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Schwinn IC8 pedaliert: Sparen bei Peloton und Spielspaß mit Zwift

Es muss nicht immer Peloton sein: Dank Bluetooth können wir mit dem günstigeren Schwinn IC8 tolle Apps beim Hometraining nutzen.
/ Peter Steinlechner
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Unterwegs in Zwift (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)
Unterwegs in Zwift Bild: Peter Steinlechner/Golem.de

"Das Ding verstaubt doch nach zwei Wochen in der Ecke!" Diesen Satz kennt vermutlich jeder, der schon mal über den Kauf eines Hometrainers nachgedacht hat. Vermutlich haben die meisten von uns noch Bilder von angerosteten Standrädern auf Dachböden oder in Freizeitkellern vor Augen.

Kein Wunder: Früher hatten die Trainingsgeräte nach der ersten Begeisterung kaum langfristige Motivation zu bieten.

Das hat sich grundlegend geändert. Methoden der Gamification und Online-Communitys können zu immer neuen Höchstleistungen im Wohnzimmer anspornen.

Am bekanntesten ist dank Auftritten in TV-Serien und Filmen das Spinning-Bike von Peloton ( Test auf Golem.de ). Das Rad ist gut - aber teuer, und andere Anwendungen als die von Peloton sind damit nicht möglich.

Wir haben uns nach Alternativen umgesehen und sind auf das Schwinn IC8(öffnet im neuen Fenster) aufmerksam geworden. Die Geräte des Herstellers kennen wir sonst aus dem Fitnessstudio, das IC8 ist eine etwas vereinfachte Ausführung. Das gilt besonders für den mitgelieferten Trainingscomputer, der fast nichts kann.

Eines schafft er allerdings zuverlässig und gut: Per Bluetooth kann er Zubehör und Apps mit Daten versorgen - und das ist das, was uns wirklich interessiert!

Davon abgesehen ist das IC8 ein unkompliziertes und sehr solides Spinning-Bike, das stabil steht und kaum Geräusch verursacht. Es ist ohne lange Lieferfristen für rund 1.000 Euro im Handel erhältlich.

Das Gesamtgewicht beträgt rund 50 kg. Wer online ordert, bekommt das Rad normalerweise von der Spedition geliefert und muss das Paket dann meist selbst in die Wohnung wuchten.

Nach dem Auspacken muss man das IC8 noch fertig zusammenbauen. Wer schon einmal ein Ikea-Regal erfolgreich gebastelt hat, dürfte auch mit dem Rad klarkommen. Wir haben für die Gesamtmontage rund eine Stunde benötigt, Werkzeug liegt bei.

Der kleine Computer am Lenker ist vollständig geschlossen. Er verfügt lediglich über eine USB-A-Buchse zum Aufladen etwa eines Smartphones. Es ist also keine Aktualisierung der Firmware möglich.

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Es gibt keinerlei eingebaute Trainingsprogramme, sondern lediglich Basisinfos über die verstrichene Zeit und den Widerstand. Letzterer wird mit einem gut erreichbaren Drehknopf verstellt. Eine Option zur automatischen oder ferngesteuerten Änderung dieses Widerstands gibt es nicht.

Aber eben: das schon erwähnte Bluetooth. Was wir damit konkret alles machen können, zeigen wir exemplarisch an drei Anwendungen - von Spiel über Sehenswürdigkeiten bis zu Sport pur ist fast alles dabei.

Zwift

Bei echten Bikern - auch bei vielen Profis - ist das Sportspiel Zwift längst Kult. Vereinfacht gesagt geht es darum, mit dem Hometrainer die Geschwindigkeit eines Fahrer-Avatars auf dem Bildschirm zu steuern. Lenken spielt nicht direkt eine Rolle, nur manchmal können wir uns vor Abzweigungen zwischen links oder rechts entscheiden.

