Schnellladen: In zwölf Minuten von 10 auf 80 Prozent

BMW nutzt die IAA Mobility in München (9. bis 12. September 2025) für die Weltpremiere des ersten Modells der Neuen Klasse. Die Bayern sind bei der sechsten Batteriegeneration mit Rundzellen und 800 Volt Spannung stolz auf eine maximale Ladeleistung von 400 kW. In 21 Minuten lädt der iX3 50 xDrive von 10 auf 80 Prozent.
Xpeng tauscht die Minutenziffern. Der überarbeitete Premium-SUV lädt in 12 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Neben der höheren Ladeleistung liegt der Zeitvorsprung an der Batteriekapazität.
Xpeng verbaut nutzbare 92,2 kWh, während BMW 108,7 kWh bietet. Beide Hersteller setzen auf 800-Volt-Systeme, verwenden jedoch unterschiedliche Zellchemie. Während BMW in der Lithiumzelle beim Kathodenmaterial auf Nickel, Kobalt und Mangan (NCM) setzt, wechselt Xpeng in der überarbeiteten Fahrzeugversion auf das günstigere Aktivmaterial Eisenphosphat (LFP).
Bei der Produktpräsentation in München spricht der Xpeng-Produktmanager von einer 5C-Batterie; die Ladeleistung entspricht vereinfacht gerechnet der fünffachen Batteriekapazität. Aktuelle Serienfahrzeuge liegen in der Regel bei 2C.
Das Wettrennen um die kürzeste Ladepause ist in vollem Gang. Der kurze Tankstopp gilt bei vielen Kritikern der Elektromobilität noch immer als Vorteil. Der Xpeng G9 lädt im besten Fall 350 km Reichweite innerhalb von zehn Minuten.
Ladestopp = Tankstopp
In der Autobranche dürften sich Ladezeiten bis zum Jahr 2030 auf bis zu 400 km in zehn Minuten einpendeln, schätzt man bei Strategy&, der Strategieberatung von Pricewaterhousecoopers. Gleichzeitig sollen E-Autos effizienter mit Energie umgehen und einen durchschnittlichen Verbrauch von 14 kWh auf 100 km erreichen.













Mehr Reichweite und kürzere Ladezeiten dürften nach Aussage der Berater die Akzeptanz von E-Autos steigern. In ihrer Studie The Next Phase in the eMobility Transformation gehen sie von einem weltweiten Anteil von 40 Prozent für E-Autos bei Pkw-Verkäufen aus. In zehn Jahren soll der Anteil bei 60 Prozent liegen.
Ladesäule nicht stark genug
Noch liegt der Verbrauch des G9 bei 18,6 kWh auf 100 km. Die Allrad-Version schafft 540 km (WLTP) mit einer Batterieladung. Bei einer Probefahrt in München wollen wir die Ladeleistung testen.
Doch es gibt zwei Hürden: Der Wagen wird uns mit einem Ladestand (SoC) von 80 Prozent übergeben, öffentliche Ladesäulen liefern maximal 400 kW. Ein angedachter Ladestopp an einer Ionity-Testeinrichtung mit bis zu 600 kW Ladeleistung ist bei dieser Fahrt aber nicht realisierbar.
Die erste Hürde überwinden wir auf der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen. Ohne Tempolimit und mit wenig Verkehr fahren wir über eine längere Strecke mit der Höchstgeschwindigkeit von 214 km/h. Das treibt den Verbrauch zwar auf 33 kWh/100 km, allerdings sehen wir nach rund 200 km eine gewünschte Restenergie von neun Prozent.
Damit fahren wir zu einem Mercedes-Ladestandort nach Penzberg. Zum Glück stehen wir allein an einer HYC400-Ladesäule von Alpitronic, so dass wir die Ladeleistung mit niemandem teilen müssen.
Die Ladekurve steigt stufenweise an. Bei 42 Prozent SoC erreichen wir den höchsten Wert mit 375 kW. Nach zehn Minuten sind 53 kWh in die Batterie geflossen. In dieser Zeit haben wir von 9 auf 60 Prozent geladen.
Nach 17 Minuten erreichen wir 80 Prozent. Die Ladeleistung beträgt noch 90 kW. Ein Pressevideo des Herstellers zeigt den G9 an besagter Ionity-Testeinrichtung. In der Aufnahme liegt der Spitzenwert bei 446 kW Ladeleistung. Somit wird auch dort die Höchstleistung nicht erreicht. Der Broschürenwert von 525 kW benötigt vermutlich ideale Laborbedingungen.
AMG mit 950 kW laden
An einem High Power Charger (HPC) im öffentlichen Bereich ist mit einem CCS-Stecker derzeit nicht mehr als 400 kW Ladeleistung möglich. Mit einem Lkw hätte man das Megawatt-Charging-System (MCS) nutzen können.
Die Nutzfahrzeuge verwenden modifizierte Stecker. Alpitronic hat für Testfahrten mit dem Concept AMG GT XX auf einem Rundkurs in Süditalien eine MCS-Säule auf CCS-Stecker umgerüstet. Somit konnte der elektrische Sportwagen mit bis zu 950 kW laden .













