Schwarz-Gruppe: Das 11-Milliarden-Euro-KI-Projekt hat eine Chance
Die Schwarz-Gruppe wird die zugesagten 11 Milliarden Euro für das neue KI-Rechenzentrum in Lübbenau wohl über einen langen Zeitraum strecken. Das Rechenzentrum soll zu einem der leistungsstärksten Standorte für digitale Infrastruktur in Europa werden.
Volker Pfirsching, Partner bei der Strategieberatung Arthur D. Little, sagte Golem: "Ich denke, wir werden hier eine Campus-Logik, wie bei Rechenzentren üblich, sehen: 2,5 Milliarden Euro für den Bau werden aktuell kolportiert – der Rest wird entlang des Bedarfs über 5 bis 10 Jahre in IT-Infrastruktur wie Systeme, Hardware, Server und Ähnliches in einer Capex-in-Wellen-Logik folgen."
Der Wirtschaftsinformatiker Pfirsching geht davon aus, dass KI und Cloud aus Lübbenau eine Perspektive gegen Redmond und die anderen Hyperscaler haben: "Ja, es hat definitiv Marktchancen. Das Thema digitale Souveränität ist gerade in aller Munde und der Bedarf nach europäischen Rechenzentren-Kapazitäten abseits der Hyperscaler wird in den nächsten Jahren immens steigen."
Die Pannen der Hyperscaler
Wir lägen mitten in einer europäischen Aufholphase, in der Rechenzentrums- und speziell KI-Kapazitäten stark wüchsen, aber das Angebot hinter der Nachfrage herlaufe, sagte Pfirsching. Geopolitischer Druck, aber auch technische Pannen auf Seiten der Hyperscaler hätten das Thema Souveränität in Europa wieder auf die Agenda gehoben. Das Projekt von Schwarz sei in seiner Größenordnung ein Fingerzeig an die Tech-Branche – ein Erfolg könne schnell Nachahmer finden, betonte Pfirsching.
Und weiter: "Mit der Entschlossenheit und dem ambitionierten Projekt zeigt Schwarz, bis dato nicht unbedingt Vorreiter der Tech-Branche, wie man Chancen mutig für sich ergreifen kann. Arthur D. Little sieht in der hiesigen Wirtschaft derzeit eine große Nachfrage nach Angeboten, die eine gewisse Unabhängigkeit von USA und China bieten."
Souveränität und Resilienz mit Hardware nur aus den USA?
Aber Souveränität und Resilienz hat etwas mit Sowohl-als-auch zu tun. "Für Hardware und Software prüften wir grundsätzlich alle verfügbaren Optionen am Markt" , sagte ein Schwarz-Sprecher Golem.
Golem wollte wissen: Sollte der Betreiber nur Hardware aus den USA einsetzen oder auch Produkte aus China erwägen? Dort fährt man die einheimischen Kapazitäten für die Chipproduktion in dem Bereich im nächsten Jahr massiv hoch, wie die South China Morning Post(öffnet im neuen Fenster) berichtet.
Pfirsching sagte dazu: "Aktuelle politische Botschaften, etwa zu 5G, aber auch aus der Chipbranche, lassen darauf schließen, dass man Hardware aus China zunehmend skeptisch in kritischer Infrastruktur sieht." Zudem seien Nvidia, AMD und Intel derzeit Standard für Trainings- und High-End-Systeme – mit reiferem Ökosystem und breiter Tool-Kette: Nvidia und andere berichteten von verbesserter Verfügbarkeit trotz hoher Nachfrage.
Schwarz sei gut beraten, die Regulatorik rund um chinesische Hardware gut im Auge zu behalten, meinte der Consultant. "Es ist sicherlich sinnvoll, die technologischen Entwicklungen in Ost und West genau zu verfolgen, auch da China im Bereich der Corporate-Anwendungen durchaus führende Innovationen aufbieten kann." Er warnte zugleich vor zu starken Abhängigkeiten in Richtung China.
Nachtrag vom 20. November 2025, 16:31 Uhr
"Die Investitionen werden in den nächsten 5 bis 15 Jahren getätigt" , sagte der Schwarz-Sprecher Golem.
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