Schockinhalte: Exmitarbeiterin verklagt Facebook nach Trauma

Die Mitarbeiter in Facebooks Löschzentren müssen als eine Art menschliche Filter tagtäglich schlimme Dinge sehen. Facebook erklärt, man helfe ihnen, das zu bewältigen. Doch in einer Klage wirft eine Exmitarbeiterin der Firma vor, sich nicht genug zu kümmern.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Logo von Facebook
Logo von Facebook (Bild: Joel Saget/AFP)

Facebook ist in den USA von der ehemaligen Mitarbeiterin eines Löschzentrums verklagt worden, weil die ständige Belastung durch schockierende Inhalte sie krank gemacht habe. Die Anwälte der Frau aus San Francisco streben eine Sammelklage an, der sich auch andere Beschäftigte anschließen könnten. Sie erklärt, sie habe nach der Arbeit für Facebook ein posttraumatisches Belastungssyndrom.

Stellenmarkt
  1. IT-Administrator / Fachinformatiker Systemintegration (m/w/d) im Team Client-Management
    Hochtaunuskreis, Bad Homburg vor der Höhe
  2. SAP Consultant FI/CO (m/w/d)
    it-motive, Dortmund
Detailsuche

In den sogenannten Löschzentren - von denen es auch zwei in Deutschland gibt - werden unter anderem anstößige Videos und Bilder, Hassrede oder Gewaltdarstellung gesichtet und entfernt. Als Zeitarbeiter eingestellte sogenannte Facebook-Moderatoren würden täglich Tausenden Videos, Bildern und Liveübertragungen von sexuellem Missbrauch von Kindern, Vergewaltigungen, Folter, Tiersex, Enthauptungen, Suiziden und Morden ausgesetzt, erklärte Klägeranwalt Korey Nelson von der Kanzlei Burns Charest am Montag. "Wir prüfen die Behauptungen derzeit", sagte Facebook in einem Statement.

In der Mitteilung der Anwälte heißt es, dass das Unternehmen seine Pflicht ignoriere, für die Sicherheit der Mitarbeiter zu sorgen. Facebook greife beim Ausmisten seiner Plattform auf Zeitarbeiter zurück, die angesichts der schockierenden Inhalte irreparable traumatische Schäden in dem Job erlitten.

Facebook räumte in der Stellungnahme ein, dass die Arbeit häufig schwierig sei. "Darum nehmen wir die Unterstützung unserer Moderatoren unglaublich ernst". Die Mitarbeiter erhielten ein spezielles Training, zudem biete man ihnen psychologische Hilfe an. Facebook-Angestellten stehe dies hausintern zur Verfügung, von Partnerfirmen würden ebenfalls entsprechende Ressourcen verlangt. Über die Arbeitsbedingungen in Facebooks Löschzentren unter anderem in Asien hatte es bereits wiederholt negative Medienberichte gegeben.

Golem Karrierewelt
  1. AZ-104 Microsoft Azure Administrator: virtueller Vier-Tage-Workshop
    07.-10.11.2022, virtuell
  2. Cloud Competence Center: Strategien, Roadmap, Governance: virtueller Ein-Tages-Workshop
    06.10.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Die Klägerin Selena Scola aus San Francisco arbeitete den Anwälten nach ab Juni 2017 neun Monate im Auftrag einer Zeitarbeitsfirma für Facebook, später sei bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Die Kanzlei strebt eine Sammelklage im Namen aller betroffenen Facebook-Mitarbeiter an und fordert unter anderem die Einrichtung eines Fonds für medizinische Tests und Versorgung der Moderatoren.

Die deutschen Löschzentren in Berlin und Essen betreibt Facebook nicht selbst, sondern greift auf die Dienstleistungsfirmen CCC und Arvato zurück, die unter anderem im Callcenter-Geschäft sind. Nach Kritik an den Arbeitsbedingungen gewährte Facebook im Jahr 2017 einigen wenigen Journalisten Zugang zum Berliner Löschzentrum und betonte auch hier die Maßnahmen zur psychologischen Unterstützung.

Gespräche mit Mitarbeitern - in Anwesenheit von Facebook-Vertretern - zeichneten damals ein Bild von Menschen, die mit der Härte des Jobs zu kämpfen haben und zum Teil abstumpfen. "Ich weiß noch, das erste Enthauptungsvideo - da hab' ich dann ausgemacht, bin raus und hab erstmal ein wenig geheult", erinnerte sich damals eine 28-jährige Mitarbeiterin. "Jetzt hat man sich so daran gewöhnt, es ist nicht mehr so schlimm."

Einer der Teamleiter sagte damals auch, Mitarbeiter müssten sich selbst melden, um psychologische Betreuung zu bekommen. "Ich als Teamleiter weiß ja nicht, ob jemand Betreuung braucht oder nicht." Zugleich arbeiten die Menschen in den Löschzentren mit dem Gefühl, andere vor Schaden zu bewahren: "Wenn ich jemandem ersparen kann durch meine Arbeit, dass er das sehen muss, dann finde ich das sehr gut", sagte eine der Frauen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


SJ 27. Sep 2018

Es gibt immer die Wahl den Job nicht anzunehmen.

franzropen 27. Sep 2018

Die Zeitarbeitsfirma meldet notfalls einfach Komkurs an und macht unter neuem Namen neu...

win.ini 26. Sep 2018

wtf :D ist das golem Forum jetzt ein Support Forum? Ich will dir trotzdem helfen, weil...

entonjackson 25. Sep 2018

https://www.arte.tv/de/videos/069881-000-A/im-schatten-der-netzwelt-the-cleaners/



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
US-Whistleblower  
Putin verleiht Snowden die russische Staatsbürgerschaft

US-Whistleblower Edward Snowden ist nun auch russischer Staatsbürger. Für den Krieg gegen die Ukraine kann er aber vorerst nicht eingezogen werden.

US-Whistleblower: Putin verleiht Snowden die russische Staatsbürgerschaft
Artikel
  1. Creative Commons, Pixabay, Unsplash: Rechtliche Fallstricke bei Gratis-Stockfotos
    Creative Commons, Pixabay, Unsplash
    Rechtliche Fallstricke bei Gratis-Stockfotos

    Pixabay, Unsplash, CC ermöglichen eine gebührenfreie Nutzung kreativer Werke. Vorsicht ist dennoch geboten: vor Abmahnmaschen, falschen Quellenangaben, unklarer Rechtslage.
    Eine Analyse von Florian Zandt

  2. Star Wars: Lego bringt großes Set der Razor Crest aus The Mandalorian
    Star Wars
    Lego bringt großes Set der Razor Crest aus The Mandalorian

    Aus fast 6.200 Teilen besteht das große Lego-Set der Razor Crest. Sie ist teuer, nicht aber für ein Star-Wars-Set.

  3. Pendix eDrive: Ein E-Bike wie kein anderes
    Pendix eDrive
    Ein E-Bike wie kein anderes

    Pendix bietet einen Umbausatz, mit dem aus normalen Fahrrädern E-Bikes werden. Nicht ganz billig - aber auf jeden Fall ein Vergnügen.
    Ein Test von Martin Wolf

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • CyberWeek: PC-Tower, Cooling & Co. • Günstig wie nie: Asus RX 6700 XT 539€, FIFA 23 PS5 59,99€, Acer 31,5" 4K 144 Hz 899€, MSI RTX 3090 1.159€ • AMD Ryzen 7 5800X 287,99€ • Xbox Wireless Controller 49,99€ • MindStar (Gigabyte RTX 3060 Ti 522€) [Werbung]
    •  /