Bei derartigen Ladeleistungen ist die Kühlung der Ladekabel, der Hochvoltkabel sowie der Batteriezellen im Fahrzeug wesentlich. Mit den Temperaturen steigen Ladeverluste und die Lebensdauer der Hochvoltbauteile im Fahrzeug wird verkürzt.
Knapp unter drei Tonnen
Der Preis für den G9 beginnt mit einmotorigem Heckantrieb und kleiner Batterie (79 kWh) bei 59.600 Euro. Die genutzte Allradvariante mit großer Batterie kostet ab 72.600 Euro. Optisches Highlight ist eine Black Edition, bei der auch Logo, Frontgrill und Felgen schwarz sind. Lediglich die orangefarbenen Bremssattel bilden einen Farbtupfer.
Der G9 misst 4,90 m in der Länge, 1,94 m in der Breite und 1,67 m in der Höhe. Der SUV wiegt 2.910 kg und schafft es mit 423 kW Leistung der beiden E-Motoren in 4,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Mit Anhängerkupplung können bis zu 1.500 kg gezogen werden.
Drei Modelle im Angebot
Das chinesische Unternehmen baut seit dem Jahr 2016 Autos und wurde zwei Jahre zuvor in Guangzhou gegründet. Inzwischen hat es weltweit 800.000 Fahrzeuge ausgeliefert. "In den vergangenen zehn Monaten lagen wir beim monatlichen Absatz stets über 30.000 Autos," sagt Markus Schrick, Managing Director für Zentraleuropa.
Der Automanager war zuvor für Hyundai, Toyota und Audi tätig. Seit 2024 verkauft Xpeng seine Modelle in Deutschland. Die Fahrzeugpalette besteht aus dem Premium-SUV G9 und der kleineren Version G6 ( Praxistest ). Mit dem P7 ist eine elektrische Limousine im Angebot ( Probefahrt ).
Im kommenden Jahr sollen kleinere Modelle folgen. Aktuell ist das Unternehmen in 19 europäischen Ländern aktiv. Acht weitere stehen auf der Expansionsliste. Bis Ende des Jahres möchte Schrick die Zahl seiner Handelspartner von 40 auf 60 erweitern. Mittelfristig sollen es 120 werden. "Mit der Zahl hätten wir Deutschland gut abgedeckt," sagt Schrick.
Senkrechtstarter und Roboter
Xpeng ist in New York und Hongkong an der Börse notiert. Ende 2023 beteiligt sich Volkswagen mit fünf Prozent der Aktien an Xpeng. Gemeinsam will man eine E/E Architektur für Autos aller Antriebsarten in und für China entwickeln.













Außer an Autos arbeitet das Unternehmen an einem elektrischen Senkrechtstarter (eVTOL) und einem L3-humanoiden Roboter mit dem Namen Iron. Eine Version des 1,78 m großen Roboters hat Xpeng zur IAA Mobility nach München mitgebracht. Im G9 gibt es auch einen kleinen Roboter. Der erscheint, wenn man den Sprachassistenten aktiviert. Dieser wiederum funktioniet am besten, wenn man den Markennamen Xpeng deutsch ausspricht.
Offenlegung: Die Kosten für die Reise nach München hat Xpeng übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.



