino.

Im Fernsehen gab es ebenfalls einige deutsche Produktionen, die aber zum Teil ganz schön trashig wirkten, darunter Sumuru (2003), Apokalypse Eis (2004) und Lost City Raiders (2008). Seriöser gestalteten sich der Endzeitfilm Hell (2011) und in jüngster Zeit der an die SF der 1970er Jahre erinnernde Tides (2021). Eine Ko-Produktion von Österreich und Deutschland gab es mit dem kontroversen The Trouble with Being Born (2020), in dem ein Vater eine Androidenreplik seiner toten Tochter hat, die Beweggründe dafür aber äußerst zweifelhaft sind.

An die große Zeit der Science-Fiction in den Tagen des Stummfilms konnte der deutsche Film nicht mehr anschließen. Gerade die Möglichkeiten, die Streaming-Dienste wie Netflix heutzutage bieten, lassen hiesige Filmemacher aber zumindest tiefer in das Genre eintauchen - man denke nur an die Serien Dark oder Tribes of Europa.

Vielleicht ist die Zeit reif für eine Renaissance der deutschen Fantastik. Irgendwann möchte man schließlich auch neue Abenteuer der Raumpatrouille und eine adäquate Umsetzung von Perry Rhodan sehen.

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 Science-Fiction in der DDR, Heimatfilme im Westen
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Mnyut 23. Feb 2022

Telerop 2009 https://thetvdb.com/series/115501-show Haben die ÖR 2008 oder 2009 zusammen...

Mnyut 23. Feb 2022

Nicht nur SF ist teuer, vermutlich gibt es deswegen so viel Roadtrips in deutschen...

Muhaha 21. Feb 2022

Nur weil Dein subjektiver Geschmack nicht getroffen wird, ist das noch lange nicht...

Herr Unterfahren 21. Feb 2022

Interessant. Danke für den Link. Das Prinzip der Vererbung von Eigenschaften war jedoch...



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