Schrott im Netz: Wie Social Bots das Internet gefährden

Ob Brexit-Votum, US-Wahlkampf oder private Timeline: Automatisierte Programme füllen die sozialen Medien mit Spam und politischen Parolen. Social Bots manipulieren Trends und Meinungen.

Ein Interview von Eva Mühle/Wirtschaftswoche Online veröffentlicht am
Jeder zweite Klick im Internet soll auf das Konto von autonomen Softwarerobotern gehen.
Jeder zweite Klick im Internet soll auf das Konto von autonomen Softwarerobotern gehen. (Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images)

Welche Auswirkungen eine maximal 140 Zeichen lange Falschmeldung bei Twitter haben kann, ist im Dezember 2015 deutlich geworden. Durch einen irrtümlich abgeschickten Tweet der britischen Financial Times mit einer Falschmeldung zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank schoss der Euro für kurze Zeit in die Höhe. Auch wenn dieser Fall ein Versehen war, zeigt er, wie einflussreich Topthemen in den sozialen Medien sind.

Immer häufiger stecken hinter den Trends nicht Menschen, sondern Softwareroboter, die auf Twitter, Instagram und anderen Netzwerken gezielt Inhalte verbreiten. Wie die Programme das machen und welche Gefahren sich daraus ergeben, erklärt der Politikwissenschaftler Simon Hegelich im Interview.

Hegelich ist Professor für Political Data Science an der Hochschule für Politik an der Technischen Universität München. Er verbindet in seiner Forschung Politikwissenschaften mit Computerwissenschaften und ist Experte im Bereich Social Bots. Im vom Bund geförderten Forschungsprojekt Social Media Forensics analysiert Hegelich, welchen Einfluss Social Bots in einer Demokratie haben und wie der Nutzer sie besser erkennen kann. Zusätzlich bloggt er regelmäßig zum Thema Bots.

Wirtschaftswoche Online: Herr Hegelich, jeder zweite Klick im Internet soll auf das Konto von autonomen Softwarerobotern, kurz Bots, gehen. Wir Menschen sind also schon lange nicht mehr alleine im Netz?

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Simon Hegelich: Das stimmt. Mit den Zahlen, wie viele autonom agierende Programme sich im Internet tummeln, ist das aber so eine Sache. Dass 50 Prozent oder gar zwei Drittel des gesamten Datenverkehrs im Internet von Bots produziert werden soll, liegt vor allem an den großen Crawlern wie Google, die ununterbrochen das Netz durchsuchen. Das produziert jede Menge Traffic. Geht es nach Facebook, Google oder Microsoft, werden Bots ganz bald auch in Messengern eingesetzt. Die Vision ist, dass wir mit Hilfe eines Chatbots mit unserem Computer oder Smartphone interagieren und reden können, wie mit einem anderen Menschen.

In diesem Fall wüsste der Nutzer, dass er mit einem Roboter kommuniziert. Oft ist das aber nicht der Fall, zum Beispiel in den sozialen Medien. Da treiben bösartige Bots ihr Unwesen.

Die Rede ist von Social Bots. Das sind Programme, die vorgeben, Menschen zu sein. Sie betreiben Fake-Profile, um beispielsweise Daten von Nutzern abzugreifen oder gezielt Spam sowie politische Parolen zu verbreiten. Wie hoch das Aufkommen dieser Bots ist, kann man nicht genau sagen. Denn die meisten werden gar nicht erst entdeckt. Auf Instagram sind beispielsweise extrem viele Bots, bei Facebook etwas weniger und Twitter ist wiederum voll von Bots. Generell ist es so, dass sich Bots in jede öffentliche Diskussion in den sozialen Medien einmischen. Entweder hängen sie sich an trendige Hashtags, um Spam zu verbreiten, oder sie kommentieren, retweeten oder liken Inhalte, um eine bestimmte Meinung zu pushen.

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Bots manipulieren Trends, Gruppen und einzelne Personen 
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Pointer 25. Jul 2016

Guggst du: http://lmgtfy.com/?q=AI+Box+Experiment

Pointer 25. Jul 2016

Leider nicht jedem. In den sechziger Jahren lernten wir noch Informationen kritisch...

jungundsorglos 21. Jul 2016

Das gilt nicht nur fürs Internet, wie der Artikel andeutet. Auch nicht nur bei komischen...

lala1 21. Jul 2016

"bösartige Bots" ... Bots sind nicht gut und böse (genau so wie Tiere nicht) sondern es...



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