Ziel ist es einerseits, einen guten Platz in der Rangliste zu erreichen, und gleichzeitig, Punkte zu sammeln. Mit denen kann man wie in Call of Duty neue Ausrüstung freischalten - Räder, Helme oder Trikots statt Maschinenpistolen. Zwift hat eine Loot-Spirale, die enorm motiviert!

Viele Profis und ambitionierte Amateure geben für ihre Hometrainer mehrere Tausend Euro aus, damit das Bike exakt dem Straßenrad entspricht und von Hydrauliken am virtuellen Berg in die Höhe gewuchtet und in Kurven zur Seite gelegt wird.

Zwift - Trailer (What is Zwift)
Zwift - Trailer (What is Zwift) (02:02)

Das IC8 kann das natürlich alles nicht. Was ebenfalls nicht klappt: Das Schwinn IC8 liefert keine gemessen Leistungsdaten (Watt) - stattdessen wird dieser Wert von Zwift auf Basis der verfügbaren Daten errechnet. Davon merken wir als Gelegenheits-Zwifter fast nichts, aber an bestimmten Wettbewerben im Multiplayer können wir nicht teilnehmen.

Was aber wunderbar klappt - und viel Spaß macht! -, sind unter anderem Trainingseinheiten, bei denen wir etwa in Intervallen an unserer Sprintfähigkeit oder in langen Ausfahrten an unserer Ausdauer arbeiten können.

Explore the World und Peloton, plus Alternativen

Unser Schwinn müssen wir beim Programmstart über Bluetooth mit Zwift verbinden - bei uns hat das mit den unterstützten Smartphones, Tablets und Settop-Boxen unter iOS und Android ( Systemanforderungen(öffnet im neuen Fenster) ) problemlos geklappt. Die Herzfrequenz liefern wir mit einer Sportuhr ( "Herzfrequenz senden" ) oder einem Bluetooth-Brustgurt (ab 30 Euro).

Mit dieser Ausrüstung sausen wir unter anderem durch das virtuelle Paris und London sowie auf einer fiktiven Insel namens Watopia. Nett: Die Daten werden in GPS-Koordinaten umgerechnet, so dass es etwa in Strava so aussieht, als wären wir tatsächlich über den Champs-Élysées geradelt.

Nicht so nett: Die Grafik auf Basis der Unity-Engine ist schlecht gealtert - da wäre heutzutage sehr viel mehr drin. Auf unserem großen Fernseher über Apple-TV sieht man außerdem, dass das Bild ganz schön ruckelt. Auf einem kleinen Tablet fällt das längst nicht so deutlich auf.

Wir hatten mit dem Schwinn IC8 und Zwift keinerlei technische Probleme. Allerdings müssen wir schlicht damit leben, dass wir an dem Spinning-Bike den Widerstand selbst per Drehknopf einstellen müssen. Das ist vor allem dann nötig, wenn wir einen virtuellen Berg hochfahren.

Zwift kostet im Monat rund 15 Euro, es gibt aber Probe-Kilometer und -Wochen (tatsächlich beides). Neben der Zwift-Haupt-App gibt es ohne weiteren Aufpreis eine klasse gemachte Companion-App, so dass man etwa auf dem Smartphone in Echtzeit eine Übersichtskarte oder die Aktivitäten der anderen Fahrer verfolgen kann.

Explore the World

In Explore the World fahren wir auf gefilmten echten Strecken in aller Welt. Wir haben uns die App vor allem aus einem Grund angeschaut: Sie stammt von einer kanadischen Firma namens Nautilus, und zu diesem Unternehmen gehört auch Schwinn.

Explore the World ist die einzige App, bei der wir die Herzfrequenz nicht separat zuliefern, sondern sie ist zugeschaltet über das IC8 - ein technisches Detail, das nicht wirklich wichtig ist.

