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Sci-Fi der 60er und 70er: Die großen fünf Visionäre

Gene Roddenberry kennen die meisten, aber es gibt auch noch andere Produzenten, die mit ihren Ideen die Science-Fiction mehrerer Dekaden geprägt haben.
/ Peter Osteried
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Viele der frühen Sci-Fi-Serien prägen das Genre bis heute. (Bild: Pixabay)
Viele der frühen Sci-Fi-Serien prägen das Genre bis heute. Bild: Pixabay

Heutzutage ist der Fernsehmarkt riesig und unübersichtlich. In den 1960ern und 70ern gab es hierzulande nur zwei bundesweite Sender und ein paar dritte Programme, in den USA wiederum dominierten wenige Networks. Science-Fiction war nicht unbedingt angesagt, sondern galt als eher kindliche Unterhaltung. Dieses Bild haben fünf Männer jedoch nachhaltig verändert. Sie gelten als die großen Sci-Fi-Visionäre: Gene Roddenberry, Rod Serling, Irwin Allen, der Brite Gerry Anderson und Glen A. Larson.

Gene Roddenberrys Traum von einer besseren Zukunft

Gene Roddenberry ( Porträt ) war Zeit seines Lebens Science-Fiction-Fan. Vor allem liebte er Science-Fiction-Literatur, die in ihren Geschichten sehr viel diverser war als die frühen Filme.

Genau das wollte Roddenberry mit seiner Serie Star Trek (1966-1969) auch erreichen. Es sollte eine Science-Fiction-Serie sein, die von einer besseren Zukunft erzählt, in der es Rassismus und Vorurteile nicht mehr gab und die Menschen auf der Welt zusammenhielten. Natürlich hatte Star Trek auch Action, aber vor allem war sie eine der ersten Science-Fiction-Serien, die Fragen der Moral aufgriff und politisch war.

Ob der erste Kuss zwischen Kirk und Uhura in der Folge Platons Stiefkinder(öffnet im neuen Fenster) oder der Irrsinn des Rassismus in Bela jagt Lokai mit zwei Außerirdischen, deren Gesichtshälften schwarz und weiß sind(öffnet im neuen Fenster) - Star Trek hatte etwas zu sagen. Die Serie warb für Toleranz, ohne mit dem Holzhammer zu kommen. Roddenberry erschuf damit ein Werk, das noch heute nachwirkt und mit zahlreichen Spin-offs fortgesetzt wird.

Rod Serlings starke Frauen

Roddenberry war aber nicht der Erste mit dieser Idee. Davor gab es Rod Serling(öffnet im neuen Fenster) mit seiner Anthologie-Serie Twilight Zone(öffnet im neuen Fenster) , die im Jahr 1959 startete und bis 1964 lief.

Serling engagierte Autoren wie Richard Matheson und hatte mit einer seiner Sci-Fi-Sendung die Möglichkeit, sich sozialkritischen Themen zu widmen - und tat das auf subtile Art. Im Verlauf der über fünf Staffeln laufenden Serie beschäftigte sich Serling unter anderem mit Rassismus(öffnet im neuen Fenster) und zeigte dabei seine liberale Gesinnung.

Zudem baute er in vielen Geschichten starke Frauenfiguren ein, was zu jener Zeit ungewöhnlich war. Eine Stärke der Serie war, dass die Geschichten oft mit einem Twist endeten, der alles auf den Kopf stellte. Obwohl von den Kritikern geliebt und von seinem Publikum hoch verehrt, war die Reihe kein besonderer Quotenerfolg, wurde zweimal eingestellt, dann aber wiederbelebt.

Im Lauf der Jahre gab es gleich mehrere neue Versionen der Twilight Zone (1985, 2002 und 2019). Serling selbst schrieb später das erste Skript zum Film Planet der Affen (1968) und produzierte die Serie The New People (1969-1970)(öffnet im neuen Fenster) über auf einer Insel abgestürzte Menschen, die eine neue Zivilisation erschaffen müssen. Vom ihm stammt auch die Anthologie Night Gallery (1970)(öffnet im neuen Fenster) .

Irwin Allen: der Mann fürs große Spektakel

Irwin Allen legte mit seinen Serien - anders als Roddenberry und Serling - keinen großen Wert auf gesellschaftlich relevante Unterhaltung. Er operierte auf der anderen Seite des Spektrums und war eher der Mann fürs Grobe und für das große Spektakel.

Andersons Marionetten und Larsons Langzeithits

Das zeigte Allen in den 1970er Jahren vor allem mit den von ihm produzierten Katastrophenfilmen wie Flammendes Inferno(öffnet im neuen Fenster) . Schon 1961 produzierte er den Science-Fiction-Film Unternehmen Feuergürtel(öffnet im neuen Fenster) , der als Grundlage für die Serie Die Seaview(öffnet im neuen Fenster) diente, die von 1964 bis 1968 produziert wurde. Es geht darin um die Abenteuer eines futuristischen Unterseeboots.

Damit etablierte sich Allen als erfolgreicher Fernsehproduzent. Es folgten Verschollen zwischen fremden Welten (1965-1968)(öffnet im neuen Fenster) , Time Tunnel (1966-1967)(öffnet im neuen Fenster) und Planet der Giganten (1968-1970)(öffnet im neuen Fenster) . Erstere erlebte eine Neuauflage als Film und später als Netflix-Serie.