Explore the World bietet schön gefilmte Fahraufnahmen. Sprich: Wir sehen vor uns Landschaften so ähnlich, als würden wir selbst durch die Umgebungen radeln. Dabei gibt es hier keine echte Interaktivität - erst wenn wir nicht mehr in die Pedale treten, bleibt das Bild stehen. Am Ende gibt es eine simple Auswertung, die Ergebnisse lassen sich auf Strava teilen.

Sechs sehr sehenswerte Strecken, darunter die französische Riviera und Teile der nordamerikanischen Route, sind mit kostenlosem Zugriff (nach Anmeldung) enthalten. Weitere 81 Touren sind mit einem Abo ab 10 Euro/Monat zugänglich, darunter auch einige längere.

Peloton

Um das Cycling-Angebot von Peloton(öffnet im neuen Fenster) nutzen zu können, ist nicht unbedingt ein Rad des Herstellers nötig - die kosten mindestens 1.500 Euro. Wir können auch mit dem günstigeren IC8 fahren.

Noch besser: Wenn wir mit dem Schwinn bei Peloton strampeln, brauchen wir nicht das teure Bike-Abo für rund 40 Euro/Monat. Stattdessen können wir auch ein günstigeres Abo für rund 13 Euro/Monat buchen ( Test auf Golem.de ).

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Dann verwenden wir etwa unser eigenes Tablet, das wir auf die Ablage des IC8 legen können. Die Trittfrequenz und die Herzfrequenz werden über Bluetooth vom Bike und unserem Pulssensor beigesteuert. Die Verbindung wird im Training über die Seitenleiste (ggf. nach einem Antippen des Bildschirms sichtbar) eingerichtet. Bei uns hat das auf Anhieb geklappt. Auf Settop-Boxen wie Apple TV können wir nur Pulssensoren koppeln.

Es gibt ein paar Einschränkungen: Panoramatouren und andere Extras fehlen, ausschließlich die Trainings wie im Fitnessstudio sind verfügbar - also das, wofür Peloton eigentlich bekannt ist. Auf unserem Tablet sieht das Ganze außerdem nicht so schick aufbereitet aus wie auf dem Tablet am Peloton-Bike, und wir bekommen keine Leistungsanzeige. Die ist aber nur bei einigen speziellen Trainingsarten wichtig.

Peloton - Fazit
Peloton - Fazit (02:17)

Vor allem aber ist es minimal schwieriger, den Anweisungen der Trainer in Sachen Trittfrequenz zu folgen - die Bikes von Peloton und Schwinn skalieren völlig anders. Mit ein bisschen ausprobieren kommt man aber dennoch ganz gut mit. Im Netz haben wir sogar eine Tabelle gefunden, die bei der schnellen Umrechnung hilft (die wir aber aus mehreren Gründen nicht verlinken können).

Wir haben die genannten Probleme beim Ausprobieren von Peloton mit Schwinn-Bike nicht als nachhaltig störend empfunden. Wenn der Trainer einen hohen Widerstand ansagt und aus dem Sattel geht, kriegen wir das schließlich auch so hin. An Ranglistenrennen können wir per Tablet allerdings nicht teilnehmen.

Dennoch freuen wir uns über gespartes Geld und über die große Stärke von Peloton, nämlich Anleitungen für abwechslungsreiches Training mit Intervallen und sogar mit Hanteln (auf dem Rad) für den Oberkörper.

Weitere motivierende Sport-Apps

Für alle der vorgestellten Apps gibt es mehr oder weniger gelungene Alternativen. Zwift etwa hat einen Konkurrenten namens Rouvy, statt Explore the World können wir die Welt mit Kinomap erkunden. Und anstelle von Peloton können wir Apple Fitness+ verwenden (nur mit Apple Watch), das ebenfalls Kurse für Spinning-Bikes im Angebot hat. Egal, welche App wir verwenden: Unser Hometrainer setzt nicht so schnell Staub an!

Autor Peter Steinlechner auf Strava(öffnet im neuen Fenster)


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