Time Tunnel ist noch die cleverste der Allen-Shows, weil die Protagonisten von einer Epoche in die nächste springen. Das hat einen gewissen lehrreichen Aspekt, auch wenn es vor allem um die Action geht. Bei Planet der Giganten stranden in der Zukunft Menschen von der Erde auf einem Planeten, auf dem die Bewohner Riesen sind. Das ist ebenfalls spektakulär, da die Akteure ständig mit überdimensionalen Requisiten hantieren mussten.

Allens Serien mögen keine Sozialkritik gehabt haben, aber sie sind gute Unterhaltung mit zum Teil auch phantastischen Ideen.

Gerry Andersons Marionetten

Gerry Anderson(öffnet im neuen Fenster) war gewissermaßen Allens britisches Pendant - nur eine ganze Spur kleiner. Denn Anderson musste mit derart kleinen Budgets hantieren, dass seine ersten Serien nicht mit Schauspielern aufwarten konnten, sondern mit Marionetten gestaltet wurden.

Eine Serie wie Thunderbirds (1965-1966)(öffnet im neuen Fenster) muss man sich wie die Augsburger Puppenkiste vorstellen, nur mit Science-Fiction und weit mehr Action. Mit Supercar (1961-1962)(öffnet im neuen Fenster) , Fireball XL5 (1962-1963)(öffnet im neuen Fenster) , Stingray (1964-1965)(öffnet im neuen Fenster) und Captain Scarlet und die Rache der Mysterons (1967-1968)(öffnet im neuen Fenster) produzierte Allen eine Reihe dieser Marionetten-Serien, die in ''Supermarionation''(öffnet im neuen Fenster) umgesetzt waren.

Zu Beginn der 1970er standen dann größere Budgets zur Verfügung. Diese nutzte Anderson, um zuerst UFO (1970-1971)(öffnet im neuen Fenster) und dann Mondbasis Alpha 1 (1975-1977)(öffnet im neuen Fenster) zu produzieren - zwei der großen Science-Fiction-Serien der Dekade.

Bei der ersten Serie geht es um die Organisation Shado, die kontinuierlich den Angriff von Außerirdischen abwehrt. Bei der zweiten Serie wird der Mond aus der Umlaufbahn geschleudert - mit der Mondbasis darauf.

Die Geschichten sind nicht sozialkritisch oder gesellschaftlich relevant. Vielmehr sind es gute Sci-Fi-Action-Abenteuer, die mit bemerkenswerten Designs daherkommen und Budgetprobleme durch phantasievolle Geschichten wettmachen. Später produzierte Anderson die Puppenserie Terrahawks (1983-1986)(öffnet im neuen Fenster) und die Polizistenserie Space Cops - Tatort Demeter City (1995)(öffnet im neuen Fenster) .

Der Schöpfer von Kampfstern Galactica: Glen A. Larson

Glen A. Larson war in den 1970er und 1980er Jahren einer der erfolgreichsten Produzenten des US-amerikanischen Fernsehens. Er produzierte Erfolgssendungen wie Detektiv Rockford - Anruf genügt (1974-1980) und Ein Colt für alle Fälle (1981-1986). 1973 entwickelte er auf Basis von Martin Caidins Roman Cyborg den Fernsehfilm Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann, mit der darauffolgenden Serie hatte er aber nichts zu tun. Denn er hatte ohnehin mehr als genug zu tun.

In den 1970er Jahren entwickelte Larson zwei Science-Fiction-Serien, die noch immer nachhallen: Kampfstern Galactica (1978-1980)(öffnet im neuen Fenster) und Buck Rogers (1979-1981)(öffnet im neuen Fenster) .

Das eine war die TV-Antwort auf Star Wars, mit dem anderen folgte er einem Trend. Beide Serien sind eher kindischer Natur, weil den teuren Pilotfilmen eher günstige Episoden nachfolgten. Das 25. Jahrhundert von Buck Rogers sieht aus heutiger Sicht altmodisch aus - nach der Disco-Ära der 1970er Jahre. Der Kampf der Menschen gegen die Zylonen und die Suche nach ihrer Heimat wirkte jedoch lange nach - bis zu einem grandiosen Reboot, der von 2004 bis 2009 produziert wurde.

Larson hat später auch die Serien Knight Rider (1982-1986)(öffnet im neuen Fenster) , Automan (1983-1984)(öffnet im neuen Fenster) über einen computergenerierten Superhelden, Ein Fall für Professor Chase (1983) über einen Mann, der sich in Tiere verwandeln kann, und schließlich die SF-Actionserie Highwayman (1989)(öffnet im neuen Fenster) mit Sam J. Jones (dem Star aus Flash Gordon ) in der Hauptrolle produziert. Seine Serien mögen nicht die intelligentesten gewesen sein, aber er prägte das Gesicht des Genres über zwei Jahrzehnte hinweg.

Die Fünf

Roddenberry, Serling, Allen, Anderson und Larson - das ist ein Quintett, das von etwas älteren Science-Fiction-Fans, die in den 1970ern und 1980ern, aber auch in den 1990er Jahren noch gute Sci-Fi im Fernsehen suchten, sehr geschätzt wird: weil ihre Serien sie selbst überdauert haben (nur Larson lebt noch) und mit ihrem Charme, aber auch ihren durchaus visionären Ideen die Science-Fiction ganzer Dekaden maßgeblich geprägt haben